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Nicht neu, aber fit: die Zehn Gebote

07.06.2012 | 10:00 Uhr
Nicht neu, aber fit: die Zehn Gebote
“Gott“ läss sich nicht malen, aber als Wort schreiben, wie Kilian beim Projekttag „Klasse Kirche“ von MPG und Pfarrei St. Urbanus zeigte. Foto: Peggy Mendel

Gelsenkirchen-Buer. „Ist dort Schulfest?“ Neugierig reckt die alte Dame den Kopf Richtung Max-Planck-Gymnasium (MPG), wo gerade laute Rockmusik aus den Boxen dröhnt. Der Duft gegrillter Bratwurst hängt in der Luft. Gefeiert wird an diesen Dienstagnachmittag zweifellos. Allerdings nicht das Gemeinschaftserlebnis Schule – sondern die Zehn Gebote in Form des Projekts „Klasse Kirche“ von MPG und Pfarrei St. Urbanus. Mal kritisch, mal verspielt, immer aber unkonventionell wollten Schüler mit Besuchern die Bedeutung der Gebote für ihr Leben ausloten. Dabei lernten sie jedoch zunächst einmal: zu warten.

Auf Neugierige nämlich, die sich auf das Wagnis „Zehn Gebote 2.0 – neues Update verfügbar?!“ einlassen wollten. Denn die Gläubigen, Kirchenfernen, Atheisten oder Angehörigen anderer Religionen, die das Projekt-Vorbereitungsteam um Religionslehrer Marc Heiland eingeladen hatte, tröpfelten anfangs äußerst spärlich auf den Schulhof.

Bratwurst oder Kuchen essen, den Live-Bands The Spots, Black Mirror und The Previous lauschen: All das stieß auf Interesse. „Aber für die Workshops hat sich noch niemand gemeldet“, sagte Lukas Schilde (17) um 15 Uhr enttäuscht.

Dabei hatten sich die Jugendlichen für die Workhops einiges einfallen lassen, um die Gebote alltagstauglich zu machen: Der Siebtklässler-Religionskurs von Referendarin Anna Reimer etwa hatte zum Thema „Du sollst nicht stehlen!“ in Eigenregie ein Stück entwickelt, das einen Jungen bei einer Mutprobe zwischen Gruppendruck und Autonomie zeigt.

Er soll einen alten Mann bestehlen, um in die Clique aufgenommen zu werden, wird erwischt und entscheidet dann, doch auszuscheren. An markanten Punkten stoppten Schüler die Handlung, um Verhaltensalternativen aufzuzeigen („Wie könnte er sonst noch reagieren?“) und zu ermutigen, „sich selbst mal ,Halt!’ zuzurufen“.

Ob mit Erfolg, wird sich zeigen müssen. Diese Art von Religionsunterricht jedenfalls empfanden Schüler wie Leonie Kalina (13) als „viel abwechslungsreicher, als nur die Bibel zu lesen; die Gebote sind jetzt viel konkreter geworden.“

(Besonders) für jüngere Besucher hatte eine Firmlingsgruppe der Pfarrei unter Leitung von Gabi Becker Gesellschaftsspiele erarbeitet: Von Memory-Karten, die „Götzen“ wie Stars, Geld, Ferrari oder S04-Emblem im Bild zeigten, über ein Wurfspiel auf Dosen, die mit dem Wort „Neid“ beklebt waren („Wer neidisch ist, sieht das Beet, nicht aber den Spaten“), bis hin zum Quiz über kirchliche Feiertage reichte die Palette. Und die kam an: „Das macht richtig Spaß“, lobten Maximilian Graf (12) und Bastian Thanscheidt (10) das Konzept.

Schließlich fanden sich auch noch Teilnehmer für einige der Themen-Workshops, etwa zur Nächstenliebe von Anna-Lena Hinojo (16). Sie konfrontierte die Besucher mit einem philosophischen Text von Friedrich Nietzsche und entlockte ihnen ganz persönliche Interpretationen von Nächstenliebe – als Fairness, Ehrlichkeit und Mitgefühl. Derweil diskutierte Markus Franzen (16) mit Interessierten über einen bewussteren Umgang des Wortes „Gott“ im Alltag, nicht ohne einigen vermeintlich christlichen Politikern eine gewisse Scheinheiligkeit attestieren.

„Alles in allem hat das Projekt rund 300 Menschen dazu bewegt, über die Gebote in ihrem Alltag nachzudenken. Das ist vielleicht nicht Masse, aber klasse!“, bilanzierte Lehrer Heiland.

Christiane Rautenberg


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