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Fußball-Freunde

Integration auf dem Spielfeld

07.02.2012 | 16:47 Uhr
Integration auf dem Spielfeld
Foto: Thomas Schmidtke

Gelsenkirchen-Buer.Sie laufen auf als Ronaldo, Rüstü, Podolski oder Alpay und wenn sie an den Ball kommen, geht es richtig zur Sache. Irritierend ist nur, dass Podolski ein blaues Trikot trägt und recht erfolgreich das Tor hütet. Gut ein Dutzend Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren treffen sich regelmäßig in der Turnhalle der Löchterschule und streben ihren großen Vorbildern nach.

Das Besondere an dem Team ist die Zusammensetzung. Rund die Hälfte der Fußball-begeisterten Truppe besucht die Löchterschule, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung, der Rest der Mannschaft geht zur Hauptschule am Eppmannsweg.

Wer die Sporthalle am Nachmittag nach Unterrichtende besucht und zusieht, wie um jeden Ball hart gekämpft wird, hat es schwer, die eine von der anderen Schülergruppe zu unterscheiden. Der Ehrgeiz, das Runde in das Eckige zu bekommen, ist bei allen gleich. Und das ist es auch, was Burkhard Wiff, Sportlehrer an der Löchterschule und von Anfang an Trainer der munteren Truppe, als Erfolg sieht: „Die Mannschaft ist im Laufe der Zeit schon ganz gut zusammengewachsen und die Jungs verstehen sich wirklich gut“.

Entstanden ist das Team im April 2010 aus dem DFB-Projekt „Fußball-Freunde“, das zum Ziel hat, junge Menschen mit und ohne Behinderungen buchstäblich spielend zu integrieren.

„Es dauerte natürlich seine Zeit, bis die gegenseitigen Vorurteile abgebaut wurden. Zu Beginn hatte man eine gewisse Scheu voreinander“, erinnert sich Wiff, der das ganze Projekt in seiner Freizeit leitet, an die Anfänge. Irgendwann sei dann aber der Groschen gefallen: „Die können ja sogar Fußball spielen!“

Wenn beim Trainingsspiel 4 gegen 4 in der Sporthalle Team Blau gegen Team Rot antritt, muss sich der Besucher schon erklären lassen, welcher Spieler wegen seiner Behinderung vormittags die Löchterschule besucht, denn am Ball sind die Einschränkungen kaum spürbar. „Wir haben hier sogar einen Jungen mit einem leichten Autismus, der aber immer ganz begeistert zum Training kommt und dessen Verhalten von allen akzeptiert wird“, erklärt Wiff.

Wie in der Bundesliga ist das Training die eine Seite, das Spiel und der „echte“ Wettkampf ist dann aber der andere, viel wichtigere Teil des Sportler-Lebens. So richtig zusammengeschweißt werde das bunte Team, so Wiff, wenn es zu Turnieren gehe. So habe die Mannschaft im Rahmen der „Special olympics“ schon an Turnieren in Essen, Münster und beim 1. FC Köln teilgenommen. „Leider ist das viel zu selten, aber es ist aus organisatorischen und leider auch finanziellen Gründen nicht so leicht, zu einem Turnier zu fahren“, bedauert der engagierte Lehrer.

Er hat beim Gespräch immer beide Augen auf dem Spielfeld in der Sporthalle, denn Alpay, Podolski und Ronaldo müssen beim Kampf um den Ball manchmal mit einem Schiedsrichter-Pfiff gebremst werden. Schließlich geht es auch beim Training um Tore und Siege.

Peter Marnitz

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