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Gott und die Welt

Mut zur Endlichkeit

23.11.2007 | 18:39 Uhr

Unser Kolumnist Klaus Venjakob überlegt, warum es uns so schwer fällt, über den Tod zu reden.

„Gerade habe ich meinen Bestatter getroffen!”, sagt eine Mitarbeiterin verschmitzt am Rande einer Veranstaltung in der Kirche. Wir haben beide herzhaft gelacht. So ein Satz passt zu ihr. Sie ist lebensfroh und pflegt zugleich einen nüchternen und selbstverständlichen Umgang mit dem Sterben. Sie gehört zu jenen, die es richtig finden, auch die letzten Dinge zu bedenken und somit zu Lebzeiten für die eigene Bestattung zu sorgen.

Vielen anderen fällt es schwer, über den Tod zu sprechen oder ihn auch nur zu denken – weil sie darin ein dunkles Ende sehen oder weil sie abergläubisch fürchten, dass das Sprechen über den Tod ihn automatisch herbei ruft. Je länger ich ihn kenne, desto wichtiger ist mir der 90. Psalm. Nicht nur wegen des beschriebenen Maß des Lebens: „unser Leben währet 70 Jahre und wenn es hoch kommt so sind es 80 Jahre...”, sondern auch wegen seiner Quintessenz: „Herr, lehre mich bedenken, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden!”

Ich finde solche Worte nicht deprimierend. Vielmehr legen sie mir nahe, dass der Begrenzung des Lebens das Kostbare jedes Tages gegenüber steht. Manche, die mit einer schweren Erkrankung leben oder den Verlust eines geliebten Menschen verkraftet haben, können sagen: „Heute lebe ich viel gegenwärtiger, bewusster und dankbarer!”

Selbstverständlich gibt es nichts zu beschönigen. Das Sterben und ein Abschied für immer bleiben oft unbegreiflich und verstören uns bis ins Innerste; vor allem das frühe und sinnlose Sterben macht uns ohnmächtig oder zornig. Dennoch gilt es den Mut zur Endlichkeit zu stärken und zu bedenken, dass das Leben nur eine bestimmte Zeit, wie eine Etappe ist. Aber auch das Sterben und der Tod sind vorübergehend. Am Ende steht Jesu Wahrheit: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!” (Joh. 14,19).

Unser Autor, Klaus Venjakob, ist Pfarrer der Ev. Trinitatis-Kirchengemeinde Buer.

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