Swingende Rhythmen im Kirchenraum
21.10.2011 | 17:40 Uhr 2011-10-21T17:40:00+0200
Gelsenkirchen-Erle.Fröhlicher Lobgesang und Hoffnung auf Eintracht zwischen den Menschen: Gut 200 Besucher konnten in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche an der Cranger Straße eine musikalische Gefühlswelt erleben, die emotional berührende Wohlklänge ebenso vermittelte wie donnernde Paukenschläge.
Der städtische Musikverein unter Leitung des MiR-Chordirektors Christian Jeub zeigte sich stimmlich bestens disponiert, als er zum Auftakt Gabriel Faurés Werk „Cantique de Jean Racine“ besonders einfühlsam interpretierte. Mit 19 Jahren hatte der französische Komponist die Hymne 1864 komponiert. „Christus, nimm die Gesänge an, die das Volk dir anbietet“, heißt es an einer Textstelle. Nun, ihm dürften die erwärmenden und nuanciert vorgetragenen Lobgesänge des Chors sehr gefallen haben.
Nur 24 Jahre alt wurde Julius Reubke, der 1856 mit der anspruchsvollen Orgelsonate „der 94. Psalm“ ein Werk schuf, das Organisten Höchstleistungen abverlangt. Kreiskantor Andreas Fröhling erwies sich als virtuoser Meister an Manualen und Pedalen. Einem Wolkenbruch gleich nimmt das Werk an Dramatik zu, gleichsam, als wolle es Menschen wachrütteln, im Glauben festzuhalten, den Fallstricken des Lebens zu trotzen. Als verbindendes Werk sang der Chor im Wechsel mit der Sopranistin Valérie Salgues „Hör mein Bitten“, eine Hymne nach Psalm 55, von Felix Mendelssohn –Bartholdy. Eine nicht weniger aufrüttelnde geistliche Komposition, die 1845 entstand. Sängerin wie auch dem Chor gelang es eindrucksvoll, mit praller Leidenschaft um Gottes Gunst zu bitten wie auch die Träume von der Flucht vor dem Feind mit sinnlicher Melancholie zu untermalen.
In eine völlig andere musikalische Welt entführten Chor, Solistin, Orgel, Harfe und Schlagzeug die Besucher mit den „Chichester Psalms“ von Leonard Bernstein. Die zumindest empfundene atonale Harmonie, mit der Bernstein die Interpreten gleich zu Beginn „Wach auf Psalter und Harfe“ vor eine gewaltige stimmliche Herausforderung stellt, zieht sich indes nicht wie ein roter Faden durch das Werk. Denn Bernstein verlangt nicht nur musikalische Schwerstarbeit. Es tauchen viele leicht zugängliche Passagen vertrauter Harmonien auf. Die Kirche wird schließlich zur Swingstätte, als die Bongo-Rhythmen (Torsten Müller) eine ansteckend wirkende Vitalität in den Raum transportieren.
Wie sie für Aufbruch und Temperament des Werkes steht, so verdeutlichen die sanften Harfenklänge (Uta Deilmann) die Leidenschaft nach Frieden und Eintracht zwischen den Menschen. Chor wie Solisten lebten auf, verdienten sich Bestnoten. Ein Sonderlob gilt Christian Jeub, dem Meister am Pult, der alle Interpreten sicher im Griff hatte. Mit begeistertem Applaus dankten die Zuhörer, die noch eine Zugabe erklatschten. Ein künstlerisch beeindruckendes Konzert.
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