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Neue Welten

02.06.2012 | 08:00 Uhr
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Neue Welten
Die Kuenstlerin Heike Klinger stellt ihre bevorstehende Ausstellung in ihrem Atelier vor. Foto: Thomas Goedde

Gelsenkirchen-Horst. Sie hat eine lebendige Fantasie. Das gibt es häufig. Doch Heike Klinger haucht ihrer Fantasie Leben ein, lässt sie zuweilen plastisch werden. Nun stellt sie aktuelle zweidimensionale und dreidimensionale Arbeiten bei ihrer jährlichen Ausstellung im eigenen Hause aus.

Vor allem das Material Ton beherrschte Heike Klingers Schaffen im vergangenen Jahr. So entstand eine ganze Reihe von Wandreliefs im Rahmen, die zusammen eine Geschichte erzählen.

Rechts ist eine weibliche Figur zu sehen. „Das ist die Suchende. Eine Jungfrau, die schon einmal vorsichtig Ausschau hält, wer ihr so begegnen könnte.“ Ganz links wirft ihr ein Mann verliebte Blicke zu. „Das ist ihr Verehrer. Aber der ist klein und nicht schön. Den wird sie nicht nehmen, vermute ich. Das sollen die aber alleine ausmachen.“

Genau hier liegt die Besonderheit der gezeigten Arbeiten. Heike Klinger hält Momentaufnahmen ihrer fantastischen Geschichten fest, als ob sie eine Fotografie wären einer realen Geschichte, über deren Zukunft und Ausgang man sich erst zu späterer Zeit erkundigen kann.

Es sei denn, sie sind bereits zu Ende. Wie die Geschichte von der fiktiven Anna, deren Lebensweg Heike Klinger in einer Installation im Garten auf ihre Weise beschreibt. Hinter der Laube steht eine Klappleiter. Auf ihr hängen dutzende Schuhe. Rechts unten geht es los mit Kinderschuhen. Auf dem Höhepunkt der Leiter und des Lebens, sind sexy High-Heels zu sehen. Dann geht es abwärts. Auch im übertragenen Sinne. Es folgen orthopädische Schuhe, zuletzt Schlappen. Ein Krückstock auf dem Boden markiert das Ende. „Aber Anna ist jetzt angekommen“, deutet Heike Klinger auf eine Figur hin, die in ein Cape gehüllt am Rande der Szenerie steht. „Nur ihr Seelenlicht gibt es noch von ihr.“

Einblick in die Seele gewährt auch Heike Klinger selbst. Etwa mit ihren achtzehn Fotobüchern, ganz besonderen Katalogen, die ihr Schaffen skizzieren. Allesamt sind sie Unikate, ausgestattet mit vielen kleinen Utensilien, von der Vogelfeder bis hin zu einem „Wortgeschenk“.

Das ist im Inneren zu finden in einem angedeuteten Umschlag und enthält Aphorismen. Die Fotobücher sind persönlich, individuell, handgearbeitet und handsigniert.

Heike Klingers Arbeiten mögen für einige ob ihrer übersinnlichen Botschaft befremdlich wirken. Doch es lohnt, sich auf die Arbeiten einzulassen, die Künstlerin näher kennen zu lernen und vielleicht dadurch auch sich selbst ganz neu zu sehen.

Kira Schmidt

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