Jobsuche: Aufgeben gilt nicht

Michelle Gapp (16) bewirbt sich um eine Ausbildungsstelle als Altenpflegerin.
Michelle Gapp (16) bewirbt sich um eine Ausbildungsstelle als Altenpflegerin.
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Was wir bereits wissen
Laufen, ohne anzukommen: Dieses Gefühl beschleicht in den letzten Wochen des Schuljahres Michelle Gapp (16) immer öfter. Seit Monaten bewirbt sich die Beckhausener Hauptschülerin um einen Ausbildungsplatz als Altenpflegerin. Bislang erfolglos.

Gelsenkirchen-Beckhausen..  Laufen, ohne anzukommen: Dieses Gefühl beschleicht in den letzten Wochen des Schuljahres Michelle Gapp (16) immer öfter. Seit Monaten schon bewirbt sich die Zehntklässlerin der Hauptschule an der Schwalbenstraße in Beckhausen auch in anderen Städten um einen Ausbildungsplatz als Altenpflegerin; zeigt bei Probearbeiten, wie ernst es ihr mit diesem Job ist; gibt bei Vorstellungsgesprächen ihr Bestes. Allein: Ihr Ziel erreicht hat sie (noch) nicht.

„Wenn ich eingeladen werde, heißt es immer wieder, ich sei zu jung“, berichtet die Feldmarkerin enttäuscht. Dass sie mit 16 Jahren aus Jugendschutz-Gründen keine Schicht- und Wochenenddienste übernehmen darf, ist ihr bewusst. „Aber Altenpflege ist nun einmal das, was ich machen möchte“, mag sie sich von ihren Plänen nicht abbringen lassen.

Plan B: Freiwilliges soziales Jahr

Weder das Praktikum im Kindergarten noch das im Lebensmittelgeschäft konnte sie begeistern. „Erst im Seniorenheim habe ich gemerkt, wie sehr mir der Umgang mit älteren Menschen liegt. Die haben viel Lebenserfahrung. Ihnen zu helfen, sie zu pflegen, macht mir großen Spaß.“ Berührungsängste vor Menschen mit Demenz oder Krebs? Fehlanzeige! „Krankheit und Tod gehören zum Leben dazu“, sagt sie schlicht – und hofft, dass eine der noch offen stehenden rund 70 Bewerbungen doch noch Erfolg haben wird. „Sonst werde ich wohl ein Freiwilliges soziales Jahr in der Seniorenpflege machen. Die Erfahrungen dort kann ich bestimmt gut gebrauchen.“

Flexibel und mobil

Arbnora Bashotaj (17) aus Buer bemüht sich derweil um eine Lehrstelle als medizinische Fachangestellte. Rund 80 Bewerbungen hat sie verschickt, „zurück habe ich erst 30; viele machen sich gar nicht mehr die Mühe, die Unterlagen zurückzuschicken“.

Ähnlich wie Michelle ist sie bereit, auch in einer anderen Stadt zu arbeiten. „Ich bin flexibel, mobil und weiß nach Probearbeiten in Arztpraxen, worauf ich mich einlasse.“ Dass sie mit vielen unterschiedlichen Charakteren zu tun haben wird, „macht den Reiz aus; ich kann mich gut darauf einstellen, habe keine Angst vor Blut“.

Eigeninitiative

Vanessa Rungenhagen (18) aus Heßler träumt derweil von einem Ausbildungsplatz als Hauswirtschafterin. Arbeit in der Küche, Essen auftragen, Verantwortung für Wäsche tragen: „Das macht Spaß“, hat sie bei einem Praktikum festgestellt. Gerade das selbstständige Arbeiten schätzt sie. Schon jetzt übernimmt sie zu Hause freiwillig einen Teil der Hausarbeit. „Am liebsten koche ich Nudel-Schinken-Auflauf“, so die Hauptschülerin, die ebenfalls bereit ist, weitere Anfahrtswege in Kauf zu nehmen.

Aber bange machen gilt nicht für die Drei: Am Wochenende haben sie sich getroffen, gemeinsam potenzielle Arbeitgeber recherchiert und Bewerbungen geschrieben. Jede rund zehn. Aufgeben? Das können sie später immer noch.