Jeck seit 33 Jahren

Steuererhöhung ist ein Thema, das sich Karnevalisten bei ihren Umzügen nicht entgehen lassen. Das Bild mit dem Astoria-Festwagen stammt aus der Zeit, als die Mehrwertsteuer noch 14 Prozent betrug.
Steuererhöhung ist ein Thema, das sich Karnevalisten bei ihren Umzügen nicht entgehen lassen. Das Bild mit dem Astoria-Festwagen stammt aus der Zeit, als die Mehrwertsteuer noch 14 Prozent betrug.
Foto: FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer..  33 jecke Jahre ist es her, da gründete eine Handvoll Narren den Karnevalsclub Astoria, den ersten seiner Art im Gelsenkirchener Westen. Der Grundstein war gelegt, einige Jahre lang jedoch war die Zahl derer, die von Session zu Session lebten, in Horst noch recht klein.

„Damals war das noch ein echter Club. Da waren zehn, zwölf Aktive, eine Garde und gut war’s. Der Vorstand hat seine Sitzungen noch im Wohnzimmer gemacht, aber man hatte eine Galasitzung, eine Garde und einen Wagen“, erinnert sich Gerd Schwenzfeier an die ersten Jahre. Er kam 1986 dazu, wurde nach dem damals legendären Fritz Mordau und Willi Danielowski als dritter Ehrenritter für sein bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet. „Ich wusste vorher gar nicht, wie Karneval geschrieben wird“, lacht er. Doch es war selbstverständlich, dass seine Frau Anette und er dann in den Verein eintraten. Sie prägten wie nur wenige andere dessen Geschichte.

Eine Sitzung nur für Damen

Nur eine Session später wurde Anette Schwenzfeier Stadtprinzessin – an der Seite von Willi Danielowski. „Der Willi kam damals zu mir und hat um die Hand meiner Frau angehalten“, erzählt Gerd Schwenzfeier lächelnd. Ein Ereignis mit Folgen für den stadtweiten Karneval. In ihrer Amtszeit nämlich fasste Anette Schwenzfeier einen Entschluss: „Mein Prinz war zur Herrensitzung eingeladen und ich durfte nicht mit. Da habe ich gesagt: Wenn ich nicht mehr Prinzessin bin, mache ich eine Damensitzung.“ 1989 fand die erste statt. „Vorher gab es das in Gelsenkirchen noch nicht“, so die ehemalige Tollität, die selbst singt und die Gelsenkirchener Ausgabe der „Königin des Mottoliedes“ ist. Im ersten Jahr kamen rund 150 Frauen. Das jedoch steigerte sich. „In den 90er Jahren hatten wir drei ausverkaufte Damensitzungen pro Session.“ Dann zogen die anderen Vereine nach. In den ersten Jahren des nächsten Jahrzehnts war die Nachfrage rückläufig.

Die Schwenzfeiers prägten den KC Astoria in den 1990er Jahren. Während sie so erfolgreich Veranstaltungen organisierte, war er der Vorsitzende des Vereins. 2000 übergab er das Amt an Michael Lange, wurde später Präsident des Festkomitees. Ein Amt, das Gerd Schwenzfeier bis heute innehat. In der Folge wurde auch die Satzung des KC Astoria geändert.

Erfolgreich bei Wettkämpfen

Aus dem Vorsitzenden Michael Lange wurde der Präsident – und in der Session 2011/12 der Stadtprinz. Wenig später kam es zu einer Krise im Club. Michael Lange schied aus, gründete einen neuen, eigenen Verein. Den Zusammenhalt in den eigenen Reihen der Astorianer stärkte das im Rückblick. Mit vereinten Kräften arbeitet man wieder gemeinsam daran, den Club in sicheres Fahrwasser zu bringen. In Zeiten fehlender Sponsoren kein leichtes Unterfangen. Doch die Geschehnisse machen zuversichtlich. Erstmals ist die Damensitzung wieder ausverkauft. Die Tanzgruppe „Flying Stars“ ist bei Wettkämpfen ebenso erfolgreich wie Solomariechen Romina Lärz. Und es gibt tänzerischen Nachwuchs, gleich zwei junge Solomariechen stehen bereit. „Wir blicken wieder optimistisch in die Zukunft“, so Gerd Schwenzfeier.

Anette Schwenzfeier, die aktuelle Präsidentin, übt ihr Amt mit Sorgfalt und zugleich Visionen aus. „Ziele habe ich viele, aber es muss auch alles finanzierbar sein.“ Einen Wunsch verrät sie dann doch: „Dass wir, wenn wir wieder das Prinzenpaar stellen, das Paar auch finanziell unterstützen können – das wäre mein Wunsch.“