Horsterin Adolfine Tönnies bald selig gesprochen?

Gründete als erste Generaloberin der Steyler Anbetungsschwestern Ordenshäuser in der ganzen Welt: Mutter Maria Michaele aus Horst.
Gründete als erste Generaloberin der Steyler Anbetungsschwestern Ordenshäuser in der ganzen Welt: Mutter Maria Michaele aus Horst.
Foto: ANB
Was wir bereits wissen
Die Verstorbenen Papst Johannes Paul II. sowie Mutter Teresa sind es bereits – die Ordensschwester Mutter Maria Michaele, geboren 1862 als Adolfine Tönnies in Horst, wird es womöglich auch in naher Zukunft: selig gesprochen.

Gelsenkirchen-Horst..  Die Verstorbenen Papst Johannes Paul II. sowie Mutter Teresa sind es bereits – die Ordensschwester Mutter Maria Michaele, geboren 1862 als Adolfine Tönnies in Horst, wird es womöglich auch in naher Zukunft: selig gesprochen. Das nötige Verfahren dafür wird am 3. September auf Bistumsebene im niederländischen Roermond eröffnet. „Wir haben uns über diese Nachricht sehr gefreut“, erklärte Wolfgang Pingel dazu, Pfarrer in St. Hippolytus, wo die spätere Mitgründerin und erste Generaloberin der Steyler Anbetungsschwestern einst getauft worden war.

„Derzeit wird besonders in den Steyler Archiven Material zu ihrem Leben und Wirken gesammelt“, so der Pfarrer. Laut Pater Manfred Krause SVD, der für die Steyler Ordensfamilie in dem Verfahren entsprechende Informationen zusammenträgt, „wird von der Kirche für die Seligsprechung ein Wunder gefordert, das auf die Fürsprache der ,Dienerin Gottes’ gewirkt wird“.

Lehrerin in der Diaspora

Wie lange das Sammeln und Sichten dauern wird, wann die Ergebnisse dieser Arbeit nach Rom geschickt werden, um dort das Seligsprechungsverfahren dort fortzuführen, ist unklar. Pater Manfred Krause in „stadt gottes“, einem Magazin der Steyler Missionare: „Es wird, so Gott will, wohl noch eine ganze Weile dauern.“

Verwandte von Adolfine Tönnies leben nach Kenntnis von Pfarrer Pingel nicht mehr in Gelsenkirchen. „Bekannt ist aber, dass ihr Geburtshaus an der Markenstraße stand. Ihre Eltern stammten aus Polsum und führten eine Eisenwarenhandlung.“ Die fromme katholische Familie, in die „Finchen“ – so wurde sie oft genannt – hineingeboren wurde, war groß: Insgesamt elf Kinder hatten Mathilde und Johann Tönnies. Nach Volksschule und Lehrerinnenseminar wurde die Horsterin mit 24 Jahren Lehrerin an einer Missionsschule in der norddeutschen Diaspora, in Rendsburg. Zehn Jahre lang unterrichtete sie Mädchen und Jungen zwischen sechs und 14 Jahren – Schule, Kirche und Pfarrhaus, wo auch ihre Wohnung lag, waren miteinander verbunden, so dass sie schon dort fast klösterlich lebte, so ihr Biograph, Pater Hermann Fischer SVD. Dort sei auch ihr Wunsch entstanden, Ordensschwester zu werden.

Zwischen Klausur und Mission

Auf Anregung ihres Onkels, des Priesters Hermann Wegener, gab sie ihre Stellung auf und schloss sich 1891 im niederländischen Steyl einer Gruppe von 16 Frauen an, die Missionsschwestern werden wollten. Gründer des Ordens „Dienerinnen des Heiligen“ war der 2003 heilig gesprochene Missionar Arnold Janssen. 1896 zählte sie dann zu der Gruppe von sechs Schwestern, mit denen Janssen die Abeilung der Anbetungsschwestern gründete. Ein Jahr später wurde sie deren Vorsteherin. Bis zu ihrem Tod 1934 prägte sie die Kongregation und gründete neue Häuser in den USA, auf den Philippinen, in Deutschland, den Niederlanden und in China.

Sie blieb laut Pater Fischer zeitlebens eine bescheidene Frau, die versucht habe, die Zurückgezogenheit der Klausur mit der Mission – der Ausbreitung des Glaubens in der Welt – im Gebet zu verbinden.