Kesselhaus erfolgreich gesprengt
17.01.2010 | 18:30 Uhr 2010-01-17T18:30:00+0100
„Umgefallen ist es erstmal”, ist Sprengmeister Günter Franke erleichtert. Schon wandert sein prüfendes Auge über das, was vom Kesselhaus von Block G im Eon Kraftwerk Scholven noch übrig ist.
Und der Haufen Schrott erfüllt den Thüringer Fachmann mit Freude. „Jede Sprengung birgt ihre Schwierigkeiten. Routine wird da nie reinkommen.”
In nur wenigen Sekunden sind gerade 35 Jahre Kraftwerksgeschichte in sich zusammen gesunken. Schon seit 2001 ist das Kesselhaus endgültig stillgelegt. „Und die Anlage hat nicht wer weiß wieviele Betriebsstunden gehabt”, erklärt Josef Ewering, der Kraftwerksleiter. Seit 24 Jahren ist er im Werk beschäftigt. Und dass nun die Sprengung anstand, erfüllte ihn mit etwas Wehmut. Wobei das Kesselhaus zu keiner Zeit im Vollbetrieb war.
„Die Anlage ist 1975 in Betrieb gegangen”, erklärt Josef Ewering. Und damit sei sie in die erste Ölkrise hinein gebaut worden. „Die Wirtschaftslage ermöglichte schon damals nicht mehr den Dauerbetrieb mit Öl.” Jetzt nur Zuschauer zu sein, als Werksleiter die Verantwortung anderen zu übergeben, macht Ewering nichts aus. „Man weiß von dem Unternehmen, dass es sehr erfahren auf dem Gebiet ist.” Vom Wunsch erfüllt, auch hier das Kommando zu haben, den richtigen Knopf zu drücken, sei er nicht. „Das tue ich lieber, wenn eine Anlage in Betrieb geht.”
Gespannt warten einige Schaulustige auf dem streng bewachten Gelände. Einige sind Angehöre von Mitarbeitern. Viele andere aber sind die Anwohner, die wegen der Sprengung evakuiert werden mussten. „Ich würde jetzt lieber im Bett liegen”, lacht Manfred Kowalski, der das ganze Spektakel bereits aus dem August 2008 kennt, als die Kühltürme gesprengt wurden. Gemeinsam mit seiner Frau wohnt er vis-a´-vis zum Kesselhaus. „Wir wohnen näher dran, als wir jetzt sind”, erklärt Brigitte Kowalski, die zum ersten Mal dabei ist. „Ich bin gespannt”, gesteht sie. „Hauptsache, die Wohnung bleibt stehen.”
Was das betrifft, macht sich kaum jemand Sorgen. Alle Beteiligten sind konzentriert aber zuversichtlich. „Wir sind seit vorgestern hier und haben alles verkabelt”, berichtet der Sprengmeister. Insgesamt 400 Meter Sprengschnur hat er mit seinem Mitarbeiter verlegt. Dazu noch acht Meter Schneidladung für die Stahlstützen. Das wird reichen, da ist Günter Franke sicher. „Das Gebäude ist durch die Firma Landwehr bereits vorgeschwächt worden.” Und das mache man soweit, dass das es gerade eben noch stehe. Um die Fallrichtung zu bestimmen werden die Stahlträger vorge-fräst. Und dann geht alles seinen Weg, die Minuten des 10 400 Tonnen schweren Kesselhauses sind gezählt.
„Sag bescheid, wenn du die Zündmaschine fertig hast”, weist Günter Franke per Funkgerät seinen Mitarbeiter an. Nur noch vier Minuten sind es bis zur Sprengung. Ein lautes Signal ist zu hören. Es ist das erste von dreien. „Das funktioniert ähnlich wie im Theater”, lacht der Sprengmeister.
„Zündbereitschaft ist hergestellt”, ist es aus dem Funkgerät zu hören. Es ist soweit. Günter Franke zählt den Countdown an. „Drei, zwei, eins, los.” Ein lauter Knall, dann scheint den Bruchteil einer Sekunde lang nichts zu passieren. Doch nun fällt das Kesselhaus in sich zusammen, verschwindet im dichten Nebel. „Umgefallen ist es erstmal”, ist Günter Franke erleichtert.
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