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Mit Mon Che?ri zur letzten Ruhe

28.08.2007 | 23:55 Uhr

Rainer Zacharzewski ist Steinbildhauer in Hassel. Wandel in der Bestattungskultur macht das Grabsteingeschäft schwieriger: Weniger Einkünfte und Gestaltungsmöglichkeiten. Darum: Vermehrt Gestaltung für den Gartenbereich

WAZ-THEMA Berufe im Wandel Der Tod ist sein größtes Geschäft - zumindest war er das mal. In den letzten Jahren sind die Einkünfte auf diesem Gebiet um etwa 10 % gesunken. Rainer Zacharzewski ist allerdings weder Bestatter noch Pathologe. Er ist Steinbildhauermeister.

In der Bestattungskultur vollzieht sich seit einigen Jahren ein Wandel. Seltener begraben Angehörige ihre Verstorbenen in einem klassischen Grab mit einem großen, freistehenden Grabstein. "Der Trend geht hin zu teilanonymen Gräbern, auf die nur flache Steintafeln mit Namen kommen. Die bieten natürlich weniger Fläche und somit auch weniger Gestaltungsmöglichkeiten", erklärt Zacharzewski; und brächten dementsprechend weniger ein.

Grabplatten dürften zudem nur eindimensionale Elemente aufweisen, damit man mit dem Rasenmäher 'drübergehen könne - das sei besonders pflegeleicht. Da die Stadt und nicht die Angehörigen die Betreuung der Gemeinschaftsfelder übernimmt, erklärt sich die Auflage von selbst.

"An der Bestattungsart kann man viel über eine Kultur ablesen", ist sich der 45-Jährige sicher. Was also wirft der aktuelle Trend seiner Meinung nach für ein Licht auf unsere Gesellschaft? "Der Tod wird als Thema an den Rand gedrängt", meint der Steinbildhauer.

Er selber setzt einen Trend dagegen: "Ich mag diese unpersönlichen und einheitlichen Grabplatten nicht. Zu Lebzeiten war jeder anders. Warum sollte im Tod dann alles gleich aussehen?" Darum liegt Zacharzewski viel daran, mit den Grabplatten einen persönlichen Bezug zum Verstorbenen herzustellen. Er fragt die Angehörigen, was typisch für die Person war, die jetzt zu Grabe getragen wird.

"Einmal habe ich eine Grabplatte mit einem Mon Che?ri versehen, weil die verstorbene Dame sie so gerne gegessen hat", erzählt Rainer Zacharzewski. Auf eine andere Grabplatte meißelte er eine Mundharmonika ein, und für Oma Lene, die leidenschaftlich gerne Urlaub in den Bergen machte, ziert ein Gebirge den Hintergrund der flachen Grabplatte.

"Der Friedhof in Hassel trägt meine Handschrift. Das sagen zumindest die Leute", erzählt der Steinbildhauer, der eigentlich Fernseh- und Radiotechniker werden wollte.

Kurz vor Beginn der Lehre schwenkte er spontan um, aus dem Bauch heraus, wie er sagt. Damit trat er in die Fußstapfen des Vaters, der den Familienbetrieb 1959 gründete. Seit 1990 ist Rainer Zacharzewski Chef und hat seine Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen, nie bereut.

Da er gerne kreativ gestaltet, fing der Steinbildhauer vor 15 Jahren an, neben dem Grabsteingeschäft auch Steine für den Gartenbereich zu bearbeiten: Vogeltränken, Skulpturen, Brunnen und Steinbänke aus verschiedenen Materialien, am liebsten aus weichen Steinarten, da diese die meisten Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Diesen Gartenbereich hat Zarcharzewski nun ausgeweitet. "Damals habe ich das zum Ausgleich gemacht, da war ich mit den Grabsteinen ausgelastet." Heute aber sehe es eben anders aus.

Angegliedert an die Steinbildhauerei hat er einen öffentlich zugänglichen Kunst-Stein-Garten, in dem seine Werke ausgestellt sind. Woher kommen eigentlich die Ideen? Oft seien es Impulse von außen, etwa bei einem Spaziergang durch den Park: "Ich nehme viel wahr. Man muss einfach mit offenen Augen durch die Welt gehen."

Von Katja Darms

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