Kinder arbeiten schauspielerisch am Thema Ausgrenzung

Viele Geschichten hatten tierische Hauptdarsteller beim Theaterprojekt auf dem Bauspielplatz.
Viele Geschichten hatten tierische Hauptdarsteller beim Theaterprojekt auf dem Bauspielplatz.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Auf den Horster Bauspielplatz fand in der ersten Ferienwoche ein besonderes Projekt statt: Zwei Pädagogen vom „Sonstwas-Theater“ erarbeiteten mit 17 Kindern fünf kleine Theaterstücke zum Thema Ausgrenzung, bastelten die Stockpuppen und brachten damit alle Stücke zur Aufführung.

„Die Tigergeschichte. Bühne frei!“ Gerd Miekol gibt das Startzeichen. Die Kleinen legen los. Selbst unsichtbar erzählen sie mit ihren Stockpuppen eine Geschichte, die von einem weißen Tiger berichtet, der nur wegen seiner Farbe von den Artgenossen gemobbt wird. Denn das große Thema des Theaterprojektes auf dem Horster Bauspielplatz ist Ausgrenzung.

„Die Inklusion kommt jetzt auch auf uns zu“, erklärt Vera Neumann, die Leiterin der Einrichtung. „Deswegen hatte ich das Sonstwas-Theater gebeten, zu diesem Thema mit unseren Ferienkindern zu arbeiten.“ Am Montag gab es eine Einführung. Danach konnten die Kinder entscheiden, ob sie teilnehmen wollten. 17 von 50 Kindern wollten an diesem arbeitsintensiven Projekt teilnehmen, entwickelten in fünf Teams eine eigene Geschichte, bauten eigene Puppen.

„Spiel doch alleine!“, rufen drei gestreifte Tiger dem weißen zu. „Wieso?“, fragt der verzweifelt und verletzt. „Kuck’ dich doch an“, rufen die drei im Chor. Gerd Miekol unterbricht. Mit der Hand führt er die Köpfe der drei Tiger, als würden sie den weißen mustern. „So. Das muss man richtig spielen.“

Eigene Erfahrungen verarbeitet

Ausgrenzung, damit haben hier alle jungen Schauspieler schon Erfahrungen gemacht. „Mein Freund und ich, wir wurden ausgegrenzt“, erzählt Mariano. „Das war schlimm, weil das meine besten Freunde waren“, ist der Achtjährige bewegt, wenn er sich erinnert. „Die wollten nicht mit uns spielen und haben gesagt, Mariano, du kannst nicht mehr mit uns spielen, weil dein Freund Türke ist.“

Kira ist ganz mutig. Sie gesteht, schon mal jemanden ausgeschlossen zu haben. „Meine Freundin“, erzählt die Neunjährige. „dann habe ich gehört, dass sie deswegen geweint hat. Ich habe darüber nachgedacht, was ich getan habe. Am nächsten Tag habe ich sie angerufen. Jetzt sind wir wieder Freunde.“

Von Null auf Hundert

Auf der kleinen Bühne spitzt sich die Geschichte zu. Die drei Tiger werden von einer Schlange bedroht. Doch der weiße Tiger rettet die anderen - und die Freude ist groß. Natürlich wird sie lautstark kundgetan. „Nicht alle durcheinander“, mahnt Gerd Miekol, der von dem Projekt in seiner Kompaktheit begeistert ist. „Das ist Puppenspiel von Null auf Hundert. In einer Woche die Stücke zu entwickeln, die Puppen zu basteln, alles zu proben und zur Aufführung zu bringen, das ist etwas Besonderes.“

Auf der Bühne will der weiße Tiger den Freudentanz verlassen. Schließlich ist er die Ausgrenzung gewöhnt. Die anderen halten ihn auf, wollen mit ihm spielen. „Gerade war das doch noch anders“, sagt er. Und die anderen erwidern: „Ach. Gerade ist vorübergehend.“