Vier Brandmeister
21.10.2009 | 10:00 Uhr 2009-10-21T10:00:00+0200In Westerholt gehörte früher die regelmäßige Reinigung der Schornsteine zum Brandschutz.
Schon immer war das Image des Schornsteinfegers zwiespältig. Viele sahen ihn als Glücksbringer, die anderen aber als schwarzen, rußverschmierten Mann, der Dreck ins Haus brachte. Im Zeitalter der Heizungsanlagen haben sich die Aufgaben in diesem Handwerk sehr stark verändert. Heute ist der Schornsteinfeger auch für die Überprüfung von Schadstoffemissionen und für die Sicherheit einer Heizung zuständig. Das Kehren und die Reinigung von Schornsteinen treten immer mehr in den Hintergrund.
In Westerholt gehörte früher die regelmäßige Reinigung der Schornsteine zum Brandschutz. Sie wurde durch die Brandmeister überwacht. Am 12. November 1745 berichtete der Rezeptor, dass die Schornsteine besichtigt „und sich solche rein befunden…”. Ursprünglich gab es in Westerholt vier Brandmeister. Für das gesamte Gebiet des Vestes Recklinghausen wurde ein Land-Schornsteinfegermeister angestellt, der mit seinen Gesellen drei Mal im Jahr sämtliche Schornsteine reinigen musste.
Interessant ist auch ein Vertrag vom 15. Oktober 1845, der zwischen der Graf von Westerholt'schen Verwaltung und dem Schornsteinfegermeister Dreesen aus Bottrop abgeschlossen wurde. Akribisch wurde hierin festgelegt, welche Aufgaben der Kaminkehrer hatte. Für seine Arbeit bekam er jährlich sechs Taler. Die Auszahlung erfolgte halbjährlich. Der „Contrakt” wurde auf sechs Jahre abgeschlossen, vorbehaltlich der herrschaftlichen Genehmigung.
Noch immer hallt mir aus Kindertagen der Ruf des „Schwarzen Mannes” in den Ohren, wenn er mit lauter Stimme in den Hausflur rief: „Schornsteinfeger kommt morgen!” Am Kehrtag selbst brachten die Hausfrauen fluchtartig ihre weiße Wäsche, so sie noch auf der Leine hing, in Sicherheit. Die Ofenrohre in den Kaminöffnungen wurden mit Papier oder feuchten Stoffresten so gut wie möglich abgedichtet. Später kamen Rußabsperrer in Gebrauch. Der Schornsteinfeger stieg mit einer Leiter oder durch die Dachluke auf das Dach und balancierte in halsbrecherischer Weise zu den Schorn-steinen. Das Kehrgerät wurde von der Schulter genommen, und mit flinken Handgriffen verschwanden die Leine mit den am Ende durch eine Kugel beschwerten Kehrbesen in den schwarzen Schlund des Kamins. Im Keller wurde dann anschließend der Ruß herausgenommen und in feuerfeste Behältnisse geschaufelt.
Ein plattdeutscher Spruch über den Schornsteinfeger, wie er in Westerholt üblich war, ist uns noch überliefert worden: „Schuottsteenfiaeger Uhlenkopp, steiht üm nieggen Uhr es op”.
20:59
@ ...für die Sicherheit einer Heizung zuständig
Die gesetzlich vorgeschriebenen Scheindienstleistungen dienen weder der Sicherheit noch dem Umweltschutz.
20:57
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