Jungmännerverein gestaltet das Gemeindeleben in Scholven

Die jüngsten Mitglieder des CVJM  zelten traditionell einmal im Jahr auf dem Kirchengelände.
Die jüngsten Mitglieder des CVJM zelten traditionell einmal im Jahr auf dem Kirchengelände.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der CVJM Gelsenkirchen-Scholven wird in diesen Tagen 100 Jahre alt. Seine großen Zeiten jedoch hatte er erst nach dem 2. Weltkrieg – vor allem in den 80er Jahren, als viele Jugendliche kamen. Und sich der Verein auch für das weibliche Geschlecht öffnete

„Über die frühen Jahre der Vereinsgeschichte wissen wir nicht viel“, sagt Michaela Kiepert. Die ersten Mitglieder des CVJM in Scholven, der vor 100 Jahren gegründet wurden, sind heute anonym. Zwei Dinge jedoch stehen fest: Nämlich dass es ein reiner Männerverein war – und lange bleiben sollte – und dass es um das Missionieren ging.

Zwei historische Ereignisse müssen dabei beachtet werden. Mit den vielen Männern, die ins Revier kamen, um auf den Zechen zu arbeiten, wuchs die Zahl der evangelischen Christen, die dennoch in der Minderheit waren. Zudem herrschte Krieg. „Man kann sicher sagen, wenn die Not am größten, ist Gott am nächsten“, meint André Bsdurrek, im CVJM Scholven fast schon ein „alter Hase“.

„In Scholven gab es damals noch keine evangelische Kirche“, erklärt er, warum Hauskreise zum Mittelpunkt der Arbeit gehörten. Die gibt es übrigens bis heute. „Es hat sich gerade vor drei Monaten wieder ein kleiner Hauskreis des CVJM in Scholven gegründet.“

Körperliche Ertüchtigung

Erste Zahlen gibt es von 1927. Damals zählte der Verein 38 Mitglieder. Offiziell hieß der Zusammenschluss noch „Westdeutscher Jungmännerbund“. Der Name lässt erahnen, wie die Gruppe aufgestellt war. Es gab zum einen die körperliche Ertüchtigung und die geistige Bildung, die hier allein von biblischer Natur war.

Während der Zeit des Dritten Reiches wurde die Vereinsarbeit eingestellt. Ein Jahr nach Kriegsende wurde sie wieder aufgenommen. Mit dem Bau der Kirche und dem Entstehen eines regen Gemeindelebens schlug die große Stunde des CVJM. Die Mitgliederzahlen wuchsen, die Angebote wurden vielseitiger. Sport blieb weiter wichtig.

Bastelkeller wird zur Partymeile

„Wir hatten ganz lange eine gute Handballmannschaft, die sogar in der Liga spielte. Dazu gab es Volleyball, Tischtennis, Tennis, Fußball und eine offene Sportgruppe“, so Bsdurrek. Und die Angebote wurden zur Anlaufstelle der Jugendlichen im Stadtteil. „Das war richtig voll“, erinnert sich André Bsdurrek, der 1972 dazu stieß.

„Viele andere Angebote gab es im Stadtteil ja auch nicht.“ Lachend erinnert sich, dass der Bastelkeller schon mal zum Partykeller wurde, die Teestube des Vereins ein angesagter Treffpunkt für die Jugend war. Die Bibelarbeit gehörte dennoch weiter zu den Aktivitäten. „Zu einer Jungschargruppe gehörte immer die Verkündigung. Das haben wir als völlig normal empfunden.“

Musicalprojekte und Sportangebote

In den 80er Jahren wurde der Verein offiziell für Mädchen und Frauen geöffnet. Zu dieser Zeit wurden Jugendfreizeiten modern. „Seitdem bietet der CVJM Sommerfreizeiten an.“ Bis heute sind sie wichtiger Bestandteil der Jugendarbeit. Die Großen gehen dafür tatsächlich auf Reisen, die Kleinen zelten traditionell einmal im Jahr auf dem Kirchengelände. Dazu finden Musicalprojekte statt. Und Sportangebote gehören auch bis heute zum Vereinsleben. „Der CVJM war immer eine starke Kraft in der Gemeinde“, so Bsdurrek. Auch nach der Fusion der Gemeinde zu Trinitatis ist das so geblieben.