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Versteigerung

Kühle Mienen, heiße Tränen

04.11.2011 | 18:46 Uhr
Kühle Mienen, heiße Tränen
Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Scholven.  Der Stall Prost versteigerte seine Ponys. Hunderte Pferdefreunde kamen, viele Mädchen weinten.

Die Sonne lacht. Die Bäume und Büsche erstrahlen in den schönsten Herbstfarben. Doch für die Menschen steht etwas ganz anderes im Vordergrund. Dicht gedrängt stehen mehrere hundert Besucher um den Reitplatz des Hofes Prost. Hier beginnt gleich die große Ponyversteigerung. Und der goldene Herbst wird zur Kulisse für emotionale Höhen und Tiefen.

Der Auktionator Volker Rauf greift zum Mikrofon. Schon wird die Stute Maja herein geführt. Eine junge Frau führt das Tier im Kreis, während der muntere Rheinländer noch einmal die Regeln der Auktion erklärt. Mit der Hand deutet er auf die „Gegengrade“. „Heben sie mal alle den Arm. So, wenn ich das jetzt zähle, kostet dieses Pony 35 000 Euro.“ Alles lacht. Wobei einigen zum Weinen zumute ist. Vor allem die vielen jungen Mädchen vom Stall leiden unter dem bevorstehenden Spektakel.

Es geht los. Die trächtige Stadtmeisterin wird nun den Besitzer wechseln. Das Startgebot ist 1000 Euro. Und die erste Hand wird gehoben. Der Bieterkrimi geht in die erste Runde. Der Auktionator überschlägt sich bald beim Reden. Schnell steht fest, der Mann hat Entertainer-Qualitäten. Bei 3500 Euro fällt sein Hammer. „Bitteschön“, ist sein nüchterner Kommentar, bevor schon das nächste Pony, Vivien, herein geführt wird.

Der bisherige Besitzer der Tiere, Ernst Prost, beobachtet die Auktion mit etwas Abstand. „Wir haben in diesem Jahr derart hohe Heu- und Strohpreise, dass ich die Tiere nicht mehr halten möchte“, erklärt er seine ungewöhnliche Entscheidung. Denn Auktionen gibt es sonst nur im Insolvenzfall. Und der ist hier keineswegs gegeben. Schwer fällt ihm die Trennung dennoch. Denn immerhin sind die Tiere das Ergebnis einer 20 Jahre langen Zucht. „Die Tränen kommen später“, gesteht Prost, wie nah ihm das Ganze geht.

Um den Platz herum geht der Bieterwettstreit in die nächste Runde. Wer kein Tier erstehen will, hält konzentriert die Arme am Leib. Um Missverständnisse zu vermeiden. Die, die es ernst meinen, bieten mit kühler Miene mit. Auch aus der zweiten Reihe. Nicht leicht für Volker Rauf, den Überblick zu behalten. „Kommen sie doch in die erste Reihe“, ermuntert er eine Dame, „Sie sehen doch gut aus, das können Sie sich doch leisten.“ Während viele lachen, fließen bei dem jungen Mädchen, das Vivien über den Platz führt, unvermittelt Tränen. Jetzt fällt der Hammer. Und die neuen glücklichen Besitzer jubeln vor Freude. Die Spannung der letzten Minuten fällt von ihnen ab. Auch bei ihnen fließen die Tränen. Denn einige hier, so scheint es, wollen sich von ihrem vierbeinigen Freund nicht trennen.

Im Stall ist derweil Hochbetrieb. Die schon verkauften Pferde werden hinein geführt. Die anderen warten auf den großen Auftritt. Um sie herum stehen viele Mädchen. Die einen erleben gerade die erste Liebe ihres Lebens, bestaunen erwartungsvoll den neuen tierischen Freund. Die anderen leiden unter der ersten Trennung, die ja bekanntlich am schmerzhaftesten ist.

Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, spannend wie ein Krimi. Unterbrochen wird es vom Schreien des Auktionators, vom Hammerschlag auf das kleine Pult und vom Jubel der neuen Besitzer. Sie wissen, sie erstehen Qualität. Kein Pony, das nicht schon Titel holte, kommt hier unter den Hammer. Und die Jährlinge und Fohlen versprechen ebensolche Erfolge. Das lockte Interessenten aus ganz Deutschland an.

Am späten Nachmittag fällt zum letzten Mal der Hammer. Ein aufregender Nachmittag ist vorüber. Die einzigen, die es gelassen nahmen, sind die Ponys selbst. Sie freuten sich einfach nur auf eine große Portion Futter, die sie bald in einem anderen Stall bekommen.

Kira Schmidt

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