In Beckhausen bleibt die Kundschaft aus

Kein Kunde weit und breit: Erdal Karaca bekommt die Auswirkungen der Baustelle  hautnah zu spüren.
Kein Kunde weit und breit: Erdal Karaca bekommt die Auswirkungen der Baustelle hautnah zu spüren.
Foto: Funke Foto Services
Mitten in Beckhausen kann es mitten am Tag gespenstig ruhig sein. Die Großbaustelle auf der Horster Straße verscheucht die Kundschaft der vielen kleinen Geschäfte. Das haben aus Britta und Erdal Karaca zu spüren bekommen, die den Express Shop Kiosk betreiben.

Gelsenkirchen-Beckhausen..  Stille Tage in Beckhausen: Es ist fast Mittag und im Zentrum des Ortsteils ist kaum ein Mensch, kaum ein Auto unterwegs. Die Großbaustelle hat für die Kanalarbeiten ein tiefes Loch in die Horster Straße gerissen, es ist mittlerweile verfüllt. Die Arbeiten an Gehweg, Fahrbahn und Gleis kommen nur langsam voran. Irgendwann, wenn die Ostseite fertig ist, wechselt die Baustelle auf die Westseite der Horster Straße. Dort betreiben Britta und Erdal Karaca ihren „Express Shop Kiosk“ und bekommen die Auswirkungen der Baustelle, die kein Ende nehmen will, hautnah zu spüren.

„Seit Mai vergangenen Jahres ist es besonders schlimm“, berichtet Britta Karaca (35) über das Ausbleiben der Laufkundschaft. Belegte Brötchen, Kaffee, Zeitungen, Zigaretten, Getränke, Süßigkeiten - das wird gern im Vorbeigehen mitgenommen, auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg zur Schule, auf dem Weg zur Straßenbahn-Haltestelle.

Was aber, wenn die Hauptverkehrsachse zwischen Buer und Horst zur Hälfte stillgelegt ist, ein Bauzaun Fahrbahn und Gehweg trennt und ein Parken nicht mehr möglich ist? Erdal Karaca: „Die Leute parken doch nicht auf dem Marktplatz, um zu uns zu kommen. Die fahren einfach weiter.“ Wie sich das auf den kleinen Betrieb auswirkt, kann der 35-Jährige exakt in Zahlen ausdrücken. „Als wir die Baustelle noch nicht vor der Tür hatten, kamen morgens um die 50 Kunden zu uns“, weiß Erdal, klickt die elektronische Kasse an und stellt mit Blick auf den Bildschirm um kurz nach 11 Uhr fest, nachdem er eine Schachtel Zigaretten verkauft hat: „Das war Kunde Nummer 27.“

Stammkunden halten die Treue

Gut, dass es die Stammkunden gibt. „Die halten uns noch die Treue“, sagt Britta Karaca, die sich die Schichten mit ihrem Ehemann teilt. Von 7 bis 23 Uhr ist der kleine Laden geöffnet, am Wochenende bis 24 Uhr. Als die Geschäfte noch liefen, war der „Express Shop Kiosk“ bereits ab 5.30 Uhr geöffnet. Da konnten die Karacas zwei, drei Minijobber beschäftigen, jetzt reicht eine Aushilfe. Britta Karaca: „Wir sind eine Familie mit drei Kindern und leben am Existenzminimum.“

Stadt nimmt Knöllchen zurück

Zu allem Ärger über die Baustelle Horster Straße dann auch noch das: Weil Britta Karaca ihren Kleinwagen kurz auf dem breiten Bürgersteig geparkt hatte, um ihren Kiosk mit Nachschub zu versorgen, stellte ihr eine Politesse ein 20-Euro-Knöllchen aus. Und dann flatterte ihr der alljährliche Gebührenbescheid (102 Euro) für die Sondernutzung der Fläche vor dem Kiosk ins Haus. Dort stellt sie ab dem Frühjahr immer Tisch und Stühle heraus. Aber jetzt? Britta Karaca fragt sich: „Welcher Kunde will dort sitzen und die Baustelle begucken?“ Oliver Schäfer, Sprecher der Stadtverwaltung, entschuldigt sich: „Wir können die Verärgerung nachvollziehen. Das Verwarnungsgeld und die Sondernutzungsgebühr hätten angesichts der Folgen der Baustelle nicht sein müssen. “ Die Stadt werde die Bescheide zurücknehmen und die Kosten erstatten. Schon während der Arbeiten an der Kulturmeile sei man bemüht gewesen, gemeinsam mit den Anliegern nach Lösungen zu suchen. Schäfer: „In Buer wie in Beckhausen haben die Anwohner sehr viel Geduld bewiesen.“