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Emschertalbahn

Näher ‘ran in Richtung Zoo

02.08.2010 | 17:56 Uhr
Näher ‘ran in Richtung Zoo
Ein Kraftakt ist der Aufstieg zum Haltepunkt Zoo an der Bismarckstraße. Foto: Martin Möller / WAZ

Weit weg vom Fahrgast: So ruckeln die Züge der Emschertalbahn quer durch das nördliche Ruhrgebiet. Am Haltepunkt Buer-Süd in Beckhausen müssen etliche Meter Distanz überwunden werden, um die Horster Straße und damit den Umstieg zur Straßenbahn zu erreichen. Am Haltepunkt Zoo in Bismarck bleibt der Bahnsteig für viele Fahrgäste unerreichbar. An der hohen Treppe scheitern Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen. Dabei könnte man dort mit einfachen Mitteln für Abhilfe sorgen. Davon ist Manfred Domienik überzeugt. Das 62 Jahre alte Mitglied des Vereins Historische Eisenbahn Gelsenkirchen (HEG) überzeugt. Er schlägt vor, den Bahnsteig am Haltepunkt Zoo ein ganzes Stück weiter nach Norden zu verlegen. Domienik: „Auf diese Weise wäre ein unkomplizierter Zugang möglich.“ Die Anbindung könnte über den Weg erfolgen, der von der Grimbergstraße hinter dem Discounter-Gelände zum Bahnbetriebswerk führt.

So fielen Reisende nicht in ein dunkles Loch. So wie jetzt, wenn sie den Bahnsteig verlassen, die Treppe hinunter steigen und auf der viel befahrenen Bismarckstraße zwischen Eisenbahn- und Autobahnbrücke nach Orientierung suchen. Ein weiterer Vorteil: Mit der Verlegung in Richtung Grimbergstraße rückt der Haltepunkt ein deutliches Stück näher an den Zoo heran. Darüber hinaus wirft Domienik, nicht ganz uneigennützig, ein weiteres Argument in die Waagschale: „Über den neuen Bahnsteig bestünde die Möglichkeit, dass auch Eisenbahnvereine den Haltepunkt Zoo ansteuern könnten.“ Die historischen Zuggarnituren könnten dann am Bahnbetriebswerk geparkt werden, während die Fahrgäste die benachbarte Erlebniswelt besuchten.

Manfred Domienik weiß, dass sein Vorschlag nicht mehr ist als eine Idee, die weder auf Machbarkeit noch auf Finanzierung überprüft wurde. Aber er möchte sie zur Diskussion stellen gerade jetzt, da sich die sieben Anrainerkommunen vehement für den Fortbestand der Eisenbahnverbindung zwischen Dorsten und Dortmund aussprechen. Trotz der schlechten Rahmenbedingungen, unter denen die Nordwestbahn ihre Diesel-Triebwagen auf die Reise schickt, findet die Linie einen deutlichen Zuspruch. Ende Juni hat der Regionalverband Ruhrgebiet die Fahrgäste gezählt. Das Ergebnis: Im Werktagsdurchschnitt zählt die Regionalbahn 43 knapp 3500 Fahrgäste. Ein Wert, wie Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn immer wieder betont, der einer Eisenbahnlinie in Brandenburg das Überleben nachhaltig sichern würde. Dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr reichen diese Zahlen aber nicht aus. Auch wenn der VRR in der Zwischenzeit eine Bestandsgarantie bis zum Jahr 2015 andeutet, so ist dieser Zeitraum zu kurz, um nachhaltige Investitionen in Strecke, Anlagen und Fahrzeuge vorzunehmen. Martin Meyer-Luu: „Die Fahrzeuge der Emschertalbahn werden demnächst im Niers-Rhein-Emscher-Netz verkehren. Welche Fahrzeuge wir als Ersatz für die RB 43 bekommen, wissen wir nicht, weil Leasingfirmen sich nur ungern auf kurzfristige Verträge einlassen.“ Dabei sieht der Fachmann durchaus Entwicklungspotenziale. Zum Beispiel durch eine Taktverdichtung zwischen Wanne-Eickel und Dortmund. Oder durch dauerhafte Marketingaktionen mit dem Filmpark in Feldhausen und mit dem Zoo in Gelsenkirchen. Die Wirklichkeit sieht ernüchternd aus. Während an Wochenenden in der Saison die Parkplätze an der Grimbergstraße regelmäßig überquellen, wird der Haltepunkt Zoo nur alle zwei Stunden angefahren.

Wolfgang Laufs

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Kommentare
04.08.2010
21:06
Näher ‘ran in Richtung Zoo
von drmccoy | #2

Wenn es um weiterentwicklungen im ÖPNV im Ruhrgebiet geht, scheinen alle Politiker, Verkehrsgesellschaften und Verkehrsverbünde zu schlafen. Wenn ich so überlege was alles hätte kommen sollen, die U 35 nach Recklinghausen, S-Bahnen alle 15min, Streckenausbauten beim regionalverkehr, Straßenbahnverlängerungen usw. Nix aber auch gar nix passiert und irgendwann wie jedes Jahr kommt dann die Märchenstunde in der Tageszeitung wie schlecht der ÖPNV im Ruhrgebiet ist.

03.08.2010
12:17
Näher ‘ran in Richtung Zoo
von ulisera | #1

Dass die Trasse der RB 43 zwischen GE-Buer-Süd und Gladbeck-Ost eingleisig wurde, liegt an der Verkehr(t)spolitik der Kohl-Regierung Anfang der 90-er-Jahre: Bei dem vom Bund durchgeführten Ausbau der Autobahn A2 von 4 auf 6 Fahrspuren wurde die Eisenbahnbrücke der kreuzenden Trasse der RB 43 nur noch eingleisig errichtet. Das Gewinnstreben und der geplante Börsengang der DB AG waren der Grund für weitere Rückbaumaßnahmen: Die Trasse ist nun zwischen GLA-Zweckel und dem Rhein-Herne-Kanal nur noch eingleisig, was Zugkreuzungen und die Fahrplangestaltung erschwert. Typisch für unsere Politik und die Bahn: erst wird kaputtgespart, dann stillgelegt, weil angeblich die Kundenakzeptanz zu gering ist. Und nun meint die realitätsferne Führungsriege des VRR, man brauche diese Verbindung im Diaspora-Norden des VRR-Gebietes nicht. SO gewinnt man keine Kunden... Diese wollte man ab 1987 schon einmal auf dieser Verbindung in den Bus zwängen. Doch die Fahrgäste haben dankend abgelehnt, die Buslinie wurde wieder eingestellt und der VRR hat mit Widerwillen die RB 43 erhalten. Und man hat nichts daraus gelernt: Anstatt zu investieren und Haltepunkte aus den Gründerjahren modernen Erfordernissen anzupassen, schlafen alle Beteiligten: DB AG, VRR und die Kommunen. Na dann gute Nacht, Revier...

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