Schlesischer Ring: SPD schlägt einen Kompromiss vor

Etwa 50 Menschen waren am Dienstag zum Ortstermin mit Thomas Klasmann (2.v.l.) erschienen
Etwa 50 Menschen waren am Dienstag zum Ortstermin mit Thomas Klasmann (2.v.l.) erschienen
Foto: Funke Foto Services
Beim Ortstermin in Gelsenkirchen-Buer äußern Bewohner ihren Unmut über das Umbau-Vorhaben der Verwaltung. SPD bittet um alternative Planungen. Die Verwaltung hat bis zum 3. Sepmber Zeit, sich eine Alternative zu überlegen. Dann will die Bezirksvertretung entscheiden

Mit seinem Regenschirm schlängelte sich Bezirksbürgermeister Klasmann (SPD) durch die Menge. Das Wetter spiegelte gestern Nachmittag die frostige Stimmung wider, die zwei Fronten am Schlesischen Ring aufeinander treffen ließen.

Auf der einen Seite Verwaltung, Mitglieder der Bezirksvertretung Nord, Gelsendienste, Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderung und Barrierefreies Bauen; auf der anderen: die Anwohner. Der Ortstermin solle der Meinungsbildung dienen, erläuterte Klasmann. Und so werde man zunächst die Gremien hören und anschließend die Anwohner.

Antworten konnten nicht überzeugen

Und so hielten die Mitarbeiter des Verkehrsdezernats ein Plädoyer für den mit 499 000 Euro angesetzten Umbau. Mit fast den gleichen Worten wie in der letzten Bezirksvertretungs-Sitzung. Und denselben Eckdaten: 13 Bäume müssen gefällt werden, elf Parkplätze fallen weg.

Natürlich sehen die Anwohner ein, dass ihre Straße nicht zu den schicksten im gesamten Stadtgebiet gehört. Dennoch wollten sie wiederholt wissen: „Warum ist es notwendig, ausgerechnet den Schlesischen Ring zu sanieren?“ Die Antworten der Verwaltung konnten sie nicht überzeugen.

Richtlinien, kein rechtlicher Charakter

„Es gibt Richtlinien“, erklärte Chantale Ojstersek, Abteilungsleiterin im Dezernat Verkehr. Nein, diese Richtlinien hätten keinen rechtlichen Charakter, gestand sie auf weitere Nachfrage. Viele Formulierungen starteten mit dem Halbsatz „Wir gehen davon aus, ... dass Baumwurzeln beim Umbau beschädigt werden, dass Wurzeln bereits in den Straßenbereich gewachsen sind.“

Dem Wunsch von Karl Henke (Grüne), eine Wurzel im Straßenbereich zu sehen, blieben sie schuldig. „Wir gehen davon aus“, erklärte die Amtsleiterin neben einer Esche, „dass die Bordsteinkrümmung Zeichen dafür ist, dass die Wurzeln in die Straße wachsen“.

Keine Aufzeichnungen von Ortsterminen

Rechtsanwalt Günter Galland platzte der Kragen: „Sie äußern hier lediglich Vermutungen. Sie unterstellen, dass Wurzeln in den Straßenbereich wachsen.“ Einen kleinen Tumult bei den Anwohnern löste auch die Frage aus, wie das Amt für Verkehr denn zu der Einschätzung komme, dass in der angespannten Parksituation weitere Parkplätze eingespart werden könnten.

Man habe Ortstermine zu unterschiedlichen Tageszeiten durchgeführt, so Ojstersek. Dann gebe es doch Aufzeichnungen, die die Bürger einsehen könnten. „Nein, das glaube ich nicht“, erklärte die Amtsleiterin. Sichtlich genervt. Was Galland zu dem Kommentar veranlasste: „Die Stadt lässt bewusst Straßen verkommen, um die Bürger zur Kasse zu bitten.“

Bäume erhalten

Klemens Wittebur, SPD-Fraktionssprecher der Bezirksvertretung Nord, war es, der die Siutation entschärfte. „Wir bitten die Verwaltung, einen Kompromiss zu prüfen: Können wir nicht die gesunden Bäume erhalten und nur die Fahrbahn sanieren? So dass auch keine Parkplätze wegfallen?“ Diesem Vorschlag schlossen sich CDU und Grüne an. Wobei Karl Henke den Vorschlag noch erweiterte: „Können wir den Baumbestand nicht erweitern?“

Die Verwaltung hat bis zum 3. Sepmber Zeit, sich eine Alternative zu überlegen. Dann will die Bezirksvertretung entscheiden.

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