Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen-Buer 14°C
Hilfe

Warmes Obdach ohne Nachfrage

09.02.2012 | 17:54 Uhr
Warmes Obdach ohne Nachfrage
Foto: Heinrich Jung

Gelsenkirchen-Erle.  In eisig kalten Nächten wie diesen, wenn die Minus-Temperaturen leicht in den zweistelligen Bereich rutschen, tut ein warmes Obdach Not. Die Johanniter haben auf ihrem Hof im Gewerbegebiet an der Emscherstraße 14 seit ein paar Tagen ein Zelt zum Aufwärmen und Übernachten stehen - doch kaum ein Wohnungsloser hat bislang von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

In eisig kalten Nächten wie diesen, wenn die Minus-Temperaturen leicht in den zweistelligen Bereich rutschen, tut ein warmes Obdach Not. Die Johanniter haben auf ihrem Hof im Gewerbegebiet an der Emscherstraße 14 seit ein paar Tagen ein Zelt zum Aufwärmen und Übernachten stehen - doch kaum ein Wohnungsloser hat bislang von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

Den Hilferuf vom Verein Gelsenzentrum haben die Ehrenamtlichen innerhalb weniger Stunden in die Tat umgesetzt. „Um 16 Uhr habe ich erst davon erfahren, um 20 Uhr konnte die erste heiße Brühe ausgegeben werden“, erinnert sich Daniela Russo an den Donnerstag vergangener Woche, als das Zelt innerhalb kürzester Zeit aufgebaut wurde. Die ehrenamtliche Helferin gehört zu einem Team von einem knappen Dutzend Freiwilliger, die abwechselnd die kalten Nächte in der Trostlosigkeit eines Gewerbegebietes zwischen Lagerhalle und Autohaus verbringen. Es muss in der zweiten oder dritten Nacht gewesen sein, da habe der bislang einzige Übernachtungsgast das Zelt aufgesucht. Wie Daniela Russo berichtet, habe sich der Mann kaum getraut, das Hilfsangebot anzunehmen: „Er hat noch nicht einmal nach einer Suppe gefragt.“ Erst nach guten Zureden habe er die Brühe getrunken, den klein geschnittenen Apfel gegessen, den Rest der Nacht im beheizten Zelt verbracht. Sein Versprechen, mit anderen Obdachlosen zur Emscherstraße zurückzukehren, hat er bislang noch nicht eingelöst.

Dieses zögerliche Verhalten und der geringe Zuspruch decken sich mit Erfahrungen, die die Johanniter auch in anderen Städten gemacht haben. „In Bochum sind wir mit einem Bus unterwegs, um Treffpunkte von Obdachlosen anzufahren und unsere Hilfe anzubieten. Auch dort hat es zunächst Skepsis und Zurückhaltung auf Seiten der Betroffenen gegeben“, erzählt Agnes Krauses, die Sprecherin der Johanniter im Regionalverband Ruhr-Lippe. Wärmende Decken und heiße Mahlzeiten seien dann doch dankbar angenommen worden.

Über die Gründe, warum das Zelt an der Emscherstraße so gut wie gar nicht aufgesucht wird, kann Daniela Russo nur spekulieren: „Die meisten Obdachlosen haben irgendwo draußen Übernachtungsplätze.“ Sie halten sie geheim, wollen sie - nur um den Preis für eine warme Nacht - vielleicht nicht aufgeben und dabei Gefahr laufen, dass sie dann von anderen Obdachlosen belegt werden. Dabei hat das Johanniter-Zelt viele Vorteile zu bieten im Vergleich zu stationären Einrichtungen: Es steht kostenlos zur Verfügung und es ist erlaub, was anderswo verboten ist. Daniela Russo: „Was die wenigsten wissen: Zu uns dürfen auch Hunde mitgebracht werden.“ Und für die Vierbeiner steht auch Hundefutter zur Verfügung.

Wie lange das Zelt an der Emscherstraße bleibt, hängt vom Winterwetter ab. Bis übers Wochenende bleibt es auf jeden Fall noch stehen.

Wolfgang Laufs

Facebook
 
Kommentare
14.02.2012
11:35
Gut gemeint, aber schlecht gemacht
von Zugfuehrer_aD | #1

Die Idee war ja gar nicht so schlecht. Aber wer nachgedacht hätte, hätte eigentlich ahnen können das kein Obdachloser ins Gewerbegebiet für einen heissen Tee oder eine heisse Suppe kommt. Wenn man helfen will, muss man dort hingehen, wo die Betroffenen sich aufhalten.

Ich verstehe aber nicht ganz, warum man vor der Unterhunft der Johanniter ein Zelt aufbaut und eine Dixi-Toilette hinstellt, wenn man doch in der Unterkunft geheizte Räumlichkeiten und vernüftige saubere Toiletten hat. Ich verstehe das so, das man diesen Menschen zwar helfen will, sie aber nicht in den eigenen Räumlichkeiten haben will. Mit christlicher Nächstenliebe hat das dann aber nicht viel zu tun.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6333160/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schatten auf der Lunge
Bildgalerie
WAZ-Medizinforum
40 Jahre Maritim
Bildgalerie
Hotel
Eine echte Gaudi
Bildgalerie
Schützenfest
Drachenwetter auf Consol
Bildgalerie
Himmelsstürmer
Aus dem Ressort
Karten fürs 5. Blackfield Festival in Gelsenkirchen gewinnen
Festival
Düster wird es am letzten Juni-Wochenende rund ums Amphitheater in Gelsenkirchen. Dann spielen beim Blackfield Festival 32 Bands der Gothic- und Elektro-Szene auf. Das Festival wird fünf und feiert dies mit einer zweiten Bühne und weiteren Aktionen. WAZ.de verlost zwei mal zwei Tickets.
Foto
Zum Geschmackserlebnis aufs Land
Hofladen
Raus aufs Land: Wer im Hofladen von Martin und Lydia Reimann einkauft, muss dieses Motto wörtlich nehmen. Einsam am Ende einer Sackgasse der Hobergstraße gelegen, umsäumt von sattgrünen Feldern liegt der Bauernhof da. Verträumt, fast verloren wirkt er am Ende des holpriges Feldwegs am Rande des