Schaffrather Demenz-WG dient als Beispiel für NRW

Wie sich der Alltag in einer Wohngemeinschaft gestaltet, davon berichtete Margarete Herrmann der NRW-Pflegeministerin Barbara Steffens (re.).
Wie sich der Alltag in einer Wohngemeinschaft gestaltet, davon berichtete Margarete Herrmann der NRW-Pflegeministerin Barbara Steffens (re.).
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Was wir bereits wissen
NRW braucht mehr ambulant begleitete Wohngemeinschaften für Menschen mit besonderen Bedarfslagen, zum Beispiel für Demenzkranke, Behinderte oder Alte. Davon ist Pflegeministerin Barbara Steffen überzeugt, die der Schaffrather Demenz-WG einen Besuch abstattete.

Gelsenkirchen-Schaffrath..  Nordrhein-Westfalen braucht mehr ambulant begleitete Wohngemeinschaften für Menschen mit besonderen Bedarfslagen, zum Beispiel für Demenzkranke, Behinderte oder Alte. „Alle Bürgerinnen und Bürger sollen in Zukunft die Wahl haben, ob sie in einem stationären Pflegeheim alt werden wollen oder lieber ambulant betreut, sicher und selbstbestimmt in ihrem Stadtteil“, sagte Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW, als sie jetzt dem mehrfach ausgezeichneten Demenz-Wohnprojekt „Leben in Schaffrath“ einen Besuch abstattete. Gelsenkirchen verfügt nach Angaben des Fachverbandes WIG (Wohnen in Gemeinschaft NRW) über rund 200 Plätze in Wohngemeinschaften mit Betreuungsleistungen. In NRW sind etwa 400 Wohngemeinschaften aktiv.

Unter dem Dach einer ehemaligen evangelischen Kirche befinden sich im Schaffrath, einer historischen Bauernschaft mit heute rund 5000 Einwohnern, seit 2008 drei Wohngemeinschaften für jeweils acht demenziell veränderte Mieterinnen und Mieter. Ambulant begleitet wird „Leben in Schaffrath“ von der APD Ambulante Pflegedienste Gelsenkirchen GmbH, einem Unternehmen, das mit 290 Mitarbeitern und rund 650 täglich betreuten Patienten zu den zehn größten ambulanten Pflegediensten Deutschlands gehört.

„Wir bauen keine Wohnungen, wir schaffen Lebensraum für Menschen mit einer besonderen Bedarfslage“, sagt APD-Geschäftsführer Claudius Hasenau über die Philosophie von „Leben in Schaffrath“. „Unsere Rolle als ambulanter Pflegedienst ist die eines Gastes, der sich in der Häuslichkeit eines anderen Menschen bewegt.“

Mit Gemeinde eng verbunden

Hausmutter Marina Schack und ihr Team verstehen sich zugleich als Teil und Partner der Quartiersarbeit in Schaffrath. Seit Jahren arbeitet das Haus eng mit der Kirchengemeinde, dem Generationennetz Gelsenkirchen und der Initiative Nachbarschaftsstifter zusammen. Pfarrerin Andrea Rylke-Voigt von der Evangelischen Kirchengemeinde Beckhausen ist häufiger Gast am Stegemannsweg: Einmal im Monat lädt sie Gemeindemitglieder und Hausbewohner zum gemeinsamen Gottesdienst ein. Auch als Trauerbegleiterin kommt sie ins Haus. Und nicht selten trifft sie altbekannte Schaffrather, die aus ihrer Wohnung im Quartier in die WG umgezogen sind.

2013 wurde „Leben in Schaffrath“ für „vorbildliche Milieugestaltung für Menschen mit Demenz“ mit dem internationalen Gestaltungspreis der Gradmann-Stiftung geehrt. Michael Graw, Leiter des Referates Soziales der Stadt Gelsenkirchen, kennt das Projekt von Anfang an: „Schaffrath ist eine sehr gute Betreuungs- und Lebensform fürs Alter, die ich mir auch für mich persönlich vorstellen könnte. Mit Blick auf die Pflegebedarfsplanung der kommenden Jahre wäre es gut, wenn wir eine solche Wohnform flächendeckend anbieten könnten.“

Gelebtes Miteinander

Vom gelebten Miteinander im Schaffrath zeigte sich Ministerin Steffens bei ihrem Besuch beeindruckt: „Ich finde das Projekt beispielhaft, weil die Wohngemeinschaften ihren Mieterinnen und Mietern sehr viel Selbstbestimmung, Lebensqualität und Normalität ermöglichen. Gleichzeitig ist es im Stadtteil gut verankert und vernetzt. Hier greifen Strukturen erfolgreich ineinander und lassen ein wertvolles, lebendiges Quartier entstehen. Die Menschen wünschen sich, im Alter so zu leben. Damit dieser Wunsch Realität werden kann, brauchen wir mehr von diesen guten Beispielen. Dazu gehören in Zukunft auch Wohngemeinschaften für ,junge Alte‘, zum Beispiel im Frühstadium der Demenz, oder nationalitätenspezifische Wohnprojekte für Menschen mit Migrationsgeschichte, die im Falle einer Demenzerkrankung sämtliche Sprachkenntnisse verlieren.“