„Stricklieseln“ treffen sich in der Stadtteilbibliothek Horst

Die strickenden und häkelnden Damen helfen sich untereinander, falls Fragen aufkommen.
Die strickenden und häkelnden Damen helfen sich untereinander, falls Fragen aufkommen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bis zu 17 Damen kommen alle 14 Tage in der Vorburg von Schloß Horst zusammen, um gemeinsam ihr Hobby auszuüben. Das Angebot der Stadtteilbibliothek ist noch jung und knüpft an an isländische Traditionen, wo seit vielen Jahren Menschen in der Kulisse von Büchern gemeinsam handarbeiten.

Oben, auf der Galerie der Stadtbücherei Horst, geht es schon munter zu. Dabei sind noch gar nicht alle „Stricklieseln“ da. Beim letzten Treffen waren es ganze 17 Damen, die gekommen waren, um gemeinsam zu handarbeiten. Die ersten packen schon aus, was sie in den Ferien gemacht haben. Und besonders ein Teil zieht alle Blicke auf sich.

Moni Albrecht arbeitet einen Bettüberwurf aus „Granny Squares“, kleinen, gehäkelten Quadraten, die aneinander gesetzt werden. Eine echte Fleißarbeit bei einem Format von 1,20 mal 2 Metern. „Ich habe ausgerechnet, dass ich 507 Kästchen brauche“, erzählt Albrecht. Knapp einhundert hat sie bislang.

Einige Dinge sind echte Fleißarbeit

Insgesamt werde sie ein halbes Jahr für die Arbeit brauchen. Das jedoch macht ihr nichts aus. „Ich stricke seit vierzig Jahren. Ich habe immer meine Sachen dabei und mache weiter, sobald es sich ergibt. Ich kann ja dabei reden“, lacht sie. „Ich muss immer was machen, bei mir gibt es nicht eine Tasse Kaffee ohne zu stricken. Nur hinsetzen und in die Luft schauen – das ist nichts für mich.“

Derweil wird noch immer der Anfang der Decke begutachtet. „Das sieht toll aus“, meinen die anderen. Auch Daniela Kubitzki ist begeistert. Sie ist diejenige, die das Stricken in die Bibliothek brachte, saß vor knapp einem Jahr beim ersten Termin noch alleine da.

Jeder hilft jedem

„Ich hatte mich bereit erklärt, Hilfestellung zu leisten. Ich habe schon viel gehandarbeitet. Aber viele der Frauen, die her kommen, sind besser.“ Kein Problem, denn hier hilft man sich gegenseitig. „Jeder, der Anleitungen hat, bringt etwas mit, jeder hilft jedem. Es ist eine gute Gemeinschaft geworden.“

Das ist spürbar. Die Frauen lachen miteinander, nehmen sich und ihr Hobby schon mal selbst auf den Arm. „Man hat einen ganzen Schrank voll Wolle – das ist wie eine Sucht“, lacht eine der Damen. Und so geht es auch schon los. Quatschen kann man ja auch nebenher. Daniela Kubitzki packt ein Knäuel grünes Garn aus. Daraus soll ein Krokodil entstehen. „So habe ich nach und nach für meine Enkel einen ganzen Zoo gestrickt.“

Handarbeiten ist wieder im Trend

Handarbeiten liegt wieder im Trend. Das weiß auch Jutta Schwichtenberg, Leiterin der Stadtteilbibliothek. „In den letzten zwei, drei Jahren nahm die Nachfrage nach Handarbeitsbüchern enorm zu“, erzählt sie einen der Beweggründe dafür, die Bücherei zu öffnen. „Ich finde, Bibliotheken sollten ein Platz sein, wo man sich jenseits des Kommerzes bewegt.

In Island zum Beispiel, hat es eine lange Tradition, dass die Menschen zum Stricken in die Bibliothek gehen.“ Im März vergangenen Jahres dann startete man den Versuch, die Gruppe „Strickliesel“ ins Leben zu rufen. Ab dem dritten Termin lief es gut. „Einige der Teilnehmerinnen kommen sogar von weiter her.“ Dass bisher keine jungen Frauen zu den Treffen gefunden haben, erklärt sich Schwichtenberg mit der Uhrzeit. Der Trend nämlich macht vor keinem Alter Halt. „Das ist nicht die richtige Zeit für berufstätige Frauen.“

Klickende Nadeln stricken Socken, daneben entsteht ein weiteres Square für die große Decke. Kaum etwas, was hier, im Kreise der „Stricklieseln“ noch nicht gearbeitet wurde. Daniela Kubitzki lacht. „Nur mit der guten alten Strickliesel macht hier keiner etwas.“