Muslime servieren Kaffee und Kuchen im Seniorenheim

Muslime der Moscheegemeinde an der Fischerstraße servierten den Bewohnern des Seniorenheims Haus Marienfried Kaffee und Kuchen und verteilten rote Rosen. Damit wollen die Mitglieder der Mevlana-Moschee das nachbarschaftliche Miteinander fördern und angesichts der dramatischen Ereignisse in den vergangenen Tagen positive Zeichen setzen. Das Bild (3vl) zeigt Einrichtungsleiter Marcus Becker (3.v.li.) sowie Murat Sari vom Ditib-Vorstand mit Jugendlichen der Moschee und Bewohnerinnen des Seniorenheims.
Muslime der Moscheegemeinde an der Fischerstraße servierten den Bewohnern des Seniorenheims Haus Marienfried Kaffee und Kuchen und verteilten rote Rosen. Damit wollen die Mitglieder der Mevlana-Moschee das nachbarschaftliche Miteinander fördern und angesichts der dramatischen Ereignisse in den vergangenen Tagen positive Zeichen setzen. Das Bild (3vl) zeigt Einrichtungsleiter Marcus Becker (3.v.li.) sowie Murat Sari vom Ditib-Vorstand mit Jugendlichen der Moschee und Bewohnerinnen des Seniorenheims.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach den Anschlägen von Paris wurden Stimmen laut, die Muslime müssten jetzt Flagge zeigen, sich mehr einlassen auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Einige Mitglieder der Ditib Mevlana Moschee in Horst wollten genau das tun und besuchten jetzt das Seniorenheim Haus Marienfried.

Gelsenkirchen-Horst..  Nach den Anschlägen von Paris wurden Stimmen laut, die Muslime müssten jetzt Flagge zeigen, sich mehr einlassen auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Einige Mitglieder der Ditib Mevlana Moschee in Horst wollten genau das tun und besuchten jetzt das Seniorenheim Haus Marienfried.

Sie brachten kleine Geschenke mit und tranken mit den Bewohnern Kaffee. Einfach, um einander kennen zu lernen. Die Idee dazu trug Murat Sari, der Vorsitzende der Gemeinde, schon vor Wochen an Einrichtungsleiter Marcus Becker heran. Dann erhöhten die Ereignisse von Paris den Handlungsdruck. „Ich bin für solche Möglichkeiten dankbar“, so Sari. „Wir wollen uns im Stadtteil beweisen.“

Er zeigte, was die Jugendgruppe der Moschee, alles junge Männer, mitgebracht hatten. Ein gerahmtes T-Shirt etwa mit den Unterschriften der Gruppe – aufgemacht wie ein Fan-Trikot. Dazu zwei Präsentkörbe, übervoll mit Süßwaren und roten Rosen für jeden Bewohner. „Wir wollen Anteil nehmen am Leben im Stadtteil. Und wir hoffen, dass unsere christlichen Brüder und Schwestern auch auf uns zugehen.“ Um dem Besuch beinahe diplomatischen Charakter zu verleihen, war auch Imam Lokman Yilmaz mitgekommen. Auf Türkisch richtete er seine Worte an die Anwesenden. „Ich hoffe, dass das heutige Zusammentreffen das Fundament bildet für die Zukunft“, wurde er übersetzt.

Fehler der Vergangenheit

Dass es mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken nicht getan ist, dass besonders heute Angst die Kulturen trennt, das weiß Mehmet Teke sehr gut. Er gehört zu der Generation der jungen Männer mit Migrationshintergrund, ist gebildet, hat studiert. „Die Situation wurde uns erst richtig bewusst, als wir bemerkten, dass Menschen hier im Stadtteil Angst vor uns haben. Das hat uns entsetzt.“ Doch der junge Mann kennt auch die Ursachen, weiß um die Fehler der Vergangenheit.

„Uns ist klar, dass unsere Vorgänger zu still waren, sich zu sehr zurückgezogen haben in ihr Gemeindeleben. Dadurch sind Vorurteile entstanden.“ Mehmet Teke sieht es heute als seine Pflicht und auch als die seiner Glaubensbrüder, raus zu gehen und sich einzubringen in die Gesellschaft. „Das hätte schon gestern passieren müssen.“ Gleichsam weiß der junge Mann, dass sein Vorhaben ein harter Weg ist und der Anfang in einem Seniorenheim eine große Aufgabe: „Viele ältere Menschen erinnern sich noch an den Krieg. Daher habe ich mich auf schwierige Gespräche vorbereitet.“

Von Tisch zu Tisch

Ganz so schwierig wie befürchtet mutete der Verlauf übrigens gar nicht an. Als die jungen Männer mit den Rosen von Tisch zu Tisch gingen, sich vereinzelt niederließen, einfach erzählten, war das Eis gebrochen. Ihr Besuch war eine willkommene Abwechselung. So wie für Maria Lacher. „Wir hatten früher einige Familien auf unserer Straße wohnen. Mein Mann war dement und hatte sich im Stadtteil verlaufen. Da hat ihn einer der Türken gefunden und nach Hause gebracht. Die waren immer in Ordnung.“ Solche Veranstaltungen begrüßt die Seniorin: „Es muss ja weiter gehen. Wir müssen miteinander reden, einander kennen lernen.“