Schalke- und Dortmund-Fans singen und beten zusammen

Die christliche Religion verbindet die Fans, die am Donnerstag den Weg zum Gottesdienst fanden.
Die christliche Religion verbindet die Fans, die am Donnerstag den Weg zum Gottesdienst fanden.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Zum 5. Mal fand am Donnerstag ein Derby-Gottesdienst der christlichen Fanclubs „Mit Gott auf Schalke“ und „Totale Offensive BVB ev.“ statt. Zum zweiten Mal fand der in der Freien evangelischen Gemeinde in Horst statt.

Gelsenkirchen-Horst..  Donnerstagabend, kurz nach sieben: Vom Band erklingt die Fußballhymne „You’ll Never Walk Alone“. Zahlreiche Gäste stehen auf, singen erst verhalten mit, dann lauter. Über dem Kopf halten einige Fanschals, die meisten von Dortmund. Ein paar blauweiße sind auch dazwischen. Was anmutet, wie die Einstimmung auf einen Stadionbesuch, ist ein Gottesdienst zum bevorstehenden Revierderby in der Freien evangelischen Gemeinde Horst. Er soll zeigen, dass ein friedlicher Umgang zwischen den Fans möglich ist.

Den Glauben mitnehmen ins Stadion

Es ist der fünfte Gottesdienst dieser Art, organisiert von den christlichen Fanclubs „Mit Gott auf Schalke“ und „Totale Offensive BVB 09“. „Ich war schon immer Schalke-Fan und Christ“, so Anke Ballhausen vom königsblauen Fanclub. „Mir ist wichtig, dass man nicht nur sonntags eine Stunde mit Gott lebt. Wir nehmen den Glauben auch mit ins Stadion. Und zwar, indem wir auch dort alle als Menschen sehen.“ Bei aller Nächstenliebe bleibe es bei der sportlichen Rivalität. „Dortmundfans werden wir nie“. Auf der menschlichen Ebene klappt es zwischen den Fanclubs gut. Das soll Strahlkraft entfalten, so Oliver Römer von „Totale Offensive BVB 09“. „Die Erfahrung haben wir schon gemacht. Wir werden nicht diejenigen erreichen, die ihre persönlichen Feindschaften über den Fußball austragen“, spielt er auf Ultra-Fans an. „Aber den ganz normalen Fan regen wir zum Nachdenken an.“

Jetzt aber geht es um viel mehr als nur Fußball. Kathrin Söhndel, Malena Müller und Wolfgang Ballhausen stimmen Worship-Songs an, singen, „so nimm mich, wie ich bin, Herr“. Die Fußballfans erheben sich. Andächtig stehen königsblaue Kuttenträger neben BVB-Fans im schwarz-gelben Trikot. Einige heben die Hände gen Himmel, alle singen mit. Eine echte Gänsehautstimmung erfüllt den Kirchenraum.

Nach dem Gottesdienst gab es Grillwürstchen

Auch Pastor Rico Otterbach ist berührt davon. „Wir stellen den Raum zur Verfügung und sind für die Gastfreundschaft zuständig“, hatte er im Vorfeld erklärt und auf die Würstchen vom Grill angespielt, die es nach dem Gottesdienst gibt. „Wir haben nicht lange überlegt, als die Anfrage kam. Eine solche Initiative freut uns“, so der Pastor, der von Hause aus St. Pauli-Fan ist - auch kein einfaches Los.

Mittendrin in der singenden Menge steht S04-Fan Frank Maas. Er ist zum zweiten Mal dabei. „Uns eint die christliche Basis“, meint er. „Ich war überrascht, dass wir uns hier so gut begegnen können und die sportliche Rivalität trotzdem vorhanden ist. Aber die gehört ja auch dazu.“ Dann singen wieder alle gemeinsam. Und für einen Moment ist es, als würde die Gäste viel mehr verbinden, als trennen.