Renaissance zum Anfassen im Schloss Horst

Was im 16. Jahrhundert nur Jungen und Männern vorbehalten war, durften beim Internationalen Museumstag rund um Schloss Horst auch Mädchen ausprobieren: Profi Boris Schamberger erklärte Luana die Kunst des Bogenschießens.
Was im 16. Jahrhundert nur Jungen und Männern vorbehalten war, durften beim Internationalen Museumstag rund um Schloss Horst auch Mädchen ausprobieren: Profi Boris Schamberger erklärte Luana die Kunst des Bogenschießens.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Das Leben auf einer Schlossbaustelle ist das Thema des Renaissance-Museums Schloss Horst. Beim Internationalen Museumstag konnten Neugierige jetzt erfahren, wie die Freizeit im 16. Jahrhundert aussah – und wie sie sich anfühlte.

Gelsenkirchen-Horst..  „Thomas ist schüchtern“, erklärt Markus Fahr. Eine Überraschung: Denn der große Uhu, den der Falkner auf dem Arm hält, wirkt majestätisch, keineswegs unsicher. „Thomas ist einer der tollsten Vögel, die es gibt“, schwärmt der junge Mann – und warnt: Ein Tier zum Streicheln sei der Uhu nicht. Dennoch ziehen die Greifvögel, die an diesem Sonntag am Fuße vom Schloss Horst von Michael Kasperski präsentiert werden, die Besucher magisch an. Sie kommen, um am Internationalen Museumstag an historischer Stelle zu erleben, wie die Menschen im Jahr 1565 lebten.

Zum ersten Mal ist das Renaissance-Gebäude Veranstaltungsort dieses deutschlandweiten Aktionstages und hat gleich mehrere Angebote für Erwachsene und Kinder im Programm: Während der Nachwuchs (kostenpflichtig) in die Kunst des Bogenbaus eingeweiht wird, sich die Zeit beim Murmelspiel oder Wikingerschach vertreibt – einem Mannschafts-Wurfspiel mit Holzklötzen – informiert Historikerin Dörte Rotthauwe über „Frauen auf der Schlossbaustelle“; nachmittags gibt’s gar einen (kostenpflichtigen) Kurs im Bier-Brauen. Dazwischen unterhält Spielmann Michel (Michael Völkel) mit mittelhochdeutschen Liedern etwa von Walther von der Vogelweide und neuhochdeutschen Stücken.

Dass die Falknerei zum Alltag im 16. Jahrhhundert gehörte – jedenfalls für den Adel –, verdeutlicht Wolf Hoffmann, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Horst. „Das war deren Sport.“

Frettchen als Streicheltiere

Aber auch Nicht-Blaublüter des 21. Jahrhunderts haben offenbar Spaß daran: „Das fühlt sich genial an. Ich liebe diese Vögel“, so Heike Maurer, auf deren Arm ein Rotschwanzbussard sitzt. Sie ist überwältigt, so stark ist die Wirkung des Vogels. Ein Kilo wiegt er. „Aber man hält den Arm, ohne sich darüber Gedanken zu machen.“ Das weiß auch Michael Kasperski. „Die Faszination überwiegt. Der Schmerz im Arm kommt erst, wenn der Vogel weg ist.“

Auch „Woody“ erregt Aufmerksamkeit. Die Waldohreule war bis eben im Hintergrund geblieben, nun bringt Claudia Walter, Diplom-Biologin und Falknerin, das Tier mit nach vorn zu den Besuchern. „Woody“ ist kleiner, mit 250 Gramm bedeutend leichter und mit den Federn, die wie Ohren vom Kopf abstehen, auch sehr charmant. Lieb ist er obendrein.

Alle Besucher des Museumstages verweilen beim Falkner, so groß ist das Interesse, gepaart mit Respekt. Für die Kleinen erscheint dann doch noch ein Streicheltier: Falkner Markus Fahr hat seine Frettchen mitgebracht.