Prozess geplatzt
03.02.2012 | 17:42 Uhr 2012-02-03T17:42:00+0100
Westerholt.Die Bandidos kommen. Das Amtsgericht Recklinghausen glich am Freitagmorgen einer Festung. Straßensperren, Eingangsschleusen, scharfe Personenkontrollen. Kurzum das ganze Sicherheitsprogramm, das die Polizei in solchen Fällen aufzubieten hatte. Doch am Ende war außer Spesen nichts gewesen.
Exakt 22 Minuten vor Prozessbeginn in dem Verfahren gegen zwei Mitglieder des Motorradclubs, teilten die Rechtsanwälte der beiden Angeklagten per Fax mit, dass ihre Mandanten den bereits im letzten Jahr ergangenen Strafbefehl akzeptieren werden. Damit wurde die mündliche Verhandlung vor dem Amtsgericht hinfällig.
Angeklagt war ein Essener (44) und ein Hertener (37) Bandido-Mitglied des Motorradclubs in Westerholt. Sie sollen heftigen Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet haben. Ausgangpunkt war eine handfeste Auseinandersetzung am Freitag, 1. Oktober. Gegen 23 Uhr gab es eine Prügelei vor dem Rathaus. Zwei Männer sollen tätlich angegriffen worden sein. Die Täter hätten danach mit einem Pkw das Weite gesucht. Kurz darauf wurden zwei Wagen von der Polizei mit eben jenen Bandido-Mitgliedern gestellt. Zunächst gab ein Wort das andere. Weitere Polizeikräfte kamen. Danach wurde es unübersichtlich im Streit zwischen fünf Männern und etwa 20 Beamten und einem Polizeihund.
Der Streit eskalierte, im Tumult biss das Tier zunächst einen Polizisten, wandte sich dann dem 44-Jährigen zu. Die Polizeibeamten setzten Reizgas ein und zogen ihre Dienstwaffen. Die Polizei sei nicht Herr der Lage gewesen und habe völlig überreagiert und die Situation selbst hervorgerufen, sagen die Bandidos. In der Folge gab es Strafbefehle in Höhe von 2000 beziehungsweise 4500 Euro gegen sie. Das wollten die Beschuldigten nicht. Sie wollten eine Verhandlung, um die Dinge zu klären.
Und vor Gericht sollten sie unterstützt werden. Mitglieder verschiedener Bandido-Clubs hatten ihre Kommen angekündigt und dadurch den Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Bis spät in die Nacht habe man am Vorabend, so die Bandidos, diskutiert, ob der Termin wahrgenommen wird. Hintergrund des Sinneswandels sind offensichtlich die Schlägerei zwischen den Hells Angels und Bandidos in Mönchengladbach und der Handgranatenanschlag auf das Clubhaus des Motorradclubs in Westerholt. Das Medieninteresse sei zu groß. Man wolle in dieser Situation den Ball lieber flach halten, sagte ein Sprecher der Bandidos.
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