Missio-Truck macht Vertreibung erlebbar in Horst

Missio-Mitarbeiterin Pia Strunk zeigt auf einer Karte, wo genau die Demokratische Republik Kongo liegt, deren Minen im Osten des Landes oft von Rebellen kontrolliert werden.
Missio-Mitarbeiterin Pia Strunk zeigt auf einer Karte, wo genau die Demokratische Republik Kongo liegt, deren Minen im Osten des Landes oft von Rebellen kontrolliert werden.
Foto: FUNKE FotoServices
Einen Rollentausch besonderer Art ermöglicht ein Ausstellungstruck des katholischen Hilfswerks Missio: Besucher schlüpfen in die Rolle von Bürgerkriegsflüchtlingen und erleben so hautnah, welche Ausnahmesituation das ist.

Gelsenkirchen-Horst..  Ein paar Minuten nur, um das Nötigste zu packen – die mordenden Rebellen sind schon zu nah. Kleidung, Nahrung, Ausweispapiere, was soll mit? Wer sich jetzt für Wasser entscheidet in dieser multimedialen Ausstellung „Menschen auf der Flucht“ in Horst, der hat zu kurz gedacht: Ohne Pass gestaltet sich eine Flucht noch schwieriger für Bürgerkriegsflüchtlinge wie Sara (16) aus Ost-Kongo, in deren Rolle die Besucher im „Missio-Truck“ schlüpfen.

Ganz weit weg ist das Schicksal von Sara; und doch näher an unserem Alltag, als viele denken: „Das für die Handyproduktion eminent wichtige Coltan wird dort abgebaut in Minen, um deren Vorherrschaft Rebellen mit Waffengewalt kämpfen. Internationale Konzerne kaufen ihnen dieses Coltan für Geräte ab, die dann bei uns in den Handel kommen“, so Missio-Diözesanreferentin Anja Funk, Projektleiterin des katholischen Hilfswerks Missio. „Weil Rebellen die Coltan-Schürfer ausbeuten, unterdrücken, vertreiben und vergewaltigen, sehen diese die einzige Rettung in der Flucht“, versucht sie den Besuchern auf dem Josef-Büscher-Platz die Zusammenhänge zu verdeutlichen. Offenbar erfolgreich: „Die allermeisten kommen wie verwandelt wieder heraus.“

Schau emotionalisiert

Sechs thematisch gestaltete Räume auf der Ladefläche eines umgebauten Lkw sind es, die Besucher die Geschichte eines Flüchtlings in Spiel- und Hörstationen nacherleben lassen. Zu Beginn herrscht Frieden auf dem Markt: Das unbeschwerte Lachen von Kindern ist zu hören, dann pfeifen Gewehrkugeln durch die Luft. In Windeseile gilt es für Sara, ihre Habseligkeiten zu packen und in eine Kirche zu flüchten. Dort vermittelt ihr jemand die Flucht per Lkw zu ihrer Tante. Traumatisiert durch den Tod von Mutter und Schwester, hat sie jeden Lebensmut verloren. Erst in einem Missio-Traumazentrum vertraut sie sich einer Sozialarbeiterin an und fasst neuen Mut.

Ausnahmesituation Vertreibung

„Wir wollen für die Ausnahmesituation Flucht und Vertreibung sensibilisieren“, erläutert Serge Aka, pädagogischer Missio-Mitarbeiter, das Anliegen der Schau. Dabei gehe es nicht darum, Jugendlichen das Handy auszureden. „Bestimmt nicht!“ Einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen peilen die Missio-Mitarbeiter aber sehr wohl an. „Es stellt sich die Frage, ob wir wirklich immer die neueste Handy-Generation brauchen, wenn das alte Gerät noch in Ordnung ist“, so Anja Funk.

Darüber hinaus dringt die Initiative darauf, bei Konzernen wie Nokia, Samsung, Apple oder RIM Druck zu machen: Sie sollen nachweisen, kein Coltan aus Rebellen-Minen zu verwenden – und transparente Handelsstrukturen aufbauen. „Wenn man den Menschen vor Ort hilft, haben sie keinen Grund mehr zu flüchten“, so Aka.