Das aktuelle Wetter Gelsenkirchen-Buer 15°C
Sozialwerk St. Georg

Mit Handicap Qualität abliefern

09.08.2012 | 10:28 Uhr
Mit Handicap Qualität abliefern

Gelsenkirchen-Beckhausen. „Kann ich ihnen helfen? Wo steht ihr Fahrzeug?“ Freundlich und professionell wird man begrüßt, wenn man die große Werkstatt an der Theodor-Otte-Straße 152 betritt. Die helle Halle steht voll mit Kundenfahrzeugen - ein moderner, ganz normaler Betrieb, wie es viele gibt. Nicht ganz, wenn man die persönlichen Geschichten der Mitarbeiter hört. 18 Männer arbeiten in dem Betrieb und sie alle haben ein psychisches, geistiges oder körperliches Handicap.

Ihr Arbeitgeber ist das Sozialwerk St. Georg, dessen Wappen eher verschämt neben dem Eingang prangt. Fahrzeugpflege und Reifendienst sind die Angebote, mit denen das von zwei Profis geleitete Team sich seit rund drei Jahren auf dem Markt behauptet – so gut behauptet, dass Kunden sogar Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Begonnen hat alles eher zufällig, berichtet Birgit Shanker, die für diesen Betrieb zuständige Fachbereichsleiterin beim Sozialwerk St. Georg: „Es gab schon lange auf dem St. Georg-Gelände an der Emscherstraße eine kleine Gruppe, die sich um die Pflege unserer hauseigenen Fahrzeuge kümmerte. Die Gruppe wuchs, es gab Anfragen von fremden Firmen und ab 2004 wurden die ersten Fremdfahrzeuge in unser Pflegeprogramm aufgenommen. Damit hatten wir die ersten richtigen Kunden.“

Und wie es bei erfolgreichen Unternehmen so ist, reicht der Platz bald nicht mehr aus. Sowohl die Zahl der Kunden, als auch die Zahl der Mitarbeiter, die beim Fahrzeugservice arbeiten wollten, wuchs ständig an. Dazu kam noch, dass der Reifen-Service, der auch die Einlagerung beim Wechsel von Sommer- auf Winterreifen anbietet, immer mehr Platz brauchte – die Lagerräume platzten aus allen Nähten.

2009 fand man dann die große Halle an der Theodor-Otte-Straße. „Mit viel Einsatz und viel eigener Arbeit haben wir dann hier alles renoviert aus einer eher ungastlichen Halle eine freundliche Werkstatt gemacht“, erinnert sich Birgit Shanker.

Udo Münchow hat den Umzug mitgemacht. Er ist schon seit acht Jahren dabei und weiß seinen Arbeitsplatz beim Fahrzeug-Service zu schätzen: „Ich mag meine Arbeit hier. Es ist hell und freundlich und die Zusammenarbeit klappt gut. Für mich ist es wichtig, eine Aufgabe zu haben und eine gewisse Verantwortung zu tragen. Auch die Kontakte mit Kunden machen mir Spaß.“ Der gelernte Konditor fiel vor Jahren mit psychischen Problemen aus der Arbeitswelt heraus und hat in der Werkstatt eine neue Aufgabe gefunden. So wie der freundliche Autofan hat jeder Mitarbeiter seine eigene Geschichte, die den Erfolg auf dem ersten Arbeitsmarkt erschwerte. „Darauf müssen wir uns hier immer ganz individuell einstellen und das Arbeitstempo darauf ausrichten. Das bedarf schon einer gewissen Organisation“, erzählt Heiko Greffier, der als gelernter Automechaniker einer der beiden Gruppenleiter in der Werkstatt ist. So sei es zum Beispiel nicht möglich, „mal eben“ einen Pflegetermin einzuschieben: „Bei uns läuft alles nach Anmeldung. Dafür bekommen die Kunden hier auch eine erstklassige Arbeit geliefert.“ Autowäsche, Innenreinigung Politur und Polster-Aufbereitung – alles ist Handarbeit.

Ist man sonst auf motorisierte Fortbewegung spezialisiert, gibt es doch einen kleinen blau-weißen Zweirad-Bereich, denn die Werkstatt verkauft auch S04-Fan-Bikes.

Peter Marnitz



Kommentare
Aus dem Ressort
Parkleitsystem in Buer vor dem Aus
Verkehr
Das dynamische Parkleitsystem in Buer steht vor dem Aus: Die Verwaltung schlägt vor, den politischen Beschluss dafür aufzuheben. Hintergrund ist eine Weiterentwicklung der Technik in Fahrzeugen und bei Smartphones.
Pilz-Schönheiten zum Schlemmen – und Rascheln
Natur
Ihre kulinarische Bandbreite reicht von schmackhaft bis tödlich: Pilze. Sie können aber noch viel mehr als nur (nicht) essbar sein, erfuhren rund 20 Interessierte jetzt bei einer NABU-Exkursion durch den Emscherbruch in Resse.
Martin Luther King in Beckhausen und Horst
Gelsenkirchen-Bekchausen.
Die Botschaft von Martin Luther King ist immer noch aktuell: Dieses Fazit zogen zehn Kinder aus einem Singspiel-Projekt der Evangelischen Gemeinden Beckhausen und Horst. Wie zeitlos, zeigte ihnen Kantorin Christina Wienroth in Sachen Mobbing auf.
Royales Fotoshooting des Schützenkreises in Polsum
Schützen
Es war ein royales Treffen der Extraklasse: Zahlreiche Königshäuser kamen nach Polsum, um für ein Fotoshooting zu posieren. Sie alle präsentierten jedoch kein Königreich, sondern ihren Verein, einen der Schützenvereine aus dem Kreis 2300.
Seit Juni gibt es bei den Hübners Backfisch im Hofverkauf
Geheimtipp
Fast 65 Jahre betreibt die Familie Hübner ihren Fischhandel. Bis zum Sommer bot sie ihre Waren ausschließlich auf Wochenmärkten an. Tochter Ulrike Buri dachte schon länger über einen Hofverkauf nach. Im Juni dann versuchte die Familie ihr Glück - mit Erfolg.
Umfrage
Der öffentliche Raum wird immer mehr durch Video-Kameras überwacht. Stört es Sie, von einer Kamera etwa beim Parken oder Bummeln beobachtet zu werden?

Der öffentliche Raum wird immer mehr durch Video-Kameras überwacht. Stört es Sie, von einer Kamera etwa beim Parken oder Bummeln beobachtet zu werden?

 
Fotos und Videos
Erster Heimsieg für Di Matteo
Bildgalerie
Schalke 04
Manuel Neuer Kids Foundation
Bildgalerie
Eröffnung
Schalke feiert Derbysieg
Bildgalerie
Bundesliga
O'zapft is!
Bildgalerie
Oktoberfest