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Neue Kunstausstellung

Schon vergessen?

14.05.2008 | 17:55 Uhr
Schon vergessen?

Bei ihrem jünsten Kunstprojekt stellt Kira Schmidt "Die Vergessenen" der Gesellschaft in den Mittelpunkt. Bis zum 22. Juni sind die Porträts an der Bergmannsglückstraße 42 zu sehen. Am Donnerstag gibt es eine Eröffnungsfeier mit den Porträtierten.

Ein leichter Windhauch weht durch die Galerie des Alfred-Schmidt-Hauses und spielt an diesem Morgen mit den hellen, durchsichtigen Stoffbahnen, die hier als Installation hängen: Kira Schmidt hat den „Schleier der Vergessenheit” angebracht, mitten im Raum.

Verschleiern will die buersche Künstlerin mit ihrer neuen Ausstellung, die am Donnerstag (15.5.08) eröffnet wird, allerdings nichts. Eher im Gegenteil. „Die Vergessenen” heißt ihr Kunstprojekt, das in Kooperation mit dem Referat Kultur der Stadt auf die Beine gestellt wurde und von der Revierarbeitsgemeinschaft für kulturelle Bergmannsbetreuung „Revag” unterstützt wird.

Das Projekt stellt jene in den Mittelpunkt, die von der Gesellschaft oft „vergessen” werden. Obdachlose, Senioren, Menschen, die Toiletten reinigen oder sich als Bestatter täglich mit dem Tod beschäftigen, Schüler einer Förderschule, die nach dem Abschluss oft keine Perspektive haben.

Kira Schmidt hat sie besucht, sich mit ihnen unterhalten – und sie anschließend fotografiert. Vor der öffentlichen Toilette, in ihrem Bestattungsbüro, in ihrer Imbissküche, in der Schule oder im Aufenthaltsraum ihres Heimes. Irgendwie sind es alles Menschen von nebenan. Oft gesehen – und doch vergessen. Für ihre Schicksale interessiert sich halt kaum jemand. Dabei hat jeder eine ganz eigene Lebensgeschichte zu erzählen, und die Dinge, die sie jeden Tag erleben, sprechen Bände.

Etwa, wenn Thomas, der dunkelhäutige Mann aus Ghana, der hauptberuflich öffentliche Toiletten putzt, darüber spricht, dass ihm die Menschen nicht mal in die Augen sehen, wenn sie ihm einen einzelnen Cent auf den Teller schieben. „Es gibt Momente, da tut es mir in der Seele weh”, hat er Kira Schmidt erzählt. Und die hat es aufgeschrieben, festgehalten, damit die Geschichte vom Toilettenmann endlich einmal etwas zählt.

Sie berichtet zudem von Ömer, der einen türkischen Imbiss betreibt, seit 20 Jahren mit einer deutschen Frau in „wilder Ehe” lebt und bestens integriert ist. Doch gerade das macht ihn oft unsichtbar für die Öffentlichkeit.

Besucht hat Kira Schmidt auch Gertrud Beyer (83) und Johanna Grützner (93), die in einem Altenheim in Buer leben. Für die beiden Damen war es schwer, ihre Selbstständigkeit aufzugeben. „Die meisten weinen nur in den ersten Tagen”, erzählte Gertrud Beyer Kira Schmidt und schilderte ihre eigenen Erfahrungen. Bei solchen Sätzen hat man als Betrachter der Ausstellung automatisch einen Kloß im Hals. Wehmut, auch wenn die beiden Frauen auf dem schwarz-weiß-Bild, das Kira Schmidt von ihnen ausstellt, lächeln. „Mir sind diese Geschichten sehr nahe gegangen”, sagt die Künstlerin.

Lange und intensive Gespräche hat sie auch mit zwei Schülern der Förderschule für Verhaltensauffällige Kinder an der Bergmannsglückstraße und mit zwei Obdachlosen geführt, die mehrfach ihre Arbeit und Bezugspersonen verloren haben. „Es sind nicht alles wahnsinnig spektakuläre Schicksale. Und trotzdem lohnt sich das Hinsehen”, sagt Kira Schmidt, die der Gesellschaft mit dieser Ausstellung einen Spiegel vorhalten will. Deshalb war auch die Revag direkt mit im Boot. „Auch wir beschäftigen uns viel mit ganz ähnlichen Themen”, sagt Revag-Mitarbeiter Franz Eckl. „Diese Ausstellung zeigt, dass so ein Schicksal jeden von uns treffen kann”, ergänzt seine Kollegin Astrid Hagedorn.

Info: Eröffnet wird die Ausstellung „Die Vergessenen” in der Galerie des Alfred-Schmidt-Hauses an der Bergmannsglückstraße 42 am Donnerstag (15. Mai) um 19 Uhr. Alle Interessierten sind eingeladen, es besteht die Gelegenheit, einige der porträtierten Personen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Ausstellung ist zudem bis 22. Juni jeweils sonntags von 10 bis 12.30 Uhr zu sehen. Und nach Vereinbarung: Tel.6001784.

Anne Bolsmann

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