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Kunst überm Bauzaun

17.01.2013 | 19:59 Uhr
Kunst überm Bauzaun
Das Blobster-Modell schwebt am Kranhaken überm Goldbergplatz.Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Buer. Der kleine Daniel schaut halb staunend, halb ungläubig in Richtung Volksbank-Kulisse und verfolgt mit Spannung, was der Bagger da am Haken hat. Es ist hohe Kunst und sieht doch aus wie eine Mischung aus übergroßer Ameise und außerirdischer Amöbe. Das also ist der Blobster , mit dem Gereon Krebber den Kunstwettbewerb für die zukünftige Kulturmeile gewonnen hat . Das Modell aus Styropor, Dachlatten und Holzbrettern in Originalgröße wurde gestern auf den Goldbergplatz gestellt, um Ausrichtung, Proportionen und Beleuchtung zu begutachten.

Wie Daniel den Blobster findet? Der Siebenjährige zeigt sich unentschlossen, gibt sich salomonisch: „Ich weiß auch nicht.“ Seine Mutter, Milena Puzig, beschäftigen ganz pragmatische Fragen: „Wo ist das Rondell, wo sind die Sitzmöglichkeiten geblieben?“

Stoff für Diskussionen

Die Kunst hinterm Bauzaun sorgt trotz der ungemütlichen Temperaturen für Diskussionen. Kameras werden geschwenkt, Fotohandys gezückt, um den Augenblick festzuhalten. Krebber hat sein Blobster-Modell mit zwei Gurten festgezurrt, das Ding mit seinem Unterbau schwebt in der Luft. Jetzt müssen noch drei Bretter angebracht werden, damit der Blobster genügend Standfestigkeit erhält. Millimeterarbeit bei zwei Grad minus.

Margret van Deyk freut sich, das Blobster-Modell einmal in Originalgröße sehen zu können: „Das konnte man sich nicht vorstellen, so wie es in der Zeitung abgebildet war.“ Nun also ist der Styropor-Knubbel da, scheint vom Tragbalken zu rutschen, der von drei Brettern getragen wird. Der echte Blobster, aus Aluminium und auf Stahlträgern, lässt noch auf sich warten. Leane Schäfer, Leiterin des Kunstmuseums: „Das Kunstwerk wird voraussichtlich zum Ende des Frühjahrs aufgestellt, wenn die Baustelle am Goldbergplatz abgeschlossen ist.“

Der Blobster auf dem Boden fällt kaum auf, und doch regt er die Auseinandersetzung um Kunst im öffentlichen Raum an. „Da hätten sie lieber ‘ne Lore aufgestellt“, sagt ein Mann im Vorbeigehen. Vermutungen zur Blobster-Gestalt gehen in Richtung Schalke-Ball oder Christbaumkugel. „Der sieht doch aus wie ein nasser Sack“, sagt eine Frau und entschwindet in der Kälte. Sie will aber noch einmal wiederkommen. Sich den Original-Blobster anschauen und dann ein endgültiges Urteil fällen.

Wolfgang Laufs



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