Hugo, ein Pütt mit vielen Gesichtern

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts galt Gelsenkirchen neben Bochum als größte Bergbaustadt – und das nicht etwa nur im Ruhrgebiet, nein, in ganz Europa. Die Bergwerke gaben der Stadt ihr Gesicht. Als die Zechen stillgelegt wurden, änderte es sich. Während Bergbau und Bergleute wichen, blieben die Gelände als Relikte ihrer Zeit. Sie erzählen Geschichten vom Wandel, von persönlichem Engagement, von Wünschen, Hoffnungen, Ideen.

Klangvolle Namen

Untrennbar ist die neue Geschichte der Zeche Hugo mit einem Namen verbunden: Klaus Herzmanatus. Der letzte Betriebsratsvorsitzende der Zeche ist ein Kämpfer. Ende der 90er Jahre kämpfte er gegen die Stilllegung, als diese im Jahr 2000 dennoch kam, kämpfte er für den Erhalt des Schachtes 2. Dass der heute einer der außergewöhnlichsten Veranstaltungsräume ist, das ist der Verdienst des Bueraners und seines Vereins.

Aktuell findet im Schnitt eine Veranstaltung im Monat im Schacht 2 statt. Das Programm kann mit klangvollen Namen aufwarten. So ist der Kult-Moderator Manni Breuckmann regelmäßig hier zu Gast. Zuweilen wird es auch international, wenn die japanische Trommel-Truppe „Wadokyo“ auf dem Pütt auftritt. Und nicht zuletzt beim Tag des offenen Denkmals kommen zahlreiche Besucher her.

Neben dem Schacht 2 konnten auch die Bauten des Architekten Fritz Schupp erhalten werden – ebenfalls durch privates Engagement. Im Jahr 2012 erwarb Ralf Turowski die historischen Gebäude, die nicht nur die Spuren der Zeit trugen, sondern auch des Vandalismus. Turowski sanierte alles, denn er hatte eine Vision. Hier soll ein Mekka für Oldtimerfans entstehen.

Die Zeche Hugo wurde 1873 angelegt und benannt nach dem Repräsentanten Hugo Honigmann. Die Abteufarbeiten für den zweiten Schacht liefen 1881 an. Die Zeche Hugo wuchs mit den Jahren, verfügte über ganze neun Schächte. Die zentrale Förderung geschah am Standort 2/5/8, dem Ort, der heute als Zeche Hugo bezeichnet wird. Nur Relikte erinnern noch an die anderen Anlagen wie etwa die Gastronomie „Hugo I“ an der Horster Straße. Dem Standort Hugo Ost an der Ressestraße sieht man seine Geschichte kaum mehr an. Hier sind eine Tierarztpraxis und ein Pfadfinderstamm beheimatet.

Biomasse-Park

1997, als das Ende der Ruhrbergbaus bereits besiegelt war, entstanden Pläne, auf Hugo ein Besucherbergwerk zu schaffen, das Revier und die Stadt um eine Attraktion reicher zu machen. Eine Anschubfinanzierung durch das Land und die RAG stand bereit, den Betrieb jedoch sollte ein privater Investor übernehmen. Ein solcher fand sich in den USA. Jedoch stellte sich heraus, dass man zu lange auf schwarze Zahlen warten müsste. Man nahm Abstand von dem Vorhaben.