Leere Straßen, leere Kassen
15.02.2010 | 19:15 Uhr 2010-02-15T19:15:00+0100
Buer.Einkaufen, an Rosenmontag? Das Trio mit den Abenteurer-Hüten hatte damit nichts zu schaffen. „Wir sind auf Kneipentour“, gaben Anne Diekmann, Elke Büchler und Monika Benke zu Protokoll. Das feucht-fröhliche Dreigestirn hätte nichts dagegen, wenn das buersche Zentrum während des Karnevals-Umzugs Umsatz-freie Zone wäre - wenn also Verhältnisse wie in den Vorjahren herrschten. „Ich fände es besser, wenn die Geschäfte an diesem Tag zu hätten. Dann könnten die Verkäuferinnen bei ihren Familien sein oder auf dem Zug“, so Diekmann. Shoppen käme ihr am Karnevals-Montag eh nicht in den Sinn.
Viele große Einkaufszentren in der Umgebung hatten geöffnet, da wollte Buer nicht hinten anstehen. Doch offenbar haperte es an einer gemeinsamen Linie der Händler: Einige Geschäfte wollten verkaufen, die meisten indes nicht. „Im Vorfeld hatten wir eigentlich besprochen, dass alle aufmachen“, sagte Tchibo-Geschäftsführerin Nicole Feuser. Die Realität sah anders aus - nur wenige Läden wie Sinn-Leffers, H&M, Schlecker oder eben Tchibo hofften auf Karnevals-müde Kundschaft. Das große Geschäft blieb aus. Feuser: „Seit 13 Uhr war nichts mehr los.“ Sagte auch Imbiss-Betreiber Keshtyar Mostafa von „Pizza Pic“: „An solchen Tagen lohnt es eigentlich nicht, aufzumachen. Die Stadt ist leer, das kostet mich nur Strom.“ Warum er seinen Laden dann nicht auch zulasse? Dies sei eben das Los des Selbstständigen. „Das hat Vor- und Nachteile. Einer der Nachteile ist, dass man täglich arbeiten muss, um sein Geld zu verdienen.“ Nach den Erfahrungen mit dem verkaufsoffenen Rosenmontag scheint eine Wiederholung in der kommenden Session fraglich. „Wir hatten angekündigt, dass wir aufmachen, also mussten wir’s auch durchziehen. 2011 würde ich das Geschäft aber zulassen“, sagte Feuser.
Dabei hat das Konzept „Einkaufen, während andere feiern“ durchaus Potenzial. SinnLeffers beispielsweise räumte „11,11 Prozent Rosenmontag-Rabatt“ ein. Und einige Bummler kamen gezielt aus der Nachbarschaft zur Hochstraße. Julia Bültmann etwa. Die 23-Jährige nutzte den gestrigen Tag, um in Ruhe nach Klamotten zu schauen. „Es ist etwas leerer als normalerweise, das finde ich gut.“ Was die Kaufleute wurmte, lockte die junge Frau also erst in die Stadt. In ihrem Heimatort Herten sei während des Umzugs „noch weniger“ los, Buer also ein willkommenes Nahziel. Und an der Wagenparade hat sie ohnehin kein Interesse: „Ich war dieses Jahr schon auf einer Damensitzung, das reicht mir.“
Auch Anne Diekmann kam von außerhalb, aus Gladbeck nämlich nach Buer. Wenngleich sie und ihre Bueraner Kolleginnen Elke Büchler und Monika Benke nichts für den Umsatz der Geschäfte taten - zumindest die hiesigen Gastwirte freuten sich über die lustigen Damen. „So“, sagte Diekmann zum Abschied und lupfte ihren Hut, „schönen Tag noch. Wir gehen jetzt noch einen heben.“
14:32
Hertie hat dicht gemacht, weil KarstatdQuelle insolvent ist. Karstadt selbst bekam seinen alten Namen Hertie wieder und aufgrund der Immobilienverkäufe von KarstadtQuelle war das Ende zeitlich bereits bekannt. Dies hat, egal wie man es dreht und wendet, nichts mit der fehlenden Einkaufskraft zu tun. Da gehe ich sogar mit Ihnen daccord, aber Hertie hätte auch geschlossen wenn Buer florieren würde.
10:48
Jedes Jahr das gleiche Genoele und Geheule - seit ich denken kann - geht keiner am Rosenmontag in die City zum Einkaufen. Mittlerweile haben einige Geschäfte aufgrund des Drucks der Geschäftsführung geöffnet - und das Einzige das passiert: Es wird gemeckert das keiner gekommen ist. Wer in die sogenannten Zentren auf die grüne Wiese gefahren ist - der hat gemerkt das dort auch nur Kinderspieltag ist!
07:14
„Im Vorfeld hatten wir eigentlich besprochen, dass alle aufmachen
Mhh... Seltsam. Bis zu vielen Händlern hatte sich diese Absprache nicht herumgesprochen. Wer da wohl mit wir gemeint ist...
20:56
In Gelsenkirchen und Buer ist doch das ganze Jahr über Rosenmontagsstimmung.
Den Menschen fehlt schlicht und ergreifend das Geld, um shoppen gehen zu können.
Als westdeutsche Hartz IV Hochburg muß Gelsenkirchen sich nicht wundern, wenn die Umsätze immer weiter in den Keller absacken.
Oder warum hat z. B. Hertie dicht gemacht?
Das einzige was mich noch nach Buer zu Sinn führt sind die altbekannten Gesichter des Verkaufspersonals im Bereich Herren. Hier wurde zum Glück noch nicht der Fehler gemacht, den andere Häuser vornehmen, und gutes Fachpersonal gegen 25-jährige unerfahrene und unglaubwürdige Praktikanten auszutauschen.
Aber vermutlich doktort das IAG auch schon an dieser Aufgabe herum.