Mehr als ein kleiner Sieg
20.06.2007 | 09:13 Uhr 2007-06-20T09:13:51+0200In Hassel unterzogen sich 15 angehende Firmlinge einer Mutprobe: Sie seilten sich vom über 30 Meter hohen Turm der St. Michael-Kirche ab. Aktion fand zum fünften Mal statt
Mit etwas ängstlichen Blicken schauen sie nach unten, gehen nur zögerlich an die Brüstung der Mauer. Es ist hoch - sehr hoch. Doch die 15 Jugendlichen auf dem Kirchturm St. Michael in Hassel haben ein Ziel vor Augen. Sie wollen sich an der Außenfassade des Turmes abseilen. Eigentlich - denn noch traut sich keiner. Zu einer Mutprobe trafen sich die Firmlinge der Gemeinde St. Michael unter fachkundiger Anleitung.
Schon der Aufstieg im Inneren des Kirchturms hat es in sich. Viele schmale Holzleitern müssen überwunden werden, das ist nichts für Menschen mit Höhenangst. Oben angekommen, wird es noch schlimmer. Der Turm ragt über 30 Meter in den Himmel von Gelsenkirchen. Ein Mädchen, Lisa, wird die Erste sein, die sich die Sicherheitsgurte und -seile ansetzen lässt.
Gemeindereferent Hermann Spiekermann steht unten und beobachtet gespannt das Geschehen auf dem Turm. Es sind die Firmlinge der Gemeinde, die im Oktober dieses Jahres ihren großen Tag in St. Urbanus haben werden. Spiekermann vergleicht die kleine Mutprobe der Jugendliche mit der Firmung an sich. "Wenn man sich heute zum Christentum bekennt, braucht man dafür auch Mut und muss stark sein", sagt er.
Die Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren beweisen ihre Stärke und ihren Mut. Nacheinander setzen sie die roten Sicherheitshelme auf, steigen in die Gurte und seilen sich am Turm ab. Auch Daniel Gajewski (16), der schon zweimal auf dem Kirchturm war und dann wieder umkehrte, steht jetzt erneut an der Brüstung. Noch zögert der Junge, dann fasst er sich ein Herz und lässt sich an die Seile spannen. Selbstüberwindung will geübt sein. Schritt für Schritt klettert er die Fassade herunter, begleitet vom Applaus der Familien und Freunde vor der Kirche. Blicke nach unten wagt er allerdings kaum.
"Erst war mir das zu hoch", gibt er später zu. Da aber "alle" sich abgeseilt haben, habe er seine Meinung geändert. "Eigentlich war das gar nicht so schwer", sagt Daniel sichtlich erleichtert, als er wieder auf festem Boden steht. "Aber jetzt reicht's auch", fügt er noch hinzu. Zur Stärkung der mutigen Kletterer gibt es unten einen Grill mit frisch gebruzzelten Würstchen. Die haben sich die Jugendlichen redlich verdient. Die Eltern natürlich auch: Einige Väter und Mütter folgen dem Beispiel der Kinder und seilen sich ebenfalls ab.
Die Kletteraktion mit den Firmlingen wurde bereits zum fünften Mal durchgeführt. "Das ist auch immer eine Vertrauensprobe, man muss sich auf die anderen verlassen können", sagt Katechetin Gabi Poetsch. "Aber wenn man es geschafft hat, dann hat man einen kleinen Sieg über sich errungen", meint sie. Und ist stolz auf die jungen Leute.
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