Hummel-Paradies liegt gleich hinterm Zaun

René Immig ist ein erklärter Hummelfreund, In seinem naturnahen Garten finden die Insekten beste Lebensbedingungen vor.
René Immig ist ein erklärter Hummelfreund, In seinem naturnahen Garten finden die Insekten beste Lebensbedingungen vor.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Was wäre Schokolade, was wäre Ketchup ohne Hummeln? Wie wichtig diese Insekten fürs Ökosystem und die Ernährung des Menschen sind, weiß René Immig. Er ist ein ausgewiesener Hummelfreund.

Gelsenkirchen-Buer.  . Sie können noch so summen und brummen, gegen den Lärm von der Emil-Zimmermann-Allee kommen sie nicht an. Dennoch stört sie der Verkehrslärm nicht. Gleich hinterm Zaun, in einem naturnahen Garten, haben Erd- und Gartenhummeln ein Paradies gefunden. Dort finden sie Klee und andere Blüten, dort gibt es Steinwände und aufgelassene Mäusenester, wo sie mit ihren Völkern leben. Und dort, an der Straße Am Schifersberg, ist René Immig zu Hause, Biologielehrer und ausgewiesener Hummelfreund.

Für den 48-Jährigen sind Hummeln „hoch spannende Insekten“ und damit mehr als geduldete Gartenbewohner. Ihr Wirken stellt er in biologische, ökologische und evolutionäre Zusammenhänge. Und stellt die These auf: „Ohne Hummeln gäbe es keinen Ketchup. Und keine Schokolade.“ Weil Hummeln die perfekten Tomatenblüten-Bestäuber sind und dafür in der Landwirtschaft auch professionell im Einsatz sind. Und weil sie genau so gern Klee mögen, der von Kühen gefressen wird, die Milch geben, die man zu Schokolade weiter verarbeiten kann...

Es muss nicht unbedingt ein großer Garten sein, um Hummeln ein zu Hause geben zu wollen. René Immig: „Ein Balkon tut’s auch.“ Mit Salbei oder Lavendel in den Pflanzkästen. Auf keinen Fall sollte eine Wildblumenmischung ausgesät werden mit einem Allerlei von Irgendwas. „Die Hummel lebt immer am Limit“, erläutert Immig. Da wäre der Flug von Blüte zu Blüte, die alle irgendwie nicht Hummel-tauglich sind, einfach zu Kräfte zehrend, weil die Hummel an jeder Blüte üben muss, ob sie überhaupt für sie geeignet ist. Wer Hummeln etwas Gutes tun möchte, verzichtet auf einen englischen Rasen und sorgt lieber dafür, dass zum Beispiel Klee in ausreichender Menge gedeihen kann.

Thema sogar im Ortsverein

Die Liebe zu den Hummeln geht bei René Immig sogar soweit, dass er die Lebenswelt von Bombus magnum (Erdhummel) und Bombus hotorum (Gartenhummeln) und anderen Artgenossen nicht nur zum Unterrichtsthema an einem Duisburger Gymnasium macht, wo er Biologie und Latein unterrichtet. Als Bildungsbeauftragter der SPD Buer-Mitte III nutzte er kürzlich die Gelegenheit und machte zusammen mit Hummelfreund Cornel van Bebber aus einer der üblichen Ortsvereinsversammlungen eine Werbeveranstaltung für die zur Gattung der Echten Bienen gehörenden Insekten.

Weil sie stets in friedlicher Absicht durch die Luft taumeln und dem Menschen im Herbst auch nicht den Pflaumenkuchen auf der Terrasse streitig machen, könnten Hummeln eigentlich ein unbeschwertes Leben führen. Wäre da nicht der Raupenspinner, der als Parasit das Hummelnest verspinnt und sich der mühsam angeschafften Honigvorräte bedienen würde. Vom Eingreifen des Menschen in die Natur ganz zu schweigen.