Kohleöfen bleiben bald kalt
27.01.2012 | 17:34 Uhr 2012-01-27T17:34:00+0100
Gelsenkirchen-Resse. Die aus den 1950er Jahren stammende Eichkamp-Siedlung wird an die Erdgasversorgung angeschlossen. Eine fast zwei Kilometer lange Leitungstrasse wird zurzeit gebaut.
30 langgestreckte Wohnblöcke aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, eingebettet in viel Grün, gebaut entlang der Straße Im Eichkamp, erschlossen durch Dachs-, Iltis- und Marderweg: Die Eichkampsiedlung in der Resser Mark besteht aus 268 Wohnungen, viele aber stehen schon lange leer – Tendenz steigend. Kohleöfen und Nachtspeicherheizungen möchte heute niemand mehr.
Die Siedlung könnte sich wieder beleben, weil die Häuser saniert werden und damit auch die veralteten Heizanlagen verschwinden. Die Eigentümerin, LEG Wohnen, hat den örtlichen Energieversorger ELE beauftragt, die Siedlung künftig mit Erdgas zu versorgen. Die Arbeiten begannen Mitte Dezember. Alltagsgeschäft, könnte man meinen, aber diese Erschließung hat es in sich.
Die Eichkampsiedlung grenzt direkt an das große Naturschutzgebiet Emscherbruch – Lebensqualität für die Bewohner, aber eine Herausforderung für die ELE-Fachleute. Das ging schon mit dem planerischen Aufwand los: Die erste ins Auge gefasste Trasse für die Gasleitung, die von der Straße Im Emscherbruch bis zur Eichkampsiedlung verlegt werden muss, kam aus Naturschutzgründen nicht in Frage. Und bevor die Alternative, die jetzt realisiert wird, in trockenen Tüchern war, mussten acht Ämter und Behörden mit ins Boot geholt werden: Planungs-, Verkehrs- und Liegenschaftsamt, Untere Landschaftsbehörde, Untere Wasserbehörde, Forstbehörde, Regionalverband Ruhr (RVR) und Landesstraßen NRW mussten zustimmen, damit die Gasleitung durch die Herforder Straße, die Warendorfer Straße und durch einen parallel zur Münsterstraße verlaufenden Fußweg bis zum Dachsweg in der Eichkampsiedlung geführt werden kann. Dort endet die Transportleitung in einer Gasdruck-Regelanlage, die den Druck von 4 bar auf 0,1 bar reduziert, bevor das Gas durch 900 Meter Verteilungsleitungen in die Siedlung und in die Häuser gelangt.
1,7 Kilometer lang ist die Trasse für die Transportleitung, die Warendorfer Straße und der Fußweg machen dabei die größten Probleme. Sie führen mitten durch das Naturschutzgebiet. Da musste, bevor die aufwendigen Abstimmungsgespräche und die Detailplanung überhaupt beginnen konnten, ein Landschaftspflegerischer Begleitplan und ein Artenschutzrechtliches Fachgutachten her. Nach 31 Seiten ziehen die Fachleute am Ende zwar das Fazit: Es handelt sich nicht um einen schwerwiegenden Eingriff, die Gasleitung kann verlegt werden, aber: Fledermäuse, Ringelnattern und Vögel genießen im Emscherbruch besonderen Schutz – bis in den Herbst die einen, ab 15. Februar die anderen. Gebaut werden darf nur in der für diese Maßnahme äußerst knappen Zeit dazwischen. Zusätzlich musste sich ELE bzw. die von ihr beauftragte Tiefbaufirma noch mit dem RVR und den Gelsendiensten abstimmen, weil die einen in der fraglichen Zeit im Emscherbruch in großem Stil Bäume fällen und die Stämme neben dem Fußweg lagern, die anderen die Warendorfer Straße als Sammelstelle für die gefällten Bäume aus den von ihr im gesamten Stadtgebiet bewirtschafteten Wäldern nutzen.
08:58
Respekt vor der organisatorischen sowie logistischen Leistung der ELE. Aber hier trifft ja wirklich schon fast das Sprichwort: "Zuviele Köche verderben den Brei!" zu.