Jupp Seidel verlässt heute die Bretter, die die Welt bedeuten

Jupp vom Emscherbruch alias Jupp Seidel tritt am Samstag ab aus der Bütt.
Jupp vom Emscherbruch alias Jupp Seidel tritt am Samstag ab aus der Bütt.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Als „Jupp vom Emscherbruch“ schrieb er in der Bütt Gelsenkirchener Karnevalsgeschichte. Heute nimmt Jupp Seidel Abschied - aus gesundheitlichen Gründen. Einzig den Karneval des Wichernhauses wird er weiter als Sitzungspräsident begleiten.

Er ist ein echtes Urgestein des Karnevals im Stadtnorden. 43 Jahre lang stand „Jupp vom Emscherbruch“ alias Jupp Seidel als Büttenredner auf der Bühne - nun aber tritt er aus gesundheitlichen Gründen ab. Am heutigen Samstag hat er beim Kostümball des KC Grün Weiß Resse seinen letzten Auftritt.

Los ging alles 1972 in der Kirchengemeinde in Resse. „Da bin ich zum ersten mal in die Bütt gegangen - einfach aus Spaß an der Freud.“ Erst später fand Jupp Seidel heraus, dass ihm der Karneval sogar im Blut liegt: „Ich habe Ahnenforschung betrieben und erfahren, dass meine Ur-Urgroßmutter eine geborene Severin aus dem Severinsviertel in Köln ist.“ Bis heute fühlt sich der Jeck dem kölschen Karneval verbunden. „Wenn im Fernsehen der Kölsche Jung läuft, muss ich eine Träne verdrücken.“

In den 80er Jahren baute Jupp Seidel sein jeckes Engagement aus, trat in vielen Altenheimen auf und sorgte hier gerne für Stimmung. 1984 trat er erstmals mit einem Soloprogramm beim KC Grün Weiß Resse auf. Im selben Jahr übernahm er als ehrenamtlicher Begleiter etliche Seniorensitzungen in der Stadt, wo er natürlich auch immer selbst in die Bütt ging.

Mehr und mehr wuchsen Jupp Seidel und der KC Grün Weiß Resse zusammen. Doch als der Büttenredner 85 in den Verein eintreten wollte, war gerade ein Aufnahmestopp verhängt worden. Und so kam es, dass Seidel erst 2013, nachdem ihm 2012 die „Resser Träne“, die höchste Auszeichnung des Vereins, verliehen worden war, beim KC Grün Weiß Resse eintrat.

Gelsenkirchen-Lied war Höhepunkt

Einen der absoluten und unvergesslichen Höhepunkte erlebte Jupp Seidel, als er das eigene Prinzenpaar als Hofsänger begleitete mit seinem „Gelsenkirchen-Lied“. „Das werde ich nie vergessen.“ Und so ist es passend, dass Jupp Seidel heute auch mit einem Lied abtritt. Mit „Zeit zu gehen“ von Unheilig tritt Jupp vom Emscherbruch von der Büttenredner-Bühne ab. „Dieses Lied drückt meine Laufbahn im Karneval aus.“ Dann verrät er, wie schwer ihm der Abschied fällt. „Das wird schon eine harte Geschichte für mich, heute.“ Aber natürlich hat die Bühnenabstinenz auch Vorteile. „Jetzt kommt für mich eine Zeit, in der ich Fernsehen schaue ohne dass immer ein Kugelschreiber daneben liegt.“

Getreu dem Lied von Trude Herr „Niemals geht man so ganz“ geht auch Jupp Seidel nicht ganz, bleibt natürlich dem Gelsenkirchener Karneval verbunden und wird auch bei ein paar ausgewählten Sitzungen dabei sein. Bei „seinen“ Seniorensitzung will er weiterhin ein paar Lieder singen. Und beim Karneval des Wichernhauses wird er weiter als Sitzungspräsident auf der Bühne stehen - aus Überzeugung. „Da laufe ich wirklich zu Höchstform auf. Das ist der ehrlichste Karneval - wenn man denen in die Augen schaut, weiß man, warum man das macht.“