Steife Brise erwünscht
09.07.2010 | 14:41 Uhr 2010-07-09T14:41:00+0200
Scholven.Sie hat das Zeug zum Superlativ: Mit ihrer Höhe von rund 200 Metern über NN ist die Halde Oberscholven Gelsenkirchens höchste Erhebung. Auch wer revierweit nach geografischer Orientierung sucht, kommt an dem von Menschenhand geformten Tafelberg nicht vorbei.
Die Scholvener Kühltürme im Schatten der mächtigen Halde sind quasi ein Fixpunkt im nördlichen Revier. Jetzt setzt der örtliche Energieversorger ELE in Zusammenarbeit mit der RAG-Tochter Mingas Power noch ‘was drauf: zwei Windräder, die Energie für rund 10 000 Einwohner erzeugen können, gut sichtbar noch aus bis zu 30 Kilometern Entfernung. Rund 260 Meter werden zwischen dem Haldenfuß am Bellendorfsweg und der Spitze des Rotorflügels liegen, wenn die Windkraftanlage im Herbst fertig montiert ist.
Es ist „ein aufregendes Projekt“ - so ELE-Chef Kurt Rommel bei der Grundsteinlegung - in einem aufstrebenden Geschäft. Etwa 40 weitere Halden eignen sich als Standorte für weitere Windkraftanalagen, ergab eine Untersuchung der Deutschen Steinkohle. Nicht auszuschließen also, dass auch im ELE-Versorgungsgebiet weitere Windräder aufgestellt werden. Wie es um die Energiegewinnung aus Windkraft in der unmittelbaren Nachbarschaft bestellt ist, zeigt ein Blick vom Haldenplateau. Ob aus den Erdbeerfeldern in Kirchhellen oder dem Grünstreifen der Hohen Mark: Überall ragen „Beton-Spargel“ in die Höhe.
Dieser Blick wird nur wenigen gewährt. Denn die Halde Oberscholven, die zahlreiche Funktionen zu erfüllen hat, ist öffentlich nicht zugänglich. Eingekeilt zwischen Raffinerie und Kraftwerksblock ist die Halde mit einem Wald aus Erlen, Linden, Rotweiden, Eschen und Akazien ein Sauerstoffproduzent und ein unsichtbarer Trinkwasserspeicher. Im Innern hat Gelsenwasser 15 riesige Wassertanks angelegt, in denen das im Haltern gewonnene Trinkwasser zwischengelagert wird, bevor es mit einem Druck von sechs Bar in die örtlichen Versorgungsnetze schießt. Zudem bildet die Halde das Fundament für einen Mobilfunk-Sendemast.
In den kommenden Wochen werden vor allem nachts an der Zufahrt zur Halde Aktivitäten zu verzeichnen sein. Bis zu 80 Schwertransporte unter polizeilicher Begleitung werden nötig sein, um die Einzelteile des Kraftwerke anzuliefern. Über schmale Straßen und enge Kurven geht es hinauf aufs Haldenplateau. „Der Standort der Halde ist von den Windverhältnissen perfekt, aber gleichzeitig eine echte logistische Herausforderung“, stellt Andreas Minke, Geschäftsführer der neugegründeten ELE Scholven Wind GmbH fest, die die Windkraftanlage betreiben wird. Der Wunsch der Festredner bei der Grundsteinlegung, es möge immer eine ausreichende Brise wehen, wird wohl in Erfüllung gehen.
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