Resser Emmaus-Hospiz hat sich etabliert

Eine Hand, die hält – auch nachts: Im Emmaus-Hospiz St. Hedwig in Resse ist das selbstverständlich.
Eine Hand, die hält – auch nachts: Im Emmaus-Hospiz St. Hedwig in Resse ist das selbstverständlich.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Eine „Klinik nur zum Sterben“? Als Irmhild von Fürstenberg 2005 für ihre Idee eines Hospizes warb, hatte sie oft mit diesem Vorurteil zu kämpfen. Fünf Jahre nach der Eröffnung des Emmaus-Hospizes St. Hedwig Resse hat es etabliert, die Warteliste ist lang.

Gelsenkirchen-Resse..  Eine „Klinik nur zum Sterben“? Als Irmhild von Fürstenberg 2005 Klinken putzen ging für ihre Idee eines Hospizes, hatte sie oft mit diesem Vorurteil zu kämpfen. „Viele in Kirche, Politik und Bevölkerung meinten, es gehe darum, Schwerkranke abzuschieben. Da mussten Pater Christian M. Böckmann und ich mitunter echte Überzeugungsarbeit leisten, um Gesellschafter für die gGmbH zu gewinnen.“ Dass sich die Mühe gelohnt hat, davon sind nicht nur die Verantwortlichen überzeugt: Fünf Jahre nach der Eröffnung des Emmaus-Hospizes St. Hedwig Resse im April 2010 hat sich dieses so etabliert, dass die Nachfrage häufig höher ist als die Zahl der Plätze.

Bis zu zehn Schwerstkranke kann die Einrichtung an der Hedwigstraße aufnehmen, die einst Teil des St.-Hedwig-Krankenhauses und nach dessen Aus des Seniorenzentrums St. Hedwig war. Nachdem sich 2007 Trägergesellschaft und Förderverein gegründet hatten, vorfinanzierte die Katholische Kliniken Emscher-Lippe GmbH (KKEL) als Betreiber des benachbarten Seniorenzentrums 2009 mit 850 000 Euro den Umbau. Leitprinzip: Hell und freundlich sollten die zehn Einzelzimmer, der Gemeinschafts-Wohn-/Essbereich sowie der Rückzugsraum für Angehörige wirken.

„Wir lachen hier sehr viel“

Das gelang u.a. mit Wänden und PVC-Böden in fröhlichem Sonnengelb – ein Überraschungseffekt für viele, so Jörg Hösel, stellvertretender Pflegedienstleiter. „Die meisten denken, im Hospiz ist alles düster und traurig. Dass wir hier viel lachen, glaubt kaum einer.“

Denn: „Im Hospiz braucht man sich nichts mehr vorzumachen, auf keine falschen Hoffnungen zu setzen. Man kann sich fallen lassen und, so komisch das klingt, unbeschwert lachen“, hat Geschäftsführerin Beate Thiehoff im Umgang mit ihren „Gästen“ festgestellt. 675 Frauen und Männer waren es seit der Eröffnung, 29 allein in 2015.

„Ängste erkennen“

So sehr es eine christliche Haltung ist, aus der die Schwerkranken von 17 Pflege- und Betreuungsmitarbeitern, Ärzten, Seelsorgern, Therapeuten und Ehrenamtlichen betreut werden: Gläubig muss keiner der Gäste sein. Sobald die Zusage der Kostenträger vorliegt, sind die Kranken allein das Maß der Dinge. „Uns geht es nicht nur darum, Schmerzen zu lindern, sondern auch innere Konflikte und Ängste zu erkennen und ernst zu nehmen“, so Hölser. Konkret heißt das: „Wenn wir spüren, dass es zwischen Gast und Angehörigen knirscht, bemühen wir uns, eine Versöhnung zu vermitteln. Auch sonst ist immer jemand da, um sich auszusprechen oder einfach nur die Hand zu halten“, erinnert Hölser an die hochengagierten geschulten Ehrenamtlichen des Hospizvereins Gelsenkirchen, mit dem die Einrichtung kooperiert.

Den Gästen jeden erfüllbaren Wunsch von den Augen abzulesen: Das macht in der letzten Phase ein besonderes Stück Lebensqualität aus – etwa beim Kaffee auf dem Balkon die Sonne zu genießen; oder noch einmal Reibekuchen zu essen.

„Gesetz ändern“

Und wenn die Verantwortlichen einen Wunsch frei hätten? „Es wäre dringend nötig, das Gesetz zur Finanzierung von Hospizen zu ändern“, meint Irmhild von Fürstenberg, Vorsitzende des Fördervereins. „Kranken- und Pflegeversicherung übernehmen nur 90 Prozent der Kosten, rund 150 000 Euro müssen wir jedes Jahr selbst erwirtschaften, etwa durch Spenden oder Benefizaktionen. Das ist nicht immer einfach.“