Karfreitag ging der Krieg in Gelsenkirchen-Buer zu Ende

Bis kurz vor dem Einmarsch der Alliierten bedienten junge Männer die Flakgeschütze.
Bis kurz vor dem Einmarsch der Alliierten bedienten junge Männer die Flakgeschütze.
Foto: Archiv WAZ
Was wir bereits wissen
In Horst fielen um 14.30 Uhr die letzten Bomben, es kam aber noch zu Straßenkämpfen. In Buer wurde noch das St.-Marien-Hospital beschossen. Amerikanische Truppen besetzten den Stadtnorden. Es war ein bitterer Karfreitag, aber auch ein Tag der Erleichterung und der Befreiung.

Am Karfreitag 1945 ging in Buer und Horst der 2. Weltkrieg zu Ende: Amerikanische Truppen besetzten den Stadtnorden. Es war ein bitterer Karfreitag, aber auch ein Tag der Erleichterung und der Befreiung. Nachdem bereits am Gründonnerstag Scholven, die Heege und der Schaffrath eingenommen worden waren, kämpften sich die alliierten Truppen am Karfreitagmorgen, 30. März 1945, auch in Hassel vor.

Von Polsum kommend gelangte die 8. US-Panzerdivision langsam auf der Valentinstraße zum Hasseler Markt. Die Amerikaner stießen hier noch mal auf Widerstand: Von der Ecke Otte-/Valentinstraße feuerte ein deutscher Panzerspähwagen.

Amerikaner besetzen Hassel

Ein Volkssturm hatte sich derweil im östlichen Teil der Valentinstraße verschanzt. Eine halbe Stunde später flog ein amerikanischer Jagdbomber die deutschen Stellungen an und setzte zielgenau eine Bombe ab. Es gab keine Überlebenden. Wenige Stunden später besetzten die Amerikaner ohne weiteren Widerstand Hassel.

Buer-Mitte lag am Karfreitagmorgen noch unter „furchtbarem Artillerie-Beschuss”, wie die Ordensfrauen im St.-Marien-Hospital in ihrem Kriegstagebuch festhielten. „Um 12 Uhr mittags wurde es stiller.” Gegen 15 Uhr formierte sich noch ein letzter Volkssturm, am Bahnhof Buer-Nord wurde heftig gekämpft. Vom Schaffrath aus beschossen die Alliierten, die Gründonnerstag an der Autobahn hängengeblieben waren, Beckhausen mit schwerer Artillerie. An der Autobahnbrücke in Beckhausen formierte sich noch ein Volkssturm, „um die Heimat zu verteidigen”, wie es hieß.

Allierte durchsuchten jedes Haus

In Horst fielen am Karfreitag um 14.30 Uhr die letzten Bomben: Es gab fünf Tote, davon einen im Luftschutzbunker der Wirtschaft Hollmann. Über die Bottroper Straße drangen dann um 15 Uhr die ersten Amerikaner mit vier Panzern ein. Vor dem Agnesstift, in dem Horsts Pfarrer Wenker auf das Kriegsende wartete (das Pfarrhaus auf dem Schollbruch war zerstört), lagen noch zehn Panzerjäger und warteten auf den Feind.

Ein Gefecht gab es wohl am Schollbruch, wo in Höhe des Sportplatzes zwei tote deutsche Soldaten mit Panzerfäusten gefunden wurden. Wenig später waren die amerikanischen Truppen am Horster Stern, wo es zu Straßenkämpfen kam. Sie rückten weiter vor, die Buerer Straße hinauf Richtung Beckhausen.

Dröhnen der Panzermotoren

Das Dröhnen der Panzermotoren und das Klirren der Ketten drangen in die Ohren der Anwohner. Eine Granate schlug in den St.-Hippolytus-Kirchturm ein, aus dem Bereich der Turmuhr quoll danach Rauch. Vermutlich hatte sich ein deutscher Beobachtungsposten dort verschanzt.

Die Amerikaner durchsuchten jedes Haus. Fußtruppen mit entsicherten Waffen schlichen an den Häusern entlang, Türen wurden aufgebrochen. „Man vermutete immer noch versteckte deutsche Kämpfer, die sich in den Gebäuden verschanzt haben konnten“, so ein Zeitzeuge. Derweil hingen an einigen Häusern an der Buerer Straße weiße Laken aus den Fenstern.