Wettkampf gegen Langeweile

Leistungsträger im  Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium:  (v.l.) Leon Jekel, Nele Heß, Inga Bechler und Christopher Markgraf.
Leistungsträger im Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium: (v.l.) Leon Jekel, Nele Heß, Inga Bechler und Christopher Markgraf.
Foto: WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Buer..  Gut, besser, am besten – und dann? Wenn große Herausforderungen fehlen, kann der Lerneifer sehr guter Schüler schon mal erlahmen. Um das zu verhindern, ermuntert das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium (AvD) bewusst Kinder und Jugendliche, an Wettbewerben teilzunehmen. In diesem Schuljahr haben sich etliche von ihnen in solchen Ausscheidungen bis in die Spitze vorgekämpft, frei nach dem Motto: Hürden sind dazu da, sie zu überspringen.

Christopher Margraf (15) ist so ein Talent: Der Zehntklässler hat es bei der „Chemie-Olympiade“ aktuell bis in die 3. Runde geschafft, sprich: Er zählt bundesweit zu den 60 besten Teilnehmern. Was ihn daran reizt, neben dem normalen Hausaufgabenpensum in Zeiten des G 8-Abiturs zusätzliche Arbeiten zu erledigen? „Das ist wohl dieser Wettbewerbscharakter, besser sein zu wollen als andere. Aber ich finde es auch toll, mein Wissen zu erweitern, denn die Aufgaben stoßen in Bereiche vor, die in der Schule so nicht vorkommen.“

Das kann Leon Jeckel (13) nur bestätigen. Der Siebtklässler steht im Mathe-Wettbewerb „Pangea“ im bundesweiten Finale, das in diesen Tagen in Berlin stattfindet. „Am Anfang dachte ich, das schaffe ich nie. Aber dann habe ich mich an ähnliche Fragen beim Känguru-Wettbewerb erinnert. Und dann ging’s“, mag Leon nicht viel Aufhebens um seine „herausragende Leistungen“ machen.

Herausforderungen annehmen

Herausforderungen sind aber offenbar der Thrill in seinem Schulalltag: Er lernt ebenso wie Nele Heß (13) nicht Latein oder Französisch – sondern beide Fremdsprachen im so genannten „Drehtür-Modell“ (siehe Info-Box). Dass dabei nichts Halbes und nichts Ganzes herkommt, können sie nicht gerade behaupten: Beide stehen in Latein und Französisch jeweils „sehr gut“, Leon hat beim Französisch-Wettbewerb DELF das B 1-Zertifikat abgelegt, „das dem Niveau einer 10. Klasse entspricht“, so Französisch-Lehrerin Nathalie Colomb-Hansmann.

Stolz ist sie auch auf Abiturientin Lena Quill (19) und Elftklässler Raphael Disselkamp (17): Sie haben den DELF-Grad C 1 erlangt, der wegen seines universitären Niveaus den Charakter eines Diploms hat, so die Lehrerin. Währenddessen hat sich Zehntklässlerin Inga Bechler (15) im Bundeswettbewerb Fremdsprachen in Latein in die Riege der besten drei Schüler hochgekämpft. Abgefragt wurden nicht nur Grammatik- und Sachkenntnisse über das Altertum, nein, Inga musste auch mal eben Fragen zu einem lateinischen Text beantworten, der ihr vorgelesen worden war. „Man muss sich halt nur auf die Verben konzentrieren“, sagt sie.

Für Schulleiter Friedrich Schenk sind diese herausragenden Leistungen nur Beispiele für den roten Faden individuelle Förderung. „Wir wollen nicht nur leistungsschwächere Schüler fördern, sondern auch besonders begabte, die im Unterricht nicht so häufig an ihre Grenzen stoßen. Wenn sie diese Hürden meistern, sind sie stolz, gerade weil der Erfolg nicht so einfach zu bekommen war.“