RAG will auf der Zeche Westerholt ein Denkmal abreißen

Zu viel Vandalismus: Die RAG möchte den Fördertum und die Halle mit dem Wagenumlauf abreißen.
Zu viel Vandalismus: Die RAG möchte den Fördertum und die Halle mit dem Wagenumlauf abreißen.
Foto: www.blossey.eu
Was wir bereits wissen
Der Siegerentwurf für die neue Zeche Westerholt plant den Förderturm und die Halle mit dem Wagenumlauf ein. Denkmalbehörde muss über den Abriss jetzt entscheiden. Stadt Gelsenkirchen möchte Landmarke erhalten.

Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz. Schön ist sicher anders, aber dennoch ist er ein Wahrzeichen, ein Identifikationspunkt der alten Zeche Westerholt: der Förderturm von Schacht 3 und die Halle mit dem Wagenumlauf. Und so haben ihn Planer für das Konzept für die neue Zeche Westerholt integriert in ihre Visionen. In knapp drei Monaten sollte der überarbeitete umsetzungsreife Entwurf der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Ob die alte Landmarke Bestandteil dieser neuen Pläne bleiben kann, muss zur Zeit bezweifelt werden.

Erhalt ist wirtschaftlich nicht zumutbar

Denn die Ruhrkohle AG als Eigentümer des Geländes und der Halle hat bei der Unteren Denkmalbehörde des Kreises Recklinghausen den Abriss des markanten Gebäudes beantragt. „Für den Konzern ist es wirtschaftlich nicht zumutbar, den Gebäudekomplex zu erhalten“, sagt RAG-Sprecher Frank Schwarz.

Hintergrund dieses überraschenden Ansinnens ist der Vandalismus auf dem weitläufigen und zum Teil uneinsichtigen Gelände. „Wir können unserer Verkehrssicherungspflicht nicht mehr nachkommen“, sagt Schwarz.

Politiker reagieren überrascht

Politiker in Gelsenkirchen und Herten reagierten überrascht. Schließlich hatten im vergangenen März fünf renommierte Planungsbüros unter Wettbewerbsbedingungen Entwürfe für das Zechengelände erarbeitet. Wünsche und Vorstellungen der Bevölkerung flossen ebenfalls ein. In allen Plänen blieb der Förderturm erhalten.

Im Siegerentwurf des Züricher Büros „Bob Gysin“ sollte die Halle mit dem Wagenumlauf, die im Juni 2010 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sogar zum Denkmal des Monats ernannt wurde, zu einer Eventhalle umgebaut werden – mit Bühne, Probenräumen und einem Exploratorium, einem Forschungsbereich. Nach der Überarbeitung, die in drei Monaten fertig sein soll, sollten Bebauungspläne erstellt und Fördermittel für den Umbau beantragt werden.

Denkmalgeschütztes Ensemble

Ob diese Pläne jetzt alle im Papierkorb landen werden, ist zur Zeit ungewiss. „Rein juristisch sind wir als Stadt Gelsenkirchen nicht zuständig“, sagt Stadtsprecher Martin Schulmann. Der Förderturm und das Gebäude mit dem Wagenumlauf stehen auf Hertener Stadtgebiet. „Aber es ist auch weiter unser Ziel, dass Förderturm und Wagenumlauf erhalten bleiben“, so Schulmann.

Entscheiden muss die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Recklinghausen und der LWL. Sie müssen ihre Zustimmung erteilen, ob das denkmalgeschützte Ensemble dem Abrissbagger zum Opfer fällt.