"In die Zukunft blicken"
03.09.2008 | 17:01 Uhr 2008-09-03T17:01:00+0200Die Transfergesellschaft PEAG am Bugapark betreut derzeit die ehemaligen Nokia-Mitarbeiter aus der Umgebung. Die WAZ-Buer sprach mit Projektleiterin Angelika Preiß.
Frau Preiß, wie viele ehemalige Nokia-Mitarbeiter betreut die PEAG Transfer derzeit?
Angelika Preiß: Das lässt sich nicht genau sagen. Zum einen dürfen wir keine Zahlen von Nokia veröffentlichen. Im Prinzip kommen aber alle Mitarbeiter in Frage, da es keine Einschränkungen für die Mitarbeiter gibt, in die Transfergesellschaft einzutreten. Zum anderen kommen nicht alle zeitgleich zu uns. Je nach Zeitpunkt der Freistellung kann das um Monate variieren. Die ersten Nokianer wurden schon im Februar 2008 freigestellt, die letzten werden im Januar 2009 kommen.
Aus welchen Unternehmensbereichen stammen diese Mitarbeiter?
Preiß: Im Prinzip aus allen, da das Werk komplett geschlossen wurde. Allerdings gibt es gerade bei höher qualifizierten Mitarbeitern sowie Menschen in leitenden Positionen eher den Fall, dass die Leute schon selbst eine neue Anstellung gefunden haben.
Was kann eine Transfergesellschaft wie PEAG leisten, um den Nokianern zu einer neuen Anstellung zu verhelfen?
Preiß: Es greifen verschiedene Elemente ineinander. Wir bieten zum einen Qualifikationsmaßnahmen an, um den Kunden auch Anstellungen in anderen Bereichen zu ermöglichen. Außerdem vermitteln wir Stellenangebote, die Firmen direkt an uns herantragen. Hinzu kommt die enge Kooperation mit der Arbeitsagentur. Am Ende des Tages ist es aber immer der Arbeitssuchende selbst, der sich eine Stelle sichert. Denn schließlich ist er es, der im Bewerbungsgespräch bestehen muss.
Welche Chancen sehen Sie für die Nokia-Mitarbeiter, zeitnah in eine feste Anstellung überzugehen?
Preiß: Um es realistisch zu sehen: Der Job bei Nokia war für die meisten sehr gut, sowohl was die Arbeit als auch das Entgeld dafür anging. Man muss wohl davon ausgehen, dass die Wenigsten wieder eine gleiche oder zumindest ähnliche Stellung finden werden, zumal die Handyproduktion in Deutschland ja nach der Schließung von BenQ und zuletzt Nokia eingestellt wurde. Die Chance, eine neue Stelle zu finden, steigt natürlich mit der Flexibilität, die die Arbeitssuchenden an den Tag legen. Das betrifft sowohl den Ort als auch die Bezahlung.
Vor diesem Hintergrund wird die Stimmung unter den Nokianern vermutlich nicht die beste sein.
Preiß: Das war anfangs und ist zum Teil sicherlich auch immer noch so. In den ersten Gesprächen, die wir bereits geführt haben, wird aber deutlich, dass die Leute glücklich sind, dass das Thema Nokia für sie jetzt abgeschlossen ist und dass sie sich nicht mehr mit der Vergangenheit beschäftigen müssen, sondern in die Zukunft blicken können.
Gab es schon erste Erfolge?
Preiß: Die erste Gruppe Nokianer wird seit 1. Juli von uns betreut. Von denen haben schon 20 Prozent eine neue Anstellung gefunden – sei es durch eigenes Engagement, durch die Arbeitsagentur oder auch durch uns. Aber wer letztendlich die Stelle aufgetan hat, spielt für uns auch keine Rolle. Hauptsache, die Leute haben wieder einen Job.
Übergangsphase
Die PEAG Transfer (Personalentwicklungs- und Arbeitsmarktagentur GmbH) existiert seit 10 Jahren. Mit Hauptsitz in Dortmund gibt es Filialen in ganz Deutschland, in denen insgesamt rund 100 Mitarbeiter tätig sind. Die Niederlassung am Horster Bugapark wurde Mitte August 2008 speziell eingerichtet, um die Bochumer Nokia-Mitarbeiter aus der Umgebung zu übernehmen.
In einer Transfergesellschaft können nach Angaben von Anja Beckebaum, Standortleiterin in Gelsenkirchen, Mitarbeiter von Firmen aufgehen, die insolvent sind oder Teile des Unternehmes betriebsbedingt auflösen oder deren Standort verlagern. Der Vorteil sei, dass die formal Arbeitssuchenden nicht sofort in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, sondern weiterhin in einer Anstellung verbleiben.
„Die Dauer im Transfer ist auf maximal zwölf Monate beschränkt”, erläuertert Anja Beckebaum. Allerdings gäbe es die Möglichkeit, über eine Förderung beipsielsweise aus dem Europäischen Sozialfond zu verlängern.
Während der zwölf Monate erhalten die Arbeitssuchenden ein Kurzarbeitsgeld von der Bundesargentur der Arbeit, das vom Vorarbeitgeber in unterschiedlichem Umfang aufgestockt wird, so dass die Arbeitssuchenden zwischen 60 und 90 Prozent ihres letzten Gehaltes erhielten. „Die Höhe der Aufstockung ist Verhandlungssache”, so Beckebaum Dies soll ihnen ermöglichen, sich nicht nur um eine Anstellung zu bemühen, sondern auch weiter zu qualifizieren.
Die PEAG betreut bundesweit zirka 2000 Menschen; in den vergangenen zehn Jahren waren es insgesamt rund 40000.
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