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Widerstand gegen BP-Erweiterung

02.05.2007 | 19:52 Uhr

Scholvener Initiative macht Front gegen Ausweisung von landwirtschaftlichen Flächen als Industrie- und Gewerbefläche. Anwohner fürchten um Vogelbestand. Unternehmen will Gespräch suchen

Der Kontrast könnte größer nicht sein: Hier die landwirtschaftliche Idylle, dort die Industrie-Anlagen der BP-Raffinerie. Die Scholvener leben seit Jahren damit. Doch gegen die Norderweiterung des Chemie-Standorts regt sich jetzt Widerstand. Unter der Federführung einer Familie hat sich eine Initiative gegründet, die Gefahren für Mensch und Natur sieht. "Man muss sich nicht alles gefallen lassen", findet Sprecherin Claudia Pabst.

Sie meint die geplante Ausweisung einer 70 ha großen, bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche als Gewerbe- und Industriegebiet. Konkret: das Areal zwischen der Bergehalde Scholver Feld, Auf der Kämpe, Autobahn 52, Ulfkotter Straße, Bellendorfsweg und Fünfhäuserweg. Für 20 ha davon hat BP bereits das vorübergehende Ok erhalten, um ein Containerdorf für die Organisation von TÜV-Stillständen zu errichten.

"Lärm- und Geruchsbelästigungen reichen uns schon jetzt. Da brauchen wir nicht noch eine Erweiterung", sind sich Claudia Pabst und ihr Mann Joachim einig. "Es gibt Nächte, in denen wache ich vom Gasgeruch auf", sagt die Mutter zweier Kinder, die an der Kirchhellenstraße aufgewachsen ist und dort gerade mit ihrem Mann ein Haus gebaut hat.

Also trommelte sie Anfang des Jahres 35 Anwohner zu einem ersten Treffen zusammen, um sich gegen das Vorhaben zur Wehr zu setzen; sie klapperte in den vergangenen Tagen Häuser und Bauernhöfe in Oberscholven ab, um Meinungen einzuholen und auf den nächste Termin der noch namenlosen Initiative am morgigen Freitag hinzuweisen (siehe Infokasten). Und sie kämpfte sich mit Mann, Bruder, Schwester und deren Familien durch das Behördendeutsch von Arten-, Lärmschutz- und Bodengutachten - das Klimagutachten steht noch aus.

Befürchtungen und Kritik fassten sie in einer Stellungnahme für die Stadt zusammen, die vor dem Ratsbeschluss der Flächennutzungsplan-Änderung Einwände sammelt. Tenor: Etliche Vogelarten - Graureiher, Rauchschwalbe, Schleiereule und Steinkauz - sowie die Langohrfledermaus würden durch den Betrieb beim Brüten gestört, ihre Nahrungsbasis könne sich verschlechtern, Schleiereule und Steinkauz könnten ganz abwandern.

"Außerdem wurden die Lärmmesssungen nur bei Süd- und Südwestwind vorgenommen. Bei anderen Windrichtungen haben die Gutachter nur geschätzt", ärgert sich Claudia Pabst. Zudem sei nicht berücksichtigt worden, dass sich durch die Verlegung des Bellendorfswegs die Lärmbelastung der nördlichen Anlieger erhöhen werde.

Auch in Sachen Bodengutachten sieht sie Messfehler, weil zum Zeitpunkt der Bodenproben das Grundwasser ausnahmsweise nicht hoch gestanden habe. "Die Grundwasserstände in Oberscholven sind normalerweise ganz hoch. Das beeinträchtigt die Tragfähigkeit des Bodens."

Derweil setzt BP auf einen Dialog. "Wir nehmen die Besorgnis ernst und sind bereit, mit Vertretern der Initiative zu reden", erklärte Pressesprecherin Maria Rüter auf WAZ-Anfrage. Bislang habe BP aber nichts von der Initiative gewusst. Unabhängig davon sei die Norderweiterung eine Voraussetzung für zukünftige Investitionen und damit wichtiger Teil der Standortsicherung. In den Raffinerie- und Petrochemiewerken Scholven und Horst sind insgesamt 2300 beschäftigt.

Von Christiane Rautenberg

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