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Serie Zechen in Buer

Pütt zweier Städte

18.05.2010 | 09:19 Uhr
Pütt zweier Städte

Die Zeche Westerholt auf der Grenze zwischen Hassel und Westerholt wurde ab 1907 abgeteuft. Sie war 2008 die letzte, die schloss. Mit dieser Zechengeschichte endet die Serie über die Bergwerke im Gelsenkirchener Stadtnorden.

Ein Pütt - zwei Städte. Das war die Zeche Westerholt, die knapp über 100 Jahre alt wurde. Auch an sie erinnert ab  Samstag die Ruhr2010-Aktion „Schachtzeichen“, wenn an vielen Stellen, wo es einmal Bergwerke gab, gelbe Helium-Ballone aufsteigen werden.

Die Wurzeln der Zeche reichen bis ins Jahr 1882 zurück, als die Teilung des Grubenfelder im nördlichen Revier erfolgte. 1902 erwarb der preußische Staat in Form der Bergwerks AG Recklinghausen, später Hibernia, mehrere Grubenfelder, darunter Bergmannsglück-Ost. Genau auf der Grenze zwischen Buer und Westerholt begannen zum Ausrauben dieses Grubenfeldes am 2. September 1907 die Abteufarbeiten für eine neue Doppelschachtanlage - Zeche Westerholt entstand. 78 Arbeiter und zwei Angestellte ge-hörten am Anfang zur Belegschaft. Am 2. Januar 1908 begannen schon die Abteufarbeiten für den Schacht Westerholt 2, ein Jahr später  erreichte man am Schacht 1 bei 397,8 m Teufe das Steinkohlengebirge. Am 10. September 1908 wurde der erste Kübel aus Flöz „Hugo“ gefördert. Und ein halbes Jahr später aus Schacht 2.

Zeche Westerholt: Fördergerüst und Schachthalle 2 vor der Zerstörung 1944/45. Fotos: Archiv Egon Kopatz

Aus dem Jahr 1910 datiert die erste komplette Jahresförderung: 28 227 t Kohle. Ein Jahr später begann man mit dem Bau der Kokerei, denn die Stahlwerke waren eher an Koks und weniger an Kohle interessiert. Die erste Batterie ging im Sommer 1912 in Betrieb, komplett mit vier Batterien lief die Kokerei ab 1914.

Schon 1913 lag die Förderung des Pütts bei 804 000 t, die Belegschaft hatte eine Stärke von 3320 Kumpeln, die bis 1925 auf 4165 stieg. Ende 1922 setzte man im Schacht 2 in 680 m Teufe die 3. Sohle. Ein Jahr später kamen erstmals Schrämmmaschinen und Abbauhämmer zum Einsatz, die Hacke und Schüppe ersetzten. Ab 1931 wurde auch Schacht 1 weiter abgeteuft, Ende April 1933 wurde die 3. Sohle in  600 m Teufe gesetzt, Ende 1935 die 4. bei 834 m. Ab 1937 ersetzten erstmals Eisenschienen Holz beim Ausbau der Strecken.

Mit Kriegsbeginn stieg die Förderung über die Millionengrenze: 1940 wurden von 3375 Kumpeln 1,17 Mio t Kohle gefördert. Es wurde an eine Ausweitung der Produktion, vor allem zur Gewinnung hydrierfähiger Kohle gedacht - so begann man 1943 mit dem Abteufen von Schacht Polsum 1. Er war sogar zunächst als Zentralförderschacht vorgesehen. 1944 erreichte man bei 520 m Teufe das Kohlegebirge.

Mit Kriegsende erlitt die Zeche schwere Schäden, der Förderturm von Westerholt 2 wurde zerstört. Es war das einzige Fördergerüst im Ruhrgebiet, das von Bomben getroffen wurde, die Förderung sackte auf 254 000 t. Nach dem Krieg ging es schnell wieder bergauf, 1950 wurden bereits mehr als 1 Mio t Kohlen gefördert. Allerdings: 1953 wurde die Kokerei stillgelegt. Mit „Schalk“ ging 1955 das letzte Grubenpferd in Rente.

1956 begannen die Teufarbeiten für den neuen Zentralschacht, der nicht in Polsum, sondern als Westerholt 3 direkt neben Schacht 1 und 2 auf dem alten Kokereigelände entstand (Förderaufnahme April 1960). 1960 erfolgte auch der Verbund Bergmannsglück/Westerholt. Die Belegschaft erreichte mit 6467 Beschäftigten ihren höchsten Stand. Ab 1963 wurde das Grubenfeld Polsum groß abgebaut -mit der Jahresförderung von 3,09 Mio t erreichte der Pütt die Höchstfördermenge. Zwei Schächte erhielt die Zeche noch: Altendorf ab 1967 und Polsum 2 ab 1979. Die seit 1969 zur Ruhrkohle AG gehörende Zeche hieß seit 1976 nur noch „Westerholt“, nachdem 1975 der Kohleabbau in den Grubenfeldern von Bergmannsglück eingestellt worden war.

1987 wurde auf Schacht 1 noch die fünfte Sohle in 1160 m Teufe gesetzt. Nachdem 1997 von 2856 Bergleuten noch 2,24 Mio t Kohlen gefördert wurden, ging Westerholt 1998 den Verbund mit Fürst Leopold Dorsten ein zum Bergwerk Lippe. Dem Verbund waren zehn Jahre bis zur Schließung 2008 vergönnt.

Georg Meinert

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Kommentare
23.01.2011
21:46
Pütt zweier Städte
von tamaris2010 | #1

schade irgendwo dass Die Zechen sterben, wo menschen ihr brot mit verdient haben.Unglaublich wenn man an die Arbeitslosigkeit deren denkt, die ihren Job verloren haben. Armes Deutschland alles soll immer billig aus dem Ausland kommen wo Menschen für schlechte Arbeitsbedingungen ihr Leben gefährden

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