Widerstandskämpfer begründeten die Ökumene

Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landsbergstellte ihre Gedanken zur Ökumene vor.
Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landsbergstellte ihre Gedanken zur Ökumene vor.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landberg referierte in der Gelsenkirchener Apostelkirche über den Widerstand im 3. Reich und die Rolle der Kirchen. „Der Widerstand hat zur Ökumene geführt“, betonte sie. Nicht umgekehrt.

„Der Widerstand hat zur Ökumene geführt“, betonte Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landberg am Freitagabend, dem 70. Jahrestag des Kriegsendes, dass nicht die Ökumene zum Widerstand führte. Nein, die gemeinsame Sache habe Mitglieder verschiedener Konfessionen zusammen gebracht.

So lautete das Credo des Vortrages der Tochter von Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, der Verbindungen hatte zum konservativen Widerstandskreis vom 20. Juli 1944. Mit ihr tauchten die wenigen Zuhörer in der Apostelkirche in die Entstehungsgeschichte der Ökumene ein.

Konfession bestimmte über das Leben

Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landberg erläuterte zunächst die Verhältnisse vor der Ökumene – und das zuweilen sehr humorvoll. So seien in ihre Heimat einst protestantische Flüchtlinge gekommen. „Da hieß es, was sollen wir denn mit denen. Die kennen ja noch nicht einmal eine Bayerntracht.“

Die Konfession konnte damals über das ganze Leben bestimmen, über die Partnerwahl, die Karriere. „Der alte Thyssen ging immer in die Frühmesse. Die Arbeiter, die er dort traf, hatten die Möglichkeit, Steiger zu werden.“ Auch in ihrer Kindheit erlebte Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landberg die Vorurteile zwischen den Christen. „Als ich in die Schule ging, kam ich nach Hause und erzählte meiner Mutter, dass ich neben einer Protestantin säße, die sogar rechnen kann.“

Unter den Widerstandskämpfern verschwammen die Unterschiede

Dann kamen die Nationalsozialisten an die Macht und alles wurde anders. Gegen sie zu sein, zu arbeiten, das führte konservative Christen mit Sozialdemokraten, mit Kommunisten zusammen. „Unter den Widerstandskämpfern verschwammen solche Unterschiede der gemeinsamen Sache wegen.“

Eine besondere Entwicklung nahm die Ökumene, nach dem gescheiterten Attentat und der Inhaftierung der Beteiligten. In der Haft war der Glaube der Halt der inhaftierten Christen, die erkannten, dass die christliche Religion auch verbindende Elemente habe.

Ökumenischen Gebetsgruppe

„So feierten die Gefangenen unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam die Heilige Messe“, erklärte Maria Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landberg. Mit einer Einschränkung: „Bei aller Gemeinsamkeit, Abendmahl und Kommunion wurden getrennt empfangen.“ Diese Entwicklung wurde durchaus wahrgenommen. „Der Strom dieser ökumenischen Gebetsgruppe ging von drinnen nach draußen und umgekehrt.“

Von diesem ersten Miteinander der Konfessionen in Deutschland könne man bis heute lernen, so die Freifrau. „Dass wir so miteinander umgehen, dass unser Umgang den Christen in uns deutlich macht. Nur so findet man Gemeinsames. Die geschichtliche Last der getrennten Kirchen werden wir als Last weiter tragen müssen.“