Kumm, loss mer fiere
14.02.2010 | 15:30 Uhr 2010-02-14T15:30:00+0100
Buer.„Kumm, loss mer fiere, nit lamentiere, jet Spass un Freud, dat hät noch keinem Minsch jeschad.“ Die kölsche Weisheit wurde auch in Buer am Wochenende gelebt. Allein auf den letzten Feiern der Session der drei buerschen Karnevals-Vereine ließen es alleine über 1300 Jecken so richtig krachen, bevor am Sonntag mit dem Auftakt des Straßenkarnevals auch der Höhepunkt der Session eingeläutet wurde.
„Pretty Woman, walking down the street“, klingt es von der Bühne in der Mehrzweckhalle der Gesamtschule Horst. Hier findet etwas ganz neues statt. Zum ersten mal hat der KC Astoria zur Faschingsparty geladen. „Das ist mal etwas anderes“, erklärt Pressesprecherin Susanne Kaufmann, warum sich der Club für eine lockere Party entschied. „Es gibt viele Gelsenkirchener, die nicht so viel mit Karneval am Hut haben.“ Und die waren in Horst natürlich auch willkommen. Viel wichtiger aber war, mit dem Angebot der KC Astoria gibt es wieder eine zünftige Faschingsparty im Stadtteil. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, diesmal nicht in der Grundschule an der Schwalbenstraße zu feiern, sondern in Horst. Hier gibt es sonst nicht viel.“
„Hang On Sloopy“, singt die Band Magic Touch oben auf der Bühne. Und die Gäste singen mit. Noch sind nicht so viele da. Aber die Anreise dauert bei der Witterung ja auch etwas länger. „Das wird noch voll“, ist Susanne Kaufmann sicher. Denn die ganze Mühe soll sich am Ende ja lohnen. Den ganzen Tag haben die Jecken aufgebaut, am frühen Sonntagmorgen wird abgebaut und aufgeräumt und gleich danach geht es zum Kinderumzug nach Horst. „Das sind harte Tage“, lacht die Pressesprecherin. Zeit zum Ausruhen gönnt sie sich auch nach Aschermittwoch nicht. „Dann bereitet man sich auf die neue Session vor.“
An die denken die Erler Funken gerade gar nicht. Denn der Bürgerball in der Aula der Gerhardt-Hauptmann-Realschule erreicht gerade seinen ersten Höhepunkt. Die Schrubbergarde steht hier auf der Bühne. Und der Saal kocht. Über 500 Jecken heben die Hände zum Himmel und singen aus voller Brust einen Karnevals-Klassiker nach dem nächsten mit. Die „Lausbuben“ kommen auf die Bühne. „Watt sind die letzen Worte einer Forelle?“, fragt der eine den anderen. Der hebt unwissend die Schultern. „Alles in Butter.“
Engelchen und Teufelchen tanzen hier miteinander. „Echte Fründe ston zesamme, ston zesamme su wie eine Jott un Pott“, schallert es aus allen Lautsprechern. Den Karnevalisten spricht das aus der Seele. Haremsdamen schunkeln miteinander, männliche Jungfrauen haben sich untergehakt. Und das ist noch nicht alles. „Gleich kommt das nächste Highlight“, macht Beate Lehmkuhl neugierig. „Gleich kommen Rhine Area Pipes and Drums.“ Die waren zur Prinzenproklamation schon in Erle und brachte auch da mit ihren Dudelsäcken und im Schottenrock die Menge in Fahrt. „Da ist Gänsehautstimmung vorprogrammiert.“
Beinahe klein kommt im Vergleich der Kostümball von KC Grün-Weiß Resse daher. Und genau das ist das Besondere. „Bei uns ist es immer etwas familiärer“, freut sich Pressesprecher Olaf Poell über die gute Stimmung im Saal des Pfarrzentrums Herz Jesu in Resse. Beinahe das ganze Programm des Abends wird aus den eigenen Reihen gestaltet. Und wer seinen Auftritt hinter sich hat, reiht sich ein in die nächste Polonaise und feiert mit. Auch die Gardemädchen dürfen heute bleiben. Immerhin hat jede die Eltern mit dabei. „Es ist ein Fest mit unsere Mitglieder und gute Freunde“, unterstreicht Poell noch einmal.“
Und das erklärt, warum hier vieles erlaubt ist. Gerade erobern vier Gardemädchen die Bühne, auf der eigentlich Sängerin Nicky Nova für Stimmung sorgen will. „Pokerface“ singt sie für die Gäste. Und die Bunnys und Lolitas tanzen dazu mit den vielen anwesenden Teufelchen. „Bis in den frühen Morgen“, verspricht Poell, wird auch hier gefeiert und geschunkelt.
Überall in der Stadt werden viele Jecken am Sonntag mit einem ordentlichen Brummschädel aufgewacht worden sein. Der viele Schnee machten ihnen das Ausrücken zu den Umzügen vermutlich auch nicht leichter. Nach Samstagabend aber steht eines fest, einen echten Jecken kann auch in unserer Stadt nichts erschrecken.
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