Leben im Staub, schlafen im Flutlicht
01.06.2011 | 17:42 Uhr 2011-06-01T17:42:00+0200
Gelsenkirchen-Buer. Kurz vor dem Ende der Baustelle rund um St. Urbanus hagelte es Kritik.
Die Baustelle ist einmal rund um St. Urbanus gewandert und geht jetzt am Russellplatz dem Ende entgegen, da bricht sich der Ärger der Anwohner Bahn. Auf einer Bürgerversammlung auf Einladung der FDP übten Anlieger und Geschäftsleute der Domplatte Kritik an der Ausführung der Bauarbeiten.
„Immer wieder haben wir in der Bezirksvertretung und im Ausschuss nachgefragt, ob die Bebauung am Rand und die Platzgestaltung zeitgleich fertig würden. Immer wieder hieß es von Seiten der Verwaltung: Machen Sie sich keine Sorgen“, blickte FDP-Stadtverordnete Anne Schürmann zurück. Das Ergebnis ist bekannt: Der Rewe-Markt wurde pünktlich am 1. Juli 2010 eröffnet - mit einer Baustelle direkt vor dem Eingang. Eine vom FDP-Kreisvorsitzenden Marco Buschmann geforderte Akteneinsicht soll jetzt klären, ob die Verwaltung eine Vertragsstrafe ausgehandelt hat für den Fall, dass die Baufirmen ihre Zeiten nicht einhalten.
Nach dem schleppenden Baufortschritt und einem Jahr Leben mit und auf der Baustelle waren die Fragen der Anwohner und Einzelhändler ganz praktischer Natur: Warum wurden wir nicht umfassend über die Baustelle informiert? Warum haben Verwaltung und Baustellenleitung die Hinweise der Anwohner nicht umgesetzt? Warum wurde beim Zuschneiden der Bodenplatten nur selten Wasser zum Binden des Staubs eingesetzt? Warum mussten es diese und so viele Laternen sein? Ihr starkes Licht strahlt nicht nur über den Platz, sondern auch bis in die Wohnungen der oberen Etagen. „Dann kann ich mich gleich auf den Rasen der Arena legen“, merkte ein Betroffener sarkastisch an. Während die Bodenstrahler direkt an den Kirchenmauern noch vor Mitternacht abgeschaltet würden, sorgten die neuen Laternen für „Festbeleuchtung“ bis zum nächsten Morgen. Carola Theiß vom Lederwarengeschäft schilderte ihre Erfahrungen mit dem Baustellenmanagement: „Die Mitarbeiterin der Verwaltung war mehrmals pro Woche auf der Domplatte zu sehen, aber nicht ein einziges Mal bei uns im Geschäft.“ Für eine Überraschung hatten die Männer vom Bau zur Eröffnung des Ladenlokals gesorgt, als sie mit dem Bagger vor der Eingangstür standen. Merkwürdig auch der Beginn der Arbeiten: in der Woche um 7 Uhr, samstags um 6 Uhr. Und was wird aus dem Platz, wenn er einmal fertig ist: Skateranlage und Taxi-Fahrbahn?
Behinderten-Vertreter Manfred Liebich richtete sein Augenmerk auf die barrierefreie Gestaltung, auf die Gully-Deckel, in denen Rollstuhlräder und Kontaktstöcke von Blinden sich verkanten könnten, und auf die Gefahrenquellen, die von den von unten verschraubten Handläufen des Geländers ausgehen könnten.
Anne Schürmann versprach, die Anmerkungen als Grundlage für eine Anfrage an die Verwaltung zu verwenden. Und warb dafür, nicht nur das Negative zu sehen: „Auf der Domplatte ist ja auch etwas Positives passiert.“ Kritik musste nicht nur die Stadt einstecken. Ilhan Bücrücü ärgerte sich über das Erscheinungsbild der Randbebauung, die er als „Gefängnismauer“ bezeichnete: „Der moderne Bau und der Dom harmonieren in keiner Weise.“ Für die optische Entschärfung des Bauprojektes des buerschen Architekten Christian Schramm hatte Bücrücu eine einfache Lösung parat: Farbtupfer.
07:39
Schön, dass die Bürger der Stadt sonst keine Probleme haben...