Kulturnacht sorgt für unerwartete Begegnungen

Kleines Alfred-Schmidt-Haus, dicht gedrängtes Publikum.
Kleines Alfred-Schmidt-Haus, dicht gedrängtes Publikum.
Foto: FUNKE FotoServices

Gelsenkirchen-Hassel..  Komm mit mir ins Abenteuerland: Schalthaus-Band und -Chor stimmen den PUR-Hit zu Beginn des zweiten Teils an, da hat die Reise durch die fünfte Kulturnacht auf Bergmannsglück schon längst Fahrt aufgenommen. Auf dem Weg zum großen glamourösen Finale mit Travestie-Star Lady Tatti macht der Ausflug durch kulturelle Genres Halt an zahlreichen Stationen. Sie heißen Musik, Ausdruckstanz, Videoperformance. Begegnungen mit dem Außergewöhnlichen, dem Unerwarteten sind ausdrücklich erwünscht.

Es ist eine Sommernacht, die sich wolkenlos und lau über das kleine Alfred-Schmidt-Haus gelegt hat. Den schlechten Wetterprognosen vertrauend, hatten die Organisatoren kurz vor knapp entschieden, aus dem Freien in die kleine Galerie zu ziehen. Das Publikum rückt zusammen, vor der Bühne und unter dem Zelt, das noch schnell vor die Tür gestellt wurde. Festival-Organisation verlangt nach Improvisation. Der Neugier, mit der das Publikum das Programm verfolgt, tut das keinen Abbruch.

Tolerant und weltoffen

Roland Radtke, Sänger und Fassbass-Zupfer, erläutert das Konzept der Kulturnacht: „Wir wollen zeigen, was uns wichtig ist und für eine tolerante, weltoffene Gesellschaft einstehen.“ Wichtig ist den Machern, Kultur selbst zu machen, ein Angebot für den Stadtteil zu schaffen. Mit eigenen Talenten, mit einfachen Mitteln. Was wichtig ist im Leben, wovon sie träumen, was der Sinn des Lebens ist: Die auf Video aufgezeichneten Antworten von Menschen auf der Straße, projiziert auf die Rückwand der Galerie, setzen die Folkwang-Tänzer Tim Cekatka, Aaron Samuel Davis und Danilo Cardoso in Bewegung um. Der Spielmannszug der Bülser Schützen gibt, mit teils verspiegelten Sonnenbrillen auf der Nase, die Blues Brother und beweist, dass man auch das Biene-Maja-Lied trommeln kann.

Als „Ausdruckstänzer, gefangen in den Körpern von Tanzmariechen“ kündigt Radtke den Auftritt der Flying Stars an: In der Karnevalssession gehören der Tänzer und die fünf Tänzerinnen zur Showtanzgruppe des KC Astoria, in der Kulturnacht präsentieren sie einen Pas de deux zum Musical-Duett von Kira Schmidt und Stephan Hartwig und begleiten mit moderner Choreographie die Schalthaus-Band. Und Tim Cleve bedient mit Hauspantoffeln das Rorophon, ein Instrument aus fein abgestimmten Abflussrohren. Aber auch Vertrautes erklingt in der Kulturnacht: der Helene-Fischer-Hit „Atemlos“ oder Michael Jacksons Klassiker „Heal the World“.

Rote Robe, schwarzes Korsett

Nach ihrem Auftritt nebenan im Hertener Revuepalast eilt Lady Tatti zur nächsten Bühne: Auf Bergmannsglück gibt sie die Zarah Leander, verspricht in roter Robe und schwarzem Korsett ein bisschen „Krawall und Spektakel“, bedient sich bei Udo Jürgens und verkündet „You’ll never walk alone“. Das Publikum wiegt sich im Rhythmus der bekannten Stadion-Hymne. Und fast etwas verloren wird eine Regenbogenfahne geschwenkt.