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Sodom statt Flaute

03.08.2012 | 09:00 Uhr

Gelsenkirchen-Buer. Ferien sind ja an sich gut und schön, aber wenn sich die Kulturschaffenden nördlich der magischen Kanalgrenzen weiterhin derart in Zurückhaltung üben, bleibt uns erstmal nur der Rück- wie Ausblick.

Beginnen wir mit ersterem: Am vergangenen Wochenende ging bekanntlich das immer wieder gern genommene Nord Open Air über die Bühne. Nachdem am Freitagabend schon die Hardcorerecken von Agnostic Front den Viehofer Platz zu Essen in Schutt und Asche gelegt hatten, war es am Samstag dann an den buerschen Veteranen Sodom, das Werk zu vollenden und das Festival mit einer ordentlichen Portion Thrash alter Schule zu beschließen.

Schon der generationsübergreifende Doppelschlag zu Beginn mit „In War And Pieces“, dem Titelsong des aktuellen Machwerks, und dem Uralt-Klassiker „Sodomy And Lust“ machte klar: Hier werden heute keine Gefangenen gemacht. In den folgenden rund 90 Minuten hagelte es pausenlos (getreu dem Charming-Men-Motto) alte Hits und neue Klassiker der Marke „The Saw Is The Law“, „Napalm In The Morning“ oder „City Of God“ und spätestens als Frontmann Tom Angelripper die rhetorische Frage stellte „Sind Zeugen Jehowas hier?!“, gefolgt vom obligatorischen „Wachturm“ war am Viehofer Platz endgültig Land unter; die Security hatte alle Hände voll zu tun, die regelmäßig in den Bühnengraben segelnden Crowdsurfer aufzufangen.

Stimmung fast wie in Wacken

Auch wenn nicht ganz so viel Menschen vor der Bühne versammelt waren wie in Wacken, war die Stimmung mehr als nur festivaltauglich, was die Sodomisten dazu veranlasste, trotz strikter Sperrstunde um 23 Uhr nach dem eigentlichen Finale aus dem Motörhead-Klassiker „Ace Of Spades“ und der eigenen Bandhymne „Bombenhagel“ noch schnell „Among The Weirdcong“ nachzuschieben. Fazit: Einmal mehr hat sich bewiesen, dass der Besetzungswechsel an der Schießbude hin zu Timingmaschine Markus „Makka“ Freiwald der Combo nach 30 Jahren Bandgeschichte noch mal eine Frischzellenkur verpasst hat. In der Verfassung dürfen sich Sodom gerne noch drei Jahrzehnte durch die Weltgeschichte knüppeln.

Neben Herrn Angelripper und seinen beiden Mitstreitern sind auch andere lokale Kapelle aktiv. Die Muddy Echos zum Beispiel. Die stöpseln heute Abend in der Auferstehungskirche in Südkanalien die Stromgitarren ein. Damit sind die Indie-Rocker nicht allein; auch Sister Dew werden für Lärm in heiligen Hallen sorgen. Ab 20 Uhr sollen erste Töne erklingen. Über Eintrittsgelder ist nichts bekannt, dafür aber, dass das Team aus dem Café 42 den Abend klangtechnisch begleiten wird.

Zum Auswärtsspiel nach Unna

Auch die Bluesrocker von Mr. Blue treiben sich am Wochenende mal wieder auswärts um. Diesmal gastiert das Trio, dass klanglich gern die Route 66 befährt, bei der Tattoo Party auf der Festwiese am Salzweg in Unna Königsborn um. Neben diversen Möglichkeiten zur Hautbemalung gibt es auch noch klassisch US-amerikanisches Tonmaterial auf die Trommelfelle. Täglich startet die Sause um 14 Uhr.

Zum Abschluss noch ein Ausblick: Am 18. August werden die Ohren im Lokal ohne Namen wieder mit gar Fürchterlichem gequält. Der an der Hagenstraße hinter den Plattentellern festgewachsene Mr. Markus hat einmal mehr ganz tief im heimischen Gruselkabinett gestöbert und die miesesten Songs der Weltgeschichte zu Tage gefördert. Rotieren werden unter anderem Schallplatten aus den Schubladen Eurodance (Unlimited oder Snap jemand?!), Boygroups (gab’s viel zu viele von), One-Hit-Wonder (Kennt noch irgendwer Whigfield und ihre Nummer „Saturday Night“?) und diverse aktuelle Thrash-Hits. Die Sommer-Thrash-Nacht startet in vierzehn Tagen um 22 Uhr; Karten sind an der Abendkasse für 5 Euro zu haben.

Ansonsten sei noch erwähnt, dass Black-Messiah-Schlagwerker Bröh morgen seiner Angebeteten das Ja-Wort geben wird. Tja, liebe Groupies... da ist dann aber Schluss mit lustig!

Sebastian Konopka



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