Paten schwingen den Spaten
30.11.2008 | 15:34 Uhr 2008-11-30T15:34:00+0100
53 Apfelbäume wurden am Samstag sinnbildlich für das Ruhrgebiet im Kulturgarten gepflanzt. Eine Aktion zum Gahleschen Kohleweg.
Unmittelbar hinter der Stadtgrenze von Gelsenkirchen zu Dorsten liegt fortan das Ruhrgebiet. Ein kleines Revier im großen, symbolisiert durch 53 Apfelbäume, allesamt vergessene alte Sorten, im Ruhr-Kulturgarten auf dem Hof Dalhaus.
Am Samstag wurden diese Bäume, die in der Form des Ruhrgebietes stehen und die 53 Städte des Reviers symbolisieren, feierlich gepflanzt. Fünf Kunstvereine, darunter auch der Gelsenkirchener, hatten sich für diese Veranstaltung im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für die Kulturhauptstadt, einer Veranstaltungsreihe zum Gahleschen Kohleweg, zusammen getan. 53 Patenschaften waren vergeben worden. Und aus den meisten Städten des Reviers waren politische Vertreter angereist, um mit den Paten den Spaten zu schwingen.
Über 150 Gäste hatten sich auf dem Hof eingefunden. Wer eine Patenschaft übernommen hatte, war mit Spaten und Stiefeln bewaffnet, um den Apfelbaum in die Erde zu bringen. Die kuriosen Namen der erworbenen Apfelbäume waren dabei der guten Stimmung nur zuträglich. So heißt etwa die Sorte, die fortan im Garten die Stadt Gelsenkirchen symbolisiert „Hasenkopf”. „Ein robuster Winterapfel”, freute sich Klaus Hermandung, der gemeinsam mit den Paten, dem Ehepaar Schulte-Kellinghaus, den Baum pflanzte.
Es war ein echtes Happening, auf dem Hof von Claudia und Ludger Dahlhaus. Als Kunstaktion wollte Ulrich Daduna vom Kunstverein Gelsenkirchen die Veranstaltung aber nicht verstanden wissen, hatte er bereits im Vorfeld erklärt. Vielmehr runde diese Veranstaltung das Konzept ab. Dass die Aktion dennoch an eine von Joseph Beuys erinnerte, der zur documenta 7 siebentausend Bäume gepflanzt hatte, konnte allerdings kaum jemand leugnen.
Ludger Dahlhaus, der am Morgen noch schnell Rhein und Ruhr im Garten mit dem Rasenmäher markiert hatte, zeigte sich stolz auf den Kulturgarten und gab zu Beginn denn auch eine Anekdote zum Besten. Und zwar habe er sich gefragt, was denn genau nun Kunst sei. Und bei der folgenden Recherche in dieser Sache sei er auf die Erklärung gestoßen, Kunst sei der Ausdruck seiner Selbst durch einen kreativen Prozess. Und dann warf er dröge ein: „Da können Sie mal sehen, was in so einem Bauern alles drin steckt.”
Baldige Ernte ausgeschlossen
Auf eine baldige Apfelernte können die Baumpaten nicht hoffen. Denn, auch das lernte man am Samstag, die alten Sorten brauchen Zeit. Allerdings, wenn die Bäume in einigen Jahren Äpfel tragen, erhält jeder Pate zwei Kilo Äpfel und eine Flasche Apfelsaft jährlich. Bis dahin allerdings müssen sich Apfelfreunde mit dem Angebot des Dahlhaus'schen Hofladens zufrieden geben. kira
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