Nicole Goedecke erfindet sich immer wieder neu

War schon PR-Referentin, Feinkostladen-Inhaberin, Mitbegründerin des Soroptimisten-Clubs Gelsenkirchen, ist jetzt Mutter und Coach: Nicole Goedecke (46) aus Gelsenkirchen-Buer.
War schon PR-Referentin, Feinkostladen-Inhaberin, Mitbegründerin des Soroptimisten-Clubs Gelsenkirchen, ist jetzt Mutter und Coach: Nicole Goedecke (46) aus Gelsenkirchen-Buer.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das Leben ist zu kurz für nur einen Job: Nicole Goedecke (46) aus Buer lebt es. Ob sie nun ihre Stelle als PR-Referentin aufgab, um in der Markthalle ein Feinkost-Geschäft zu eröffnen, ein Unternehmenskonzept entwickelte oder Mutter wurde.

Gelsenkirchen-Buer..  Das Leben ist zu kurz für nur einen Job: Was Selbstfindungs-Ratgeber anpreisen, Nicole Goedecke (46) aus Buer lebt es. Vier, fünf intensive Jahre waren es immer, die sie in ihrer Arbeit aufging, um dann etwas völlig Anderes zu machen. Ob sie nun ihre Stelle als PR-Referentin aufgab, um in der Markthalle ein Feinkost-Geschäft zu eröffnen, ob sie ein Unternehmenskonzept entwickelte oder Mutter wurde: Wer wachsen will, braucht Veränderung – davon war die Kommunikationswissenschaftlerin immer überzeugt. Nun hat sie daraus einen Job gemacht und berät Menschen in schwierigen Berufssituationen. Denn mit dem Mut zum Wandel kennt sie sich ja aus.

„Ich klebe nicht so an Gewohntem“, erklärt Nicole Goedecke, warum sie vor vier Jahren ihr geliebtes Buer verließ, um mit Tochter Mathilda ihrem Mann Carsten nach Esslingen zu folgen, wo dieser „eine tolle berufliche Chance bekam“. Sie selbst hatte vor, sich dort als Unternehmensberaterin selbstständig zu machen. „Aber mit einem Kleinkind war das gar nicht so einfach ohne Großeltern im Rücken“, fühlte sie sich fast wie auf dem Abstellgleis. „Was kann ich, was will ich? Diese Frage habe ich oft hin- und hergewälzt, bevor ich bei der Trainerin Sabine Asgodom eine Ausbildung zum Coach machte.“

„Blick auf eigene Stärken lenken“

Änderungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu begreifen: Dazu will sie auch mit Blick auf ihre eigene Biografie ermutigen. „Besonders der Berufsweg von Frauen ist oft durch Familienphasen zerfasert, wirkt wie ein Puzzle. Aber in solchen Schwierigkeiten stecken auch Möglichkeiten“, ermutigt sie seither, die eigenen Stärken mehr in den Blick zu nehmen – und etwa den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

Rückblick: Sie selbst wollte immer „was mit PR und Menschen machen“, als sie nach dem Studium PR-Referentin in Bonn wurde und bei Kommunen für die Lokale Agenda 21 warb. „Das ist ja toll. Kann aber doch noch nicht alles gewesen sein...“, dachte sie, als sie das Angebot erhielt, Assistentin der Geschäftsleitung zu werden – und ablehnte.

Traum vom Feinkostladen

„Mein Mann und ich träumten von einem Feinkostladen mit netten Leuten, toller Musik. In der Markthalle konnten wir 1999 unseren Traum verwirklichen“, erinnert sie sich an vier Jahre Selbstständigkeit. „Freunde und Familie warnten mich davor, den Job für so etwas aufzugeben. Aber wir glaubten daran, dass nichts so stark ist wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, wie Victor Hugo mal gesagt hat.“

Das Konzept ging auf, sie verdienten gut. „Und dann kam der Alltag. Alle um mich herum hatten neue Jobs, und ich schnitt Schinken.“ Also verkaufte das Paar das Geschäft, Nicole Goedecke wurde 2004 Referentin im NRW-Ministerium für Verbraucherschutz; ihr Mann hatte den Laden ohnehin eher als Hobby betrieben, war hauptberuflich in einer Automobilzulieferer-Firma tätig. 2008 wechselte sie als Projektleiterin zu einer mittelständischen Firma – und fiel in ein tiefes Loch, als sie wenig später die Kündigung erhielt; das Unternehmen war für sie überraschend in die roten Zahlen gerutscht.

Unternehmensberaterin

Erst der positive Schwangerschaftstest kurz vor dem 40. Geburtstag sorgte für neue Energie („damit hatten wir schon gar nicht mehr gerechnet“): Sie entwickelte in den folgenden Monaten ein Unternehmenskonzept, wie Firmen ihr gesellschaftliches Engagement besser in die Öffentlichkeit transportieren können und erhielt dafür 2009 den NRW-Unternehmerbrief. Hochschwanger nahm sie die Auszeichnung entgegen – bereit, das Programm bald umzusetzen.