Horster Gemeinde sucht Freiwillige für Entlastungsdienst

Viele geistig veränderte Menschen mögen es noch, Gesellschaftsspiele aus ihrer Kindheit zu spielen – etwa „Mensch ärgere Dich nicht“.
Viele geistig veränderte Menschen mögen es noch, Gesellschaftsspiele aus ihrer Kindheit zu spielen – etwa „Mensch ärgere Dich nicht“.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Nachfrage ist so groß, dass die Zahl der Ehrenamtlichen beim häuslichen Entlastungsdienst der Evangelischen Gemeinde Horst nicht ausreicht: Nun suchen die Verantwortlichen nach Freiwilligen, die geistig veränderte Menschen betreuen wollen.

Gelsenkirchen-Horst..  Helfen ist oft leichter als Hilfe anzunehmen – erst recht, wenn es gilt, dafür etwa eine pflegebedürftige Mutter fremdbetreuen zu lassen. Aber auch pflegende Angehörige müssen neue Kraft tanken – weshalb in Horst seit April 2013 der häusliche Entlastungsdienst der Evangelischen Kirchengemeinde einspringt. Mit dem neuen Pflegeverstärkungsgesetz wird der Kreis derer, die Anspruch auf eine solche Leistung haben, auf Personen auch ohne Pflegestufe ausgeweitet – und so setzen auch die Verantwortlichen in Horst auf mehr Freiwillige, die beim Entlastungsdienst mitmachen.

„Wir haben uns mittlerweile in Horst einen guten Namen erarbeitet und müssen sogar schon Anfragen abweisen, weil wir nicht genügend Ehrenamtliche haben. Das wollen wir im neuen Jahr ändern“, begründet Dr. Zuzanna Hanussek, Gerontologin beim Evangelischen Kirchenkreis, die Initiative, die ab 2. Mai in die Schulung von bis zu zwölf Freiwilligen münden soll.

40-stündige Schulung

In 40 Wochenstunden, verteilt auf drei Wochenden und einige Donnerstagabende, erhalten die Interessenten Einblicke in die Krankenpflegepraxis, ins Wesen des Alterns und die Welt der Demenz, bekommen aber auch Tipps für die Kommunikation und den Umgang mit geistig veränderten Menschen. Sie sollten zudem darauf gefasst sein, sich mit ihren eigenen Ansichten und Gefühlen zum Thema Altern und Tod in Form von Biografiearbeit auseinanderzusetzen.

Ehrenamtliche Dorothea Haben (53) hat die Schulung längst hinter sich und betreut seit einiger Zeit eine 85-Jährige im Schaffrath, jeweils zwei Stunden zwei Mal in der Woche. „Ich gehe mit der Seniorin spazieren oder wir spielen ,Mensch ärgere dich nicht’, während die Angehörigen beim Arzt oder Einkaufen sind. Die alte Dame freut sich immer schon, wenn ich komme, und für mich ist es toll, anderen helfen zu können. Wer weiß, vielleicht bin ich es später, die auf Hilfe angewiesen ist“, meint sie.

Wer sich vorstellen kann, geistig veränderte Menschen ehrenamtlich gegen eine Aufwandsentschädigung zu betreuen, kann beim Info-Tag am Donnerstag, 5. März, 18 Uhr, im evangelischen Gemeindehaus Bulmke, Florastraße 119, erste Kontakte knüpfen (Info über Entlastungsdienst-Koordinatorin Susanne Helmke, 55738). Die 40-Stunden-Schulung ist kostenlos.